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Die Hochschule für Musik Freiburg und die PH Freiburg haben zum Wintersemester den neuen integrierten Bachelor/Master-Studiengang MEP gestartet.

In dem deutschlandweit einzigartigen Studiengang werden Absolventinnen und Absolventen zu hochqualifizierten Lehrkräften ausgebildet, die u.a. an Grundschulen unterrichten und dort eine große Lücke schließen können.

Seit Beginn des Schuljahrs 2016/17 wird das Fach Musik wieder eigenständig in den Grundschulen des Landes Baden-Württemberg unterrichtet, nachdem der musikalische Unterricht in den Jahren zuvor im Fächerverbund Mensch-Natur-Kultur integriert war. Die Grundschulen suchen daher händeringend nach hochqualifizierten Lehrkräften im Bereich Musik.

„Unser Ziel ist es, exzellente Musikerinnen und Musiker für die Grundschulen auszubilden und dafür Leute zu finden, die für die Musik brennen und ganzheitlich arbeiten wollen“, erläutert Camille Savage-Kroll, Professorin für Elementare Musikpädagogik und Rhythmik an der Hochschule für Musik Freiburg, die den neuen Studiengang maßgeblich mitentwickelt hat. „Uns war es wichtig, einen sehr hohen Praxisanteil in das Studium zu integrieren. Knapp die Hälfte aller Kreditpunkte erwerben die Studierenden musikpraxisbezogen, dazu kommt noch ein Praktikum an einer Schule oder einer anderen Bildungseinrichtung. Das gibt es in bundesweit in keinem vergleichbaren Studiengang“. Die Studierenden werden sowohl an ihrem Hauptfach-Instrument/im Fach Gesang als auch pädagogisch ausgebildet. Alle belegen z.B. Kurse in Perkussion, Improvisation und Stimmbildung, müssen ein Begleitinstrument spielen und haben Unterricht in Bewegung und Tanz. „Uns ist es besonders wichtig, forschungsbasiert und professionsorientiert musikdidaktische Kompetenzen an unsere Studierenden zu vermitteln. Hierzu trägt eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis bei“, erklärt Dr. Georg Brunner, Professor für Musik und ihre Didaktik an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.
Dazu kommen die klassischen Inhalte der Grundschullehr/-innen-Ausbildung wie Mathematik, Deutsch und Bildungswissenschaften.

Der Studiengang, der sich aus einem Bachelor Musik und einem anschließenden Master of Education zusammensetzt, ist auf zehn Semester angelegt. Mit ihrer umfassenden Ausbildung haben die Absolventinnen und Absolventen sehr gute Berufschancen, nicht nur als Grundschullehrerinnen und -lehrer, sondern auch an Musikschulen, in Kitas, in Seniorenwohnheimen oder auch im Bereich Musikvermittlung.
   
Mit dem neuen Studiengang nimmt die Kooperation zwischen der Hochschule für Musik Freiburg (HfM) und der Pädagogischen Hochschule (PH) konkrete Formen an. Bereits 2014 hatten die Rektoren Prof. Dr. Ulrich Druwe (PH) und Dr. Rüdiger Nolte einen Letter of Intent unterzeichnet und dies wird nun mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags bekräftigt. Ziel der Zusammenarbeit ist ein neues, professionsorientiertes Profil für die Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer im Fach Musik. Aufbau und Inhalte der Bachelor- und Masterstudiengänge sollen Fachwissenschaft, künstlerische Praxis, Musikdidaktik und Bildungswissenschaft kohärent miteinander verbinden.

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Rede von Rektor Dr. Rüdiger Nolte anläßlich der Eröffnung des Akademischen Jahres am 24.10.2016.

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Am 06. und 07. April fanden sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Albert-Ludwigs-Universität und Musikhochschule erstmalig zu einer Klausur zum „Freiburger Lehr- und Forschungszentrums Musik“ zusammen.

