Kunst und Forschung – Clara Wieck SchumannKunst und Forschung – Clara Wieck Schumann

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Clara Wieck Schumann nutzte sehr früh in ihrer Karriere ein auf wechselseitigem Support fussendes Netzwerk von Gleichgesinnten, um als Künstlerin zu handeln. Konzerte zu veranstalten unterlag multifaktoriellen Bedingungen. Zeitpunkt, Aufführungsort, Repertoire und Mitwirkende galt es in Eigenverantwortung zusammenzubringen, in einer historischen Situation, in der die Konzeptualisierung des Konzerthörens und ihre Überführung in institutionelle Strukturen erst im Entstehen begriffen waren. Um die Aufmerksamkeit des Publikums richtig einzuschätzen und aufrecht erhalten zu können, bedurfte es einer klugen Dramaturgie.

Clara Wieck Schumanns Selbstevaluierungen zeigen einen rationalistischen Zug. Die Repertoires wurden im Trial and Error-Verfahren modifiziert. Dabei wurden erlebnisorientierte Wirkungsabsichten, Selbstpräsentation, ästhetische und kunstpädagogische Überzeugungen sowie die Einschätzung lokaler und sozialer Gegebenheiten berücksichtigt. In diesem Sinne können Wieck Schumanns Unternehmungen als Beispiele angewandten künstlerischen Wissens gesehen werden, so die Hypothese.

Im Konzert am 10. Mai 2019 wird die Rekonstruktion des »Grossen Concerts« erklingen, das Clara Wieck am 9. November 1835 im Gewandhaus zu Leipzig gegeben hat. Es enthielt die Uraufführung ihres eigenen Klavierkonzerts. Bezogen auf das Umfeld der übrigen Gewandhauskonzerte zeigt das Programm einige Besonderheiten. Es vereint neueste Werke (Wieck, Mendelssohn) mit denen älterer (Bach, Mozart, Beethoven) und der dazwischen liegenden Generation (Rossini, Herz). Neben der historischen ist die stilistische Breite bemerkenswert. Bei der Kombination bekannter und unbekannter Nummern fällt auf, dass mit den drei 1835 erstmals in Leipzig vollständig zu hörenden Klavier-Orchester-Werken (Bachs Konzert für drei Klaviere BWV 1063, Mendelssohns Capriccio für Klavier und Orchester op. 22, Wiecks Konzert op. 7) drei unterschiedliche Konzepte von Klavierkonzert bzw. Konzertstück vorgestellt werden.

Die während des Symposiums in der Freiburger Musikhochschule erklingende Konzert-Rekonstruktion ist – wie das im Leipziger Gewandhaus gegebene Vorbild – für ein allgemeines Publikum geöffnet. Es dient als Transfer des durch die Forschung erschlossenen historischen wie künstlerischen Wissens in die Öffentlichkeit und vermittelt sie als sinnlich erfahrbares Erlebnis.    

Das Wirken von Clara Wieck Schumann soll der Ausgangspunkt sein, um neue Einsichten in kulturelle Praktiken des 19. Jahrhunderts zu gewinnen und das Wissen zu erweitern, wie Akteurinnen wie Akteure kooperierten, nicht zuletzt, um Anstösse für die heutige Situation zu geben.

Leitung Symposium/Kontakt

Prof. Dr. Janina Klassen
Hochschule für Musik Freiburg
Tel: 0761/31915-39

Dr. Martin Günther


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