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…Et tydeglivis fornøjelse

Der Kammerchor der Hochschule war in der Semesterpause auf Konzertreise in Dänemark.

In Dänemark, so erzählt man sich, kann man von einem Kirchturm aus sieben andere sehen – so weit reicht der Horizont. Wenn die Sonne untergeht und die Kirchenglocken zu läuten begonnen haben, signalisieren drei abschließende Glockenschläge: "Gung" - "Gung" - "Gung" – nun ist der Tag zu Ende.
So erzählt es auch das Lied i skovens dype stille ro (In Waldes tiefer stillen Ruhe), das der Kammerchor der Musikhochschule Anfang August für seine sechstägige Konzerttournee einstudierte hatte. Nach einem Konzert in der Friedenskirche fuhren die 31 Studierenden in den Norden und konzertierten unter der Leitung von Professor Morten Schuldt-Jensen an verschiedensten Orten: Hoisbüttel bei Hamburg, Løgumkloster im Süden Dänemarks, Frederikshavn im Norden, Holstebro im Westen und Gjerild im Osten. Unterwegs mit acht Mietautos legten die ChoristInnen während der Fahrten durch die dänische Landschaft knapp 2000 Kilometer zurück. Untergebracht wurden sie in verschiedenen Herbergen, etwa im Anbau des um 1173 gegründeten Løgumskloster, einer Jugendherberge im Zentrum Frederikhavns und zuletzt in Gjerild, mit leckerem Essen, in sehr freundlicher Atmosphäre und Strandnähe zur Ostsee. Nicht nur hier wurde gebadet, auch in der Nordsee auf Romoe oder bei Skagen. Die Tage klangen in hyggeliger (gemütlicher) Atmosphäre in den Gemeinschaftsräumen der Unterkünfte aus, mal mit dänischem, mal mit deutschem Bier, bei Skat, Doppelkopf oder auch einer Zink-Vorführung.

Besondere Vorfreude machte das Konzert des dritten Tages, im nördlichen Frederikshavn. Von hier fahren die Fähren nach Schweden und Norwegen. Im Rahmen des größten skandinavischen Musikfestivals wurde das Konzert live aus der Abildgård Kirke im dänischen Rundfunk übertragen. Das Programm bestand in der ersten Hälfte aus geistlichen Stücken, beginnend mit Nils Gade, gefolgt von einer Messe Knut Nystedts, zwei Werken von Duruflé und den Seligpreisungen Volker Bräutigams. Der zweite Teil mit weltlicher Musik: Eine Shakespeare-Vertonung von Nils Lindberg, Hugo Alvéns Aftonen (Abend), In Stiller Nacht von Johannes Brahms, Regers Nachtlied, außerdem Werke von Fanny Hensel und Wilhelm Stenhammer. „Hvad fortsætter man med efter sådan en smuk romantisk koncertaften i Frederikshavn?“, kommentierte der dänische Radiomoderator, „Wie fährt man fort, nach so einem schönen romantischen Konzertabend in Frederikshavn?“. Und: „Publikum var tydeglivis tilfreds", „Das Publikum war unverkennbar zufrieden.“

Am darauffolgenden Tag ging es an die Spitze Jütlands: Skagen. Je weiter man dem langen Sandstrand dieser Fischerstadt nach oben folgt, desto näher kommen sich Nordsee links, und Ostsee rechts, bis plötzlich – platsch! … die Wellen auf- und ineinander treffen. Auch das intensive Licht macht diesen Ort so beeindruckend, weshalb er vor allem durch die Skagen-Maler des 19. Jahrhunderts an großer Bekanntheit gewann. Die Fahrten zu den Konzertorten und Unterkünften durch die dänische Landschaft waren beeindruckende Erlebnisse: Meistens kein Hügel weit und breit, Felder im gelb-goldenen Ton des Hafers, Kühe, Wind, Wasser, Meeresluft ... Eine unglaubliche Weite in einem so kleinen Land. Abstecher führten zu alten Hafenstädten, etwa Ribe, mit kleinen Gassen aus Kopfsteinpflaster, Fachwerk- und immer wieder Reetdachhäusern.

Wie stark die Verbundenheit zur Natur die Menschen hier begleitet, erzählten nach all diesen Fahrten und Begegnungen auch viele der abends im Konzert gesungenen Stücke. Wilhelm Stenhammer vertont, dem Text J.P. Jacobsens nach, „skygernes tunge droeme“, die schweren Träume der Wolken oder, wie „blomsternes ojne swoemme“, die Augen der Blumen verschwimmen. Und weiter: „Underligt Aftenwinden suser i Linden“, merkwürdig saust der Abendwind durch die Linden. Farbige Akkordereignisse spiegeln Licht und Weite, lautmalerisch schimmern Vögel und Abendwinde umher. Solche Charakterzüge der Musik in der Umgebung ihres Ursprungs zu erleben, war eine jener Erfahrungen mit denen der Kammerchor wieder zurück nach Freiburg fuhr.

Das anfangs zitierte Lied i skovens dype stille ro gestaltete den Schluss des Programms. In Dänemark wird es - 1864 nach der Niederlage im dänisch-preußischem Krieg entstanden -bereits in der Schule viel gesungen und ist wie ein Volkslied 'in aller Munde'. Es erzählt, wie abends, wenn die Sonne untergeht, der Abendfriede einkehrt, die Seele dem fröhlichen Gesang der Vögel lauscht, in Waldes Einsamkeit der idyllische leise Friede eintritt und die Sehnsucht des Herzens schweigt, nun, "hvor fred og hvile er", wo Friede und Ruhe ist. Der Blick ins Publikum sah hierbei aufmerksame Gesichter, mitsingende Lippen, andächtig geschlossene Augen - eine rührende Atmosphäre. Und so verabschiedete sich der Kammerchor bei seinen Konzerten mit dem dreimaligen Läuten. Das Ende des Tages wiegend einläutend: Gung – Gung – Gung …

(Ein Bericht von Joss Reinicke)

 

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