Die Hochschule für Musik (HfM) Freiburg erhielt im Oktober 2015 eines von fünf Landeszentren, mit denen das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) die Profile der Musikhochschulen des Landes schärfen will. Die Besonderheit des „Freiburger Lehr- und Forschungszentrums Musik“ ist die enge Verbindung von musikalischer Praxis und Forschung. Die HfM wird die Einrichtung gemeinsam mit der Albert-Ludwigs-Universität betreiben

Nun stand erstmals der intensive inhaltliche Austausch über die mögliche Ausrichtung des Landeszentrums im Mittelpunkt.

Hoch über der Rheinebene auf dem Fachschaftshaus der Universität kamen die Teilnehmendem auf dem nebelverhangenen Schauinsland an. In einer intensiven von Heinrich Stülpnagel (Freiburg Research Services, Universität Freiburg) moderierten Diskussion tauschten sich die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler intensiv über ihre Erfahrungen und mögliche inhaltliche Schwerpunkte aus. Die Teilnehmenden zeigten sich ob der Vielfalt an Perspektiven und Herangehensweisen beeindruckt. Es konnten einige gemeinsame Themenbereiche formuliert und die nächsten Stationen auf dem Weg zum Landeszentrum festgelegt werden.


Bildergalerie Klausur Landeszentrum Musik

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Die Hochschule für Musik, die Pädagogische Hochschule und die Albert-Ludwigs-Universität erhalten zusammen zwei Millionen Euro, um in den kommenden fünf Jahren das Lehramtsstudium im Fach Musik neu auszurichten.

Das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst (MWK) Baden-Württemberg fördert den gemeinsamen Antrag der drei Freiburger Hochschulen in der Förderlinie „Leuchttürme der Lehrerbildung ausbauen“ des Programms „Lehrerbildung in Baden-Württemberg“. Die Kooperation findet unter dem Dach des Freiburg Advanced Center of Education (FACE) statt, das die Universität und die PH im vergangenen Jahr zusammen gegründet haben.

Ziel der Kooperation ist ein neues, professionsorientiertes Profil für die Ausbildung künftiger Lehrerinnen und Lehrer im Fach Musik. Aufbau und Inhalte der Bachelor- und Masterstudiengänge sollen Fachwissenschaft, künstlerisches Fach, Musikdidaktik und Bildungswissenschaft möglichst eng miteinander verbinden. Schlüsselthemen sind unter anderem Inklusion, Interkulturalität, populäre Musik sowie Musizieren, Improvisieren und Musik erfinden im Unterricht. Zudem beteiligt sich das Institut für Musikermedizin des Universitätsklinikums Freiburg daran, Lehrangebote zum Umgang mit der eigenen Stimme zu entwickeln. Darüber hinaus trägt das FACE-Praxiskolleg, in das insbesondere Schulen und die Staatlichen Seminare für Didaktik und Lehrerbildung einbezogen sind, dazu bei, Theorie und Praxis in allen Phasen der Aus- und Weiterbildung von Musiklehrern noch stärker aufeinander abzustimmen.

Universität und PH waren damit in drei Förderlinien gemeinsam erfolgreich: Sie erhielten schon im vergangenen Jahr knapp sieben Millionen Euro in der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und 1,7 Millionen Euro vom MWK in der Förderlinie „Innovative Strukturen in der Lehrerbildung stärken“ des Programms „Lehrerbildung in Baden-Württemberg“. Damit hat der Standort Freiburg insgesamt die landesweit höchste Fördersumme eingeworben.


Weitere Informationen:

Pressemitteilung des MWK
Homepage Freiburg Advanced Center of Education

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Fundierte und innovative Ausbildungsmöglichkeiten

Fundierte und innovative Ausbildungsmöglichkeiten

Prof. Camille Savage-Kroll, Studiengangsleitung

Seit dem Wintersemester 2015/2016 als grundständigen Bachelor zu studieren.

