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Von der Bühne ins Leben: Heldinnen. Eine feine Odyssee

Konzertperformance und Symposium an der Musikhochschule Freiburg am 4. und 5. November.

Bildet die Hochschule Heroinen aus? Bezirzen Sirenen oder heulen sie? In welches Fach gehören Female Vocoder? Brauchen wir eine neue gendersensible Musikgeschichtsschreibung? Und wie können Musikerinnen und Kuratierende zu einer umfassenderen Perspektive auf Frauen in der Musikgeschichte beitragen? Eine Konzertperformance am 4.11.2016 und ein Symposium am 5.11.2016 in der Musikhochschule Freiburg möchten Antworten auf diese Fragen geben.

In der Oper wie im Schauspiel sind die Darstellerinnen der dramatischen Hauptfiguren Heldinnen. Berühmte Primadonnen werden aufgrund ihrer betörenden Stimmen als Diven gefeiert, deren Glanz auch außerhalb der Bühne strahlt. Die be- und verzaubernde Wirkung der Stimmen ist das Insigne ihrer Macht. Sie hat eine bis ins Mythische zurück reichende Dimension. Den prominenten Heroinenstatus mussten sich Sängerinnen in Konkurrenz zu Kastraten und Heldentenören erobern. Die Pionierinnen elektronischer Musik sind dagegen meist Heldinnen ohne Starruhm. In der öffentlichen Wahrnehmung bleiben sie weitgehend unsichtbar.

Brauchen wir eine gendersensible Musikgeschichtsschreibung, um diese eingeschränkte Perspektive zu erweitern? Müssen die Pionierinnen lauter und die Kuratierenden umsichtiger werden? Diese Fragen sind Ausgangspunkt einer Konzertperformance und eines Symposiums, die am 4. und 5. November in der Hochschule für Musik in Freiburg stattfinden. In unterschiedlichen Formaten wie Konzert und Performance, künstlerischen Präsentationen, Vorträgen und Austausch mit dem Publikum werden Zugänge angeboten, diskutiert und im Symposium, dem zweiten Teil der Veranstaltung, vertieft.

Im ersten Teil, der Konzertperformance Inseln der Sirenen, erwartet die Zuschauerinnen und Zuschauer eine musikalische Reise. Sirenen sind Wesen des Übergangs, weder Mensch noch Tier. Sie vereinen männliche und weibliche Züge, sind mal himmlisch, dann wieder im Wasser zu Hause, gleichermaßen Ursprung von Sphärenmusik wie überirdisch lockende Verführung durch Stimme. Sirenen verkörpern und bedeuten weit mehr als das allgegenwärtige Bild der langhaarigen Verführerin auf dem Rheinfelsen, die Männer ins Verderben lockt. In ihren vielfältigen Erscheinungsformen sind sie eng verknüpft mit der Erzeugung von Klang, zumeist mit der Stimme. Darum drangen sie, gleich dem Wasser, das die Meerjungfrauen, Nixen und Najaden umgibt, in die verschiedensten musikalischen Gattungen und Erscheinungsformen ein. Der Vielfalt ihres Klangs nachzuspüren bedeutet eine Über-fahrt vom Altbekannten zum kaum Gehörten, vom Fokus auf das verführerisch-weibliche zu einem geweiteten Horizont der Inseln der Sirenen, die auch von Seekühen, Wassermännern und ganz zeitgenössisch-alarmierenden Wesen bevölkert sein werden.


Von der Bühne ins Leben: Heldinnen. Eine feine Odyssee.

Inseln der Sirenen. Konzertperformance.
Freitag, 4. November 2016
19:30-21:15 Uhr,
Kammermusiksaal und Foyer der Hochschule für Musik Freiburg
Eintritt 8 Euro, Förderkreismitglieder 5 Euro, Schülerinnen/Schüler/Studierende 4 Euro

Dozierende und Studierende der Hochschule für Musik Freiburg musizieren Werke von Antonio Archilei, Francesca Caccini, Rebecca Clarke, Claude Debussy, George Gershwin, Teresa Grebtschenko, Franz Liszt, Kala Pierson, Clara und Robert Schumann, Richard Strauss, Karol Szymanowski, Heitor Villa Lobos und Richard Wagner.
Konzept und Dramaturgie: Christine Fischer,
Musikalische Beratung und Koordination: Prof. Regina Kabis,
Regie: Kira Valkema


Von der Bühne ins Leben: Heldinnen. Symposium.
Samstag, 5. November 2016,
9:30-16 Uhr
Kammermusiksaal und im Foyer der Hochschule für Musik Freiburg
Mit Vera Buhß (Berlin), Dr. Christine Fischer (Basel), Dr. Martin Günther (Mannheim),
Helen Heß (Berlin), Prof. Alexander Schulin (Freiburg), Prof. Dr. Sabine Sanio (Berlin),
Elisabeth Schimana (Wien), Katharina Schmidt (Berlin), Prof. Dr. Thomas Seedorf (Karlsru-he),  Dr. Claudia Tittel (Weimar), Bettina Wackernagel (Berlin).
Konzeption: Janina Klassen, Sabine Sanio, Bettina Wackernagel
Gesamtleitung: Janina Klassen

Helen Heß: M F X – The Voice in my Pocket. Klanginstallation
Samstag, 5. November 2016
9:00-16 Uhr
Filmstudio Hochschule für Musik Freiburg
M F X – The Voice in my Pocket ist eine Installation, die sich mit dem Konstrukt des »sozialen Geschlechts« synthetisch generierter Stimmen und Avatare auseinandersetzt und sich dabei ausschließlich die vorprogrammierten Antworten des jeweiligen Betriebssystems zu Nutze macht. Siri und Cortana treten miteinander in Kontakt, definieren sich selbst als eigenständige Akteure und nehmen den öffentlichen Raum ein. Inhalt ihrer Konversation ist die Auffassung ihres eigenen Geschlechts.

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