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Wolfgang Marschner verstorben

Die Hochschule für Musik Freiburg trauert um ihren Violinprofessor

Am 24. März 2020 ist Prof. Wolfgang Marschner im Alter von 93 Jahren gestorben. Er lehrte von 1963 bis 1997 als Professor für Violine an unserer Hochschule. Als weithin berühmter Pädagoge und renommierter Virtuose hat er entscheidend dazu beigetragen, dass unsere Hochschule ihr internationales Renommee in den 60er, 70er und 80er Jahren aufbauen konnte. Er unterrichtete Studierende aus aller Welt, viele erfolgreiche Violinistinnen und Violinisten gingen aus seiner Klasse hervor. Marschner war ein „kompletter“, ein umfassend gebildeter Musiker: Er war nicht nur einer der herausragenden Geiger seiner Generation, sondern zudem auch Komponist und Dirigent sowie ein erfolgreicher Organisator und Konzertmanager. Aus Anlass seines Todes veröffentlichen wir hier noch einmal die Würdigung, die der 2015 verstorbene Freiburger Musikwissenschaftler und professorale Kollege Marschners, Dr. Hannsdieter Wohlfarth, anlässlich von Marschners 90. Geburtstag verfasst hat.

Zum 90. Geburtstag
Wolfgang Marschner gehört zu den großen deutschen Geigern von Weltgeltung. Er wurde 1926 in Dresden in eine musikalische Familie hineingeboren, zu deren Vorfahren auch der berühmte Opernkomponist der Frühromantik, Heinrich Marschner, gehörte. Die musikalische Laufbahn Marschners setzte ungewöhnlich früh ein. Bereits mit vier Jahren wurde Wolfgang Marschner in die Orchesterschule der Dresdner Staatskapelle aufgenommen, nachdem er vom Vater den ersten Unterricht in Violine und Klavier erhalten hatte. Als Neunjähriger trat er mit Tartinis »Teufelstriller Sonate« auf, und als Dreizehnjähriger nahm er an einer Orchestertournee teil. Nach dem Studium an der Akademie für Musik und Theater in Dresden setzte Marschner seine Ausbildung mit vierzehn Jahren am Mozarteum in Salzburg fort und wurde alsbald Schüler des berühmten tschechischen Geigers Váša Prihoda. Bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konnte Marschner wichtige Positionen im Musikleben einnehmen. Er wurde Konzertmeister beim Niedersächsischen Sinfonieorchester in Hannover und später beim Sinfonieorchester des Westdeutschen Rundfunks in Köln. Es folgte die Folkwang-Hochschule für Musik in Essen, wo Marschner eine Meisterklasse für Violine leitete, sodann eine Professur an der Kölner Musikhochschule und schließlich seit 1963 an der Musikhochschule in Freiburg. Weitere wichtige Ereignisse im künstlerischen Werdegang Wolfgang Marschners: 1954 gewann er den ersten Preis beim Internationalen Violinwettbewerb Kranichstein mit Alban Bergs Violinkonzert und der Solo-Sonate von Béla Bartók. Es folgten 20 Erstaufführungen des Violinkonzerts von Arnold Schönberg, darunter in London, Wien, Zürich unter den Dirigenten Hans Rosbaud, Pierre Boulez und Wolfgang Sawallisch. Konzerte mit den Berliner Philharmonikern unter Paul Hindemith und ein kurzfristiges Einspringen für Yehudi Menuhin bei den Edinburgh-Festspielen mit den Violinkonzerten von Beethoven und Bartok folgten. Marschners Repertoire umfasst neben ungezählten Kammermusikwerken nicht weniger als 70 öffentlich aufgeführte Violinkonzerte. Neben seiner Tätigkeit als Geiger trat Marschner auch als Dirigent und Komponist hervor. Unter seinen Kompositionen nenne ich: die »Paganini- Variationen« für Violine und Orchester oder Klavier, zwei Violinkonzerte, die »Sonata da Requiem« für Solo-Violine sowie die »Liguria-Fantasie« für Orchester. Seine »Modernen Studien für Violine« sind zu einem Standardwerk für angehende Geiger geworden. Unter den Hobbys von Wolfgang Marschner sei das Schachspiel genannt, das »königliche Spiel«, in dem Marschner im Alter von 16 Jahren Simultanmeister bei einem Turnier in Dresden wurde. Ich möchte noch auf die reiche Tätigkeit Wolfgang Marschners als Lehrer und Organisator eingehen. Seit Marschner im Alter von 27 Jahren seine erste Professur erhielt, unterrichtete er ohne Unterbrechung an Musikhochschulen. 1975 übernahm er darüber hinaus die künstlerische Leitung der von Herrn Dr. Hermann Pflüger initiierten Stiftung – der »Pflüger-Stiftung« – in Freiburg, die sich der Förderung junger Geigentalente zum Ziel gesetzt hat. Marschner leitete Internationale Violinkurse in Weimar, Peking, Seoul, Cleveland, London, Warschau, St. Petersburg, Bukarest und Kairo. Die Meisterkurse im schweizerischen Lenzerheide kamen hinzu. Der Förderung des Nachwuchses diente auch die Gründung des »Kammerorchesters Wolfgang Marschner« vor 35 Jahren, sowie die von ihm ins Leben gerufene Ludwig- Spohr-Gesellschaft und der Ludwig-Spohr-Wettbewerb und der Geigenbauwettbewerb »Jacobus Steiner«, der das Ziel verfolgt, jungen, begabten  Geigern gute Instrumente zur Verfügung zu stellen.

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