Mit der Einführung des neuen Bachelor of Musik in Elementarer Musikpädagogik kommt die Etablierung eines neuen, innovativen Schwerpunkts an die Hochschule für Musik Freiburg. Der Schwerpunkt des Studiengangs liegt weniger in der traditionellen musikalischen Früherziehung als viel mehr in der polyästhetischen Erziehung und der musikalisch-kulturellen Bildung.

Der zeitgemäße Bachelorstudiengang Elementare Musikpädagogik mit Zweithauptfach Instrumental- oder Gesangspädagogik basiert auf mehreren Säulen künstlerischer, musikpädagogischer und unterrichtspraktischer Art, die sich gegenseitig bedingen und konzeptionell ergänzen. Absolventinnen und Absolventen des Studiengangs werden doppelqualifiziert um Einzelunterricht zu erteilen sowie musikalisch mit Gruppen aller Altersstufen von Eltern/Kind bis hin zu Senioren zu arbeiten.
Wichtige Merkmale:
Instrumentales / Vokales Hauptfach
Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Instrument / mit der Stimme bildet das Fundament des künstlerisch-pädagogischen Studiengangs.

EMP-spezifische Fächerkanon

Ein grundlegender Aspekt der EMP-Bachelorausbildung beruht auf einem vielfältigen Umgang mit Musik. Inhalte wie Perkussion, Bewegung und Tanz sowie ein gesunder und kreativer Umgang mit der eigenen Sing- und Sprechstimme (von der Physiologie und gesunden Pflege bis hin zu künstlerischen Einsatzmöglichkeiten und dem Wissen um die Besonderheiten der Kinderstimme) werden im Modul Elementare Musizierpraxis erprobt. Im Hauptfach EMP werden diverse Ausdrucksmedien vertieft und durch künstlerische Gestaltungsprozesse miteinander verbunden. In allen Bereichen spielt prozessorientierte Improvisation eine zentrale Rolle.

Praxismöglichkeiten durch Kooperationen

Vom ersten Studientag an ist dieses künstlerisch-pädagogische Studium von einem hohen Praxisanteil geprägt, der sich an der späteren Berufspraxis orientiert. Bezüglich einer späteren Unterrichtstätigkeit mit unterschiedlichen Zielgruppen wie auch hinsichtlich der Arbeit in verschiedenen Institutionen erhalten Studierenden die Chance, im Laufe ihres Studiums vielfältige Arbeitsbereiche kennenzulernen und durch Praktika zu erproben. Diesbezüglich gibt es enge Kooperationen mit unterschiedlichen Bildungseinrichtungen und öffentlichen Kulturinstitutionen wie Theatern, Berufsorchestern, Konzert- und Opernhäusern, Kindermuseen u.ä.

Profilierung

Der Arbeitsmarkt für Absolventinnen und Absolventen der EMP gestaltet sich heute größer als je zuvor. Demzufolge bietet das EMP-Bachelorstudium vielfältige Chancen zur individuellen Profilierung sowohl im Wahlschwerpunkt des Moduls Elementare Musizierpraxis als auch in der Auswahl der Hospitations- und Praktikumsmöglichkeiten.



Was ist EMP?

Die Elementare Musikpädagogik versteht sich als ein Bereich der Musikpädagogik, der musikalisch mit Gruppen aller Altersstufen von Eltern/Kind bis hin zu Senioren arbeitet. Ein grundlegender Aspekt der EMP-Ausbildung beruht auf einem vielfältigen Umgang mit Musik. Inhalte wie Perkussion, Bewegung und Tanz sowie ein gesunder und kreativer Umgang mit der Stimme bilden die Schwerpunkte dieses künstlerisch-pädagogischen Fachs. In allen Bereichen spielt prozessorientierte Improvisation eine zentrale Rolle.
Die charakteristische Herangehensweisen der EMP lassen sich beschreiben als:
•    Körperorientiert
•    Intermedial
•    Experimentell
•    Spielorientiert
•    Kreativ
•    Prozessorientiert

