Konzert |

Die Winterreise

Liederabend mit Markus Eiche und Ludwig Holtmeier
Porträts von Ludwig Holtmeier und Markus Eiche

Mitwirkende

Markus Eiche → Bariton
Ludwig Holtmeier → Klavier

Programm

Franz Schubert → Die Winterreise

Die »Winterreise« von 1827 gehört zu den populärsten Liederzyklen der Romantik und zum Repertoire vieler namhafter Sänger und auch Sängerinnen. Die romantische Lyrik Wilhelm Müllers hat viele Bedeutungsebenen und lässt dadurch einen großen Spielraum für Interpretationen. Allerdings legen das erste und das letzte Lied, »Gute Nacht« und »Der Leiermann«, die Deutung nahe, dass der Zyklus wortwörtlich eine Reise beschreibt, die mit verschmähter Liebe beginnt und mit dem Tod endet.

Wilhelm Müller hat die Gedichte des Zyklus nach und nach veröffentlicht und erst mit der vollständigen Ausgabe 1824 eine Reihenfolge festgelegt. Franz Schubert hielt sich bei seiner Komposition allerdings nicht an diese Reihenfolge. Das war möglich, da die Gedichte keine klare Erzählung spinnen, sondern größtenteils Eindrücke wiedergeben.

Jedes Lied steht für eine Emotion
Markus Eiche, seit 2016 Professor für Gesang an der Hochschule für Musik Freiburg, beschäftigt sich seit langem mit der Winterreise. Er singt die Lieder des Zyklus statt in Schuberts Reihenfolge in der Reihenfolge der Müller’schen Gesamtausgabe. Durch die Änderung wird die Logik einer Reisebeschreibung aufgebrochen und es bietet sich eine neue Interpretationsmöglichkeit der Texte. »Im Leben gibt es immer wieder Aha-Momente, mit denen sich plötzlich alles ändert: Sichtweisen, Einstellungen, Gefühle. Für mich fächert die Winterreise als Ganzes betrachtet das emotionale Erleben einer solch grundlegend neuen Erkenntnis auf, die wir in einem Moment erfahren können«, erläutert Markus Eiche seine Sichtweise. Ein solches Erlebnis kann eine überwältigende Fülle gleichzeitig wirkender und auch widersprüchlicher Emotionen wie Liebe, Hass, Begeisterung oder Gleichmut mit sich bringen. »Wie ein Prisma weißes Licht in seine Spektralfarben aufbricht, so fächert die Winterreise mit ihren Liedern die Emotionen auf, die zusammengenommen dieses Aha-Erlebnis darstellen, mit dem sich das Leben komplett ändert. ›Der Leiermann‹ wird so betrachtet zur Pforte, durch die man mit dieser neuen Erkenntnis die eigenen neuen Möglichkeiten im Leben erkennen und ab sofort schreiten kann.«

Dass er mit dieser Sichtweise ein interpretatorisches Wagnis eingeht, ist Markus Eiche bewusst, doch er sieht sich in einer Vorbildrolle. Die Studierenden der Hochschule für Musik Freiburg sollen in ihrem Studium lernen, eigene künstlerische Wege zu verfolgen. »Unsere Studierenden sind oft sehr stark davon geprägt, inneren oder äußeren Erwartungen gerecht zu werden, und sind dabei besonders darauf bedacht, alles ›richtig‹ zu machen. Bei einem künstlerischen Entwicklungsprozess kommt es aber darauf an, sich die Freiheit zu nehmen, eigene Ideen und Möglichkeiten zu verfolgen. Die Freiheit, sich in einem selbst gesteckten Rahmen frei bewegen zu können, macht die Kunst aus. Kategorien wie ›richtig‹ oder ›falsch‹ schränken die eigenen Möglichkeiten und damit die eigene künstlerische Entwicklung ein.« Dabei müsse man auch das Risiko des Scheiterns eingehen. Ob der renommierte Bariton zusammen mit dem Pianisten Ludwig Holtmeier, Professor für Musiktheorie und Rektor der Hochschule, mit seiner Interpretation überzeugen kann, entscheidet am Ende das Publikum.

8 €, 4 € ermäßigt, 5 € für Mitglieder der Fördergesellschaft