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Das Doktorandenkolleg »Collège doctoral européen d’interprétation et de création musicales«

Deutsch-französisches Doktorandenkolleg von Hochschule für Musik Freiburg, Université de Strasbourg und Haute École des Arts du Rhin

Foto: Kacper Dąbrowski und Meike Senker absolvieren ihre künstlerisch-wissenschaftliche Promotion in Freiburg und Straßburg. Foto von Ramon Manuel Schneeweiß.


Das 2020 gegründete »Europäische Doktorandenkolleg für musikalische Interpretation und künstlerische Forschung« (»Collège doctoral européen d’interprétation et de création musicales«) ist das gemeinsame Collège doctoral franco-allemand (CDFA) der Hochschule für Musik Freiburg, der Université de Strasbourg und der »Haute École des Arts du Rhin« (HEAR). Das Doktorandenkolleg ermöglicht die Promotion im Bereich der künstlerischen Forschung, die mit dem akademischen Grad eines »Doctor of Philosophy« (PhD) abgeschlossen wird.

Das »Collège doctoral européen d’interprétation et de création musicales« wird im Rahmen der Deutsch-französischen Hochschule/Université franco-allemand gefördert.

Interview mit zwei Studierenden des Doktorandenkollegs

»Transmitter zwischen Leben und Wissenschaft«

Die Komponistin Meike Senker und der Flötist Kacper Dąbrowski gehören zum ersten Jahrgang, der am »Collège doctoral européen d’interprétation et de création musicales« promoviert. Im Interview sprechen sie darüber, wodurch das Doktorandenkolleg sie überzeugt hat, wie sie Wissenschaft und Kunst zusammenbringen und was sie anderen Promovierenden raten würden.

Frau Senker, Herr Dąbrowski, aus welchen Gründen haben sie sich dafür entschieden, am CDFA zu promovieren?

Meike Senker: Ich finde es spannend, dass ich hier eine künstlerisch-wissenschaftliche Promotion absolvieren kann. Ich nehme beide Bereiche sehr ernst und freue mich, sie gewinnbringend zu kombinieren. Außerdem war mir ein guter Abschluss wichtig: Ich unterrichte an Musikhochschulen und möchte auch zukünftig in diesem Bereich tätig sein. Dabei wird mir der PhD-Abschluss helfen. Die Hochschule für Musik Freiburg kannte ich schon vorher, da ich hier am Institut für Neue Musik bei Johannes Schöllhorn meinen Master gemacht habe.

Was war bei Ihnen ausschlaggebend, Herr Dąbrowski?

Kacper Dąbrowski: Ich habe meinen Master als Flötist ebenfalls an der Hochschule für Musik Freiburg abgeschlossen. Ich wollte danach gern promovieren und mein Lehrer Mario Caroli hat mich auf die fantastische Chance hingewiesen, am CDFA ein internationales Doktorat mit einem weltweit anerkannten Titel absolvieren zu können. Ich bin mir sicher, dass wir hier über unsere Dissertationen hinaus etwas aufbauen und erschaffen werden. Auch Freiburg hat mich überzeugt: Hier gibt es die Hochschule und mit Straßburg und Basel zwei weitere Zentren für Musik in unmittelbarer Nähe. Mir war klar: Ich muss hier bleiben.

Sie sind in Freiburg geblieben, pendeln aber oft nach Straßburg.

Kacper Dąbrowski: Ja, ich bin an beiden Orten tätig: Der Betreuer für den wissenschaftlichen Teil meiner Arbeit ist der Rektor der Hochschule für Musik Freiburg, Ludwig Holtmeier. Den künstlerischen Teil betreut Silvia Careddu, die an der »Académie supérieure de musique de Strasbourg« unterrichtet und erste Flötistin am »Orchestre National de France« ist. Dadurch habe ich Kontakte an beiden Orten. Dass das CDFA zweisprachig ist, finde ich spannend: Meine Muttersprache ist zwar Polnisch, aber ich spreche auch Französisch und habe während meines Masterstudiums Deutsch gelernt.