In Freiburg ist ein EMP-Studium von einem hohen Praxisanteil geprägt, der sich an dem späteren Berufsbild orientiert. Durch enge Kooperationen mit diversen Bildungseinrichtungen und öffentlichen Kulturinstitutionen erhalten Studierenden die Chance, im Laufe ihres Studiums vielfältige Arbeitsbereiche kennenzulernen und praktisch zu erproben. Aktuelle Kooperationspartner sind:
•    Die Pädagogische Hochschule Freiburg
•    Das Haus für Kinder am Hirzberg
•    ensemble recherche
•    Festspielhaus Baden Baden (Toccarion)
•    Emil-Thoma-Grundschule
•    Faust-Gymnasium Staufen
•    Emmi-Seeh-Heim
•    Haus des Lebens

Folgende Praxisgruppen ermöglichen einen engen Bezug zwischen Theorie, Praxis und Forschung:

•    Eltern-Kind Musiziergruppe „musik1plus“
•    Vorschulkinder
•    Grundschulkinder
•    Jugendliche
•    Senioren

Aktuell
•    ab dem WS 15/16 kann EMP als grundständiger Bachelor mit Zweithauptfach Instrument/Gesang studiert werden.
     Absolventinnen und Absolventen des neuen Studiengangs werden doppelqualifiziert um Einzelunterricht zu erteilen sowie
     musikalisch mit Gruppen aller Altersstufen zu arbeiten.
•    „Freiburg-Ost im Ohr“ ein Kooperationsprojekt der Hochschule für Musik, der Pädagogischen Hochschule und dem Haus für
     Kinder am Hirzberg wird vom Land Baden-Württemberg über den Innovationsfonds Kunst2014 Projektlinie "kulturelle Bildung"
     gefördert.
•    Entwicklung eines gemeinsamen, innovativen Studiengangs EMP + Grundschule mit der Pädagogischen Hochschule
     (Voraussichtlich ab dem WS 16/17).
•    Das Familienkonzert „Spielplatzmusik“, ein neues Konzertformat an der Hochschule, fand am 5. Februar 2015 statt.









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02.11.2015
Rück- und Ausblick

Semestereröffnungsrede von Dr. Rüdiger Nolte

Meine Damen und Herren, in der Filmbranche spricht man von Bergfest, wenn die Mitte der Produktion erreicht  ist. Für mich markiert diese Feier - mehr oder weniger - das Bergfest meiner 2. Amtszeit. Grund genug, um zurück zu blicken, Grund genug aber auch, um nach vorne zu blicken. In jedem Fall Anlass genug, um Ihnen, meine Damen und Herren, das bis zum Ende meiner Amtszeit tätige neue Rektorat vorzustellen und damit über unsere konzeptionellen Überlegungen zu berichten. Und Grund genug, um Ihnen, lieber Herr Holtmeier, für Ihre Arbeit während der letzten drei Jahre zu danken, die Sie als einziger Prorektor tätig waren. Es waren drei Jahre, in denen wir beide eine Zeit lang - ohne Kanzler - sogar nur im Zweierpack gearbeitet und recht unruhige Zeiten durchgestanden haben. Ohne Sie, lieber Herr Holtmeier, stünden wir mit unserer Freiburger Musikhochschule heute anders da. Denn Sie waren es, der es mit präziser Lesart geschafft hat, argumentative und rechnerische Fehler des Landesrechnungshofes aufzudecken und damit einen Blick auf strukturelle Gegebenheiten zu eröffnen, die bald allen klar machten, dass die Freiburger Musikhochschule sehr wohl solide aufgestellt ist. Im neuen Rektorat sind Sie, lieber Herr Holtmeier, weiterhin als stellvertretender Rektor tätig und als Prorektor zuständig für Forschung und internationale Beziehungen. Ihr großer Gedanke für die Freiburger Musikhochschule - und da haben Sie meine volle Unterstützung - ist der, unsere Kunst-Hochschule als Universität - die sie laut Gesetz ja ist - strukturell und inhaltlich konsequent zu positionieren. Denn nur so sind wir in der Lage, in einem zunehmend enger werdenden Kontrollnetz unseren Standort für den internationalen Vergleich zu stabilisieren.   Als Musikhochschule haben wir zwei Hauptaufgaben:

1) Die Verantwortung für die Ausbildung unseres künstlerischen Nachwuchses ist selbstverständlich ein Grundpfeiler unseres Ausbildungsauftrags.
2) Musikhochschulen haben auch die Aufgabe, die Bedeutung von Musik im Zusammenhang gesellschaftlicher Veränderungen zu reflektieren.

Innerhalb dieses Zusammenhangs richten sich die pädagogischen Studiengänge aus und auch der Bereich künstlerischer Forschung. Die Wichtigkeit dieser zweiten Aufgabe ist für manchen noch immer nicht einsichtig. Diese zweite Aufgabe stellt sich jedoch nicht etwa gegen das Künstlerische, sondern stellt die Frage nach der Relevanz von Musik. Diese zweite Aufgabe ist so groß, dass eine kleine Institution wie unsere Musikhochschule sie nicht allein bewältigen kann. Mit dieser Einsicht bildete sich in Freiburg der Gedanke, Kooperationen einzugehen. Mit der Pädagogischen Hochschule z.B., mit der wir einen innovativen Lehrerstudiengang „Musik im Elementaren Primarbereich (MEP) erarbeitet haben. Oder der Plan, mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg das „Freiburger Lehr- und Forschungsinstitut Musik“ zu gründen. Die Ministerin hat für die Musikhochschulen im Rahmen des Hochschulfinanzierungsvertrages die Gründung gesteigert geförderter sogenannter Landeszentren in Aussicht gestellt. Wir haben dieses Lehr- und Forschungs-Institut als Landeszentrum beantragt und warten nun auf die Entscheidung. (1) Viele sehen in diesem Zusammenhang die Gefahr einer Verwissenschaftlichung unserer Musikerausbildungen. Damit befürchten sie Veränderungen des bisherigen Musikstudiums. Doch was mit dieser Befürchtung übersehen wird: Musikstudien sind ununterbrochen Veränderungen ausgesetzt. Uns geht es nun darum, diese Veränderungen nicht hilflos geschehen zu lassen, sondern möglichst reflektiert damit umzugehen. Und überhaupt: der Exzellenz eines bestmöglichen Unterrichts widerspricht ein Nachdenken über Musik nicht im Geringsten. Das ist eben viel weniger ein Gegensatz als vielfach befürchtet. Wir können auch nicht einerseits feststellen, dass die Bedeutung musikalischen Erlebens schwindet oder dass die deutsche Orchesterlandschaft abnimmt und gleichzeitig die Praxis unserer musikalischen Ausbildungen so fortsetzen als würde draußen, außerhalb der Hochschule, nichts geschehen. Und es ist eben nicht die ausreichende Reaktion zu sagen: Wir gehen mit dem Orchestersterben um, indem wir die Berufung möglichst prominenter Künstler noch verstärken, um so den härter werdenden Konkurrenzdruck zwischen den Musikhochschulen zu gewinnen. Sicher, nach wie vor wollen wir bei jeder Berufung Musiker mit internationalem Renommee fürs Haus gewinnen. Und berufen auch so. Mit gesteigertem Erfolg – was belegbar ist. Doch reicht heute diese traditionelle Konkurrenztaktik allein nicht mehr aus. Viel mehr muss heute und wird auch heute über die Qualität des Unterrichtens und die Bedeutung der Methodik nachgedacht. Viel mehr wird gewusst, dass der Anspruch auf künstlerische Exzellenz und das Nachdenken über die gesellschaftliche Bedeutung von Musik zusammen gehören. Doch ist es oft auch noch so, dass seitens künstlerisch unterrichtender Professorinnen und Professoren nur in Ausnahme fachlicher Austausch mit den für Instrumental- und Vokalpädagogik Verantwortlichen gesucht wird. Umso mehr freue ich mich, dass die Fachgruppe Blasinstrumente Prof. Doerne, Studiengangsleiter Musikpädagogik für Instrumental- und Vokalpädagogen, zu ihrer nächsten Sitzung eingeladen hat, um eben diesen Austausch zu beginnen.   Um noch einmal über die Veränderungen unserer Musikstudien zu sprechen: Zum Nachdenken an einer Musikhochschule gehört auch, sich der Geschichte der Musiker-Ausbildung bewusst zu werden. Studieren wir nämlich die Geschichte der Musikerausbildung, dann können wir lernen, dass es bis zu Beginn des 20. Jahrhunderts im Bereich künstlerischer Hochleistungsausbildung im Vergleich zu heute eine weitaus breiter orientierte Qualifizierung gab, was musiktheoretische, kompositorische und vor allem, was spielerische Zusammenhänge betrifft. Der Blick in die Geschichte zeigt also, dass ein Nachdenken über Musik der Praxis künstlerischer Ausbildung gar nicht entgegenstehen muss. Denn wichtig ist folgendes: der Anlass unseres Musikhochschul-Daseins ist nicht allein die Musik, sondern es ist vor allem die Ausbildung, die Ausbildung von Musikerinnen und Musikern, von Musikpädagogen und mehr und mehr die Ausbildung derjenigen, die über die Bedeutung von Musik nachdenken, d.h. auch forschen. Künstlerisch und pädagogisch, künstlerisch und wissenschaftlich – das mögen anderswo Gegensätze sein. Innerhalb unseres Hochschulzusammenhangs aber sind es keine Gegensätze, sondern es sind Ergänzungen zugunsten bestmöglicher Qualifizierung von Musikerinnen und Musikern. Ein Beispiel: Seit Jahren ist ein verändertes Orchesterspiel feststellbar. Noch vor vielleicht 25 Jahren war Historische Aufführungspraxis ein Schimpfwort, wurde solcherart gespielte Musik als „Nischenmusik“ ausgegrenzt. Heute gehört es zur Kultur eines jeden guten Sinfonieorchesters, z.B. das vibratolose Spiel mit differenziertem Klangausdruck als Teil einer stilistischen Überzeugung zu pflegen und damit historisch bedachte Differenzierungen zu praktizieren. Diese neue Spielpraxis erfordert veränderte Ausbildungen. Ein anderes Beispiel: An unserer Hochschule haben bekanntlich Violinprofessorinnen und -professoren in Eigeninitiative das so genannte Co-Teaching eingeführt. Im Falle des vibratolosen Spiels ist das Wissen um stilistische Veränderungen vonnöten, im Falle des Co-Teaching lässt sich eine kritische Hinterfragung der alten Tradition des Meisterunterrichts beobachten. So wichtig die Weitergabe von Erfahrungen ist - und darauf legen wir weiterhin großen Wert -, aber als ausschließliche Art des Unterrichtens kann ein rein imitativ vorgehender Meisterunterricht heute nicht mehr bestehen. So wenig, wie für heutige Studienqualifizierung ein ausschließlicher Bezug auf das Klassische Repertoire nicht mehr ausreichend ist. Diese genannten einzelnen Entwicklungen verweisen als Beispiele darauf, wie wichtig ein systematisches Nachdenken über Musizierpraxis ist. Wir wollen das tun. Wir wollen nach unserem ersten Schritt der Erarbeitung reformpädagogischer Konzepte und nach dem zweiten Schritt der geklärten Notwendigkeit von Forschung nun als drittes die größte Unternehmung angehen, nämlich die Reform künstlerischer Instrumental- und Vokal-Ausbildung.   