Ihre Betreuer sind beide in Freiburg, Frau Senker. Wie viel Kontakt haben Sie zu den französischen Promovierenden?

Meike Senker: Richtig, ich werde betreut durch Johannes Schöllhorn und Ludwig Holtmeier. Während der Corona-Pandemie waren Treffen eingeschränkt, aber wir hatten bereits eines, was ich äußerst spannend fand. Die Promovierenden konnten Vorträge über ihr Projekt halten, mit anschließender Diskussion. Mit anderen über mein Vorhaben zu sprechen, hat mir sehr viel Input gegeben – sie haben oft einen ganz anderen Hintergrund als ich und haben etwa an einer französischen Hochschule studiert. Ihre Perspektive ist eine große Bereicherung, um die eigene Arbeit weiter voranzutreiben.

Könnten Sie Ihr Promotionsvorhaben kurz umreißen?

Meike Senker: Ich setze mich mit dem multiperspektivischen Verhältnis von Musik und Text bei dem italienischen Komponisten Luciano Berio auseinander. Ich beschäftige mich mit dem Stück »A-Ronne« aus dem Jahr 1975, das auf eine Kooperation Berios mit dem Dichter Edoardo Sanguineti zurückgeht. Sanguineti hat dafür einen Text geschrieben, der aus kurzen Zitaten besteht – zum Beispiel aus dem Johannes-Evangelium oder von James Joyce. Dieses Gedicht hat Berio in seiner Komposition immer wieder unterschiedlich verarbeitet, etwa als Jazz-Scat-Gesang oder als barocken Choral. Wichtig für meine Forschung über »A-Ronne« ist Berios Vorstellung der Musik als Dokumentation von Text: Er sagt, sie dient einerseits als Analysewerkzeug für den Text, andererseits erforschen die Interpretierenden den Text mit ihrer Stimme. Berio spricht von einer forschenden-künstlerischen Haltung. Dieser Idee einer Art komponierten Dokumentation versuche ich nachzugehen – durch die Analyse, aber auch mit der Quellenforschung, der Auseinandersetzung mit Texten von Berio und natürlich auch mit eigener kompositorischer Arbeit, um das von Berio eröffnete kompositorische »Forschungsfeld« mit heutigen Mitteln zu aktualisieren.

Womit beschäftigen Sie sich, Herr Dąbrowski?

Kacper Dąbrowski: Ich interessiere mich sehr für die Musik des deutsch-dänischen Komponisten Friedrich Kuhlau und für seine Verbindungen zur Musik Ludwig van Beethovens. Leider gibt es für Flöte kein Repertoire von Beethoven, weshalb wir vieles transkribieren. Dafür kann man auch auf die Literatur von Kuhlau zurückgreifen, der oft als der »Beethoven der Flöte« bezeichnet wird. Die wissenschaftliche Kernfrage meiner Arbeit ist: Warum ist die Musik der beiden so ähnlich und aus welchen Gründen hat sich Kuhlau für die Querflöte entschieden und Beethoven nicht? Für den künstlerischen Teil werde ich eine Aufnahme machen: Ich transkribiere eine Violinen-Sonate von Beethoven und nehme eine analytische und aufführungspraktische Näherung vor.

Was würden Sie Studierenden raten, die eine künstlerisch-wissenschaftliche Promotion anstreben?

Kacper Dąbrowski: Man muss für sein Thema brennen! Diese Dissertation ist für Leute gedacht, die sich in einem Thema bereits sehr gut auskennen und daran weiterarbeiten wollen. Außerdem braucht man sehr viel Neugier und einen breiten Austausch mit anderen Kunstschaffenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Wir sind eine Art Transmitter, eine Verbindung zwischen Leben und Wissenschaft.

Meike Senker: Man sollte sich vorher fragen: Was bedeutet es für meine künstlerische Arbeit, wenn ich meine Kunst in einem wissenschaftlichen Kontext und meine Wissenschaft als Künstlerin betrachte? Beide Bereiche müssen zusammengebracht werden und dafür braucht man große Leidenschaft.

Interview: Ben Klaußner

 

Auswahlverfahren

Die Voraussetzung für eine Aufnahme in das Collège doctoral franco-allemand der Hochschule für Musik Freiburg, der Université de Strasbourg und der »Haute École des Arts du Rhin« (HEAR) ist das Bestehen des Auswahlverfahrens. Dieses findet in der Regel jährlich im Zeitraum April/Mai in Präsenz abwechselnd in Freiburg und Straßburg statt. Um sich für das Auswahlverfahren zu qualifizieren, müssen die Bewerberinnen und Bewerber spätestens zwei Wochen vorher ein »dossier de pré-candidature« an die Direktion des Collège doctoral franco-allemand an der Université de Strasbourg geschickt haben (doctorat‐icm(at)accra‐recherche.unistra(dot)fr). Die Anmeldung kann in deutscher, französischer oder englischer Sprache erfolgen.

Die Vorstellung der Kandidatinnen und Kandidaten beim Auswahlverfahren hat eine Gesamtdauer von jeweils 30 Minuten. Davon sind 20 Minuten für die künstlerische Präsentation vorgesehen (das Recital, die Präsentation der Kompositionen, die Orchesterprobe et cetera). In den verbleibenden zehn Minuten stellen die Kandidatinnen und Kandidaten ihr Forschungsprojekt in einer kurzen Präsentation vor, die auf den Zusammenhang von künstlerischer Praxis und wissenschaftlicher Forschung zielt, und treten anschließend in ein kurzes Gespräch mit der Kommission ein.

Das »dossier de pré‐candidature« soll Folgendes enthalten:

  • Das Video einer künstlerischen Darbietung (10 Minuten Länge)
  • Die Angabe des Forschungsprojekts und der Namen der wissenschaftlichen und der künstlerischen Betreuenden.
  • Ein Motivationsschreiben (maximal eine DIN-A4-Seite)
  • Den Lebenslauf (maximal drei DIN-A4-Seiten)
  • Bei Interpretinnen und Interpreten: ein Programm des für das Auswahlverfahren bestimmten Recitals, das etwa 45 Minuten dauern sollte. Das Programm sollte in Zusammenhang mit dem Forschungsthema stehen und zudem ein anspruchsvolles Referenzstück (»pièce de résistance«) enthalten.
  • Bei Komponistinnen und Komponisten: eine Liste der bei dem Auswahlverfahren vorgestellten beziehungsweise besprochenen Kompositionen.
  • Bei Dirigentinnen und Dirigenten: eine Liste der eingesandten Live‐Audioaufnahmen beziehungsweise Live‐Videoaufnahmen. Bitte sprechen Sie sich diesbezüglich im Voraus mit der Direktion des Collège doctoral franco-allemand ab. Grundsätzlich ist die Leitung eines Ensembles in Präsenz beim Auswahlverfahren vorgesehen. Sollte das aber nicht möglich beziehungsweise nicht sinnvoll sein, kann die Jury ihre Entscheidung auch auf Grundlage von Live‐Audio‐ beziehungsweise Live‐Videoaufnahmen fällen.

Weitere Details zum Auswahlverfahren finden Sie in der Studienordnung des Collège doctoral franco-allemand.

Informationen in französischer Sprache finden Sie auf den Websites der Haute École des Arts du Rhin und der Université de Strasbourg.

Downloads

Downloads zum kooperativen strukturierten Promotionsstudiengang des »Europäischen Doktorandenkollegs für musikalische Interpretation und künstlerische Forschung / Collège doctoral européen d’interprétation et de création musicales«

Studien- und Prüfungsordnung

Anlage A zur Studien- und Prüfungsordnung (Studienplantabelle)

Anlage C zur Studien- und Prüfungsordnung (Anmelde- und Auswahlmodalitäten)

Anlage D zur Studien- und Prüfungsordnung (Modulhandbuch)

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