Beobachtbar ist in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts der Beginn einer Tendenz hin zu einem eher am solistischen Ideal geformten perfektionierten Spiel, das beansprucht, musikalische Brillanz durch technische Brillanz zu erreichen. Und es ist wohl unübersehbar, dass das etwas mit der Medienentwicklung zu tun hat, die damals zeitgleich einsetzte. D.h. seit dieser Zeit steht unsere Musizierpraxis unter dem Anspruch medienbedingter Perfektion, sind die Wertigkeiten studioproduzierter Musik und die des live erlebbaren Musizierens kaum mehr voneinander zu unterscheiden, d.h. es gilt letztlich nur ein einziger Anspruch, nämlich der der technischen Produktion und Reproduktion. Wenn wir jederzeit die Weltspitze ins Wohnzimmer holen können, wenn der Perfektionismus der studioproduzierten Musik der dann nur noch einzige Standard ist, dann sind wir immer weniger bereit und auch fähig, die Werte live gespielter Musik zu erfahren und zu erleben – aktiv wie passiv. Innerhalb dieses Perfektionierungs-Anspruchs hat sich im 20. Jahrhundert die Art der Ausbildung von Musikern geformt, d.h. die Ausrichtung auf das professionelle Maß solistisch perfekter Brillanz. Die es ja geben soll, die jedoch als einziger Norm-Maßstab unsere musikalischen Möglichkeiten wiederum merkwürdig einschränkt. Wir wollen das ändern. Begonnen haben wir mit Gitarre. Beginnen wollen wir mit Klavier. Und in diesem Zusammenhang begrüße ich herzlich den neuen 2. Prorektor Christoph Sischka. Sie, lieber Herr Sischka, sind nun als Prorektor für Lehre in der Hochschulleitung tätig. Als Pianist und bisheriger Sprecher der Fachgruppe Tasteninstrumente repräsentieren Sie zudem einen Bereich der Instrumentalausbildung, der seit längerem und bei weitem nicht nur in Freiburg unter kritischer Betrachtung steht. In dieser Funktion waren Sie bislang ein fachkundiger, künstlerisch erfahrener Gesprächspartner des Rektorats, der sich mit klaren, wenn es sein musste auch mit unbeugsamen Argumenten für die Belange der Klavierausbildung einsetzte. Lieber Herr Sischka, es gehört zu den wichtigen Erfahrungen meiner Rektorenzeit, dass wir mit Ihnen zusammen das Konzept einer neu durchdachten Klavierausbildung ausarbeiten konnten, das Konzept einer Reform, die nicht nur die Beschränkung auf das solistisch ausgerichtete Klavierstudium überwinden will, die nicht nur die Bedeutungsabwertung zwischen „künstlerisch“ und „angewandt“ hinter sich lassen will, sondern ebenso die unnötigen Qualitäts-Unterscheidungen zwischen Jazz, Klassik, Pop etc. Erst durch Ihre fachliche Autorität konnten wir das Tor zur Reform der Klavierausbildung öffnen - eine Reform, die von den Klavierlehrenden unserer Hochschule auf einer Informationssitzung einstimmig befürwortet wurde. Und auch als wir für unseren Antrag auf ein zweites Landeszentrum (1) die künstlerische und angewandte Praxis von Klavier und Gitarre zusammendachten, haben Sie, lieber Herr Sischka, nach genauem Nachdenken, dieses Konzept mitgetragen.   Die geplante Reform der Instrumental- und Vokalausbildung zeigt, dass es eben nicht um bloße Verwissenschaftlichung geht, sondern um das umfassende Nachdenken sämtlicher Aspekte ambitionierter Musiker-Ausbildung. Und das ist zur Zeit auch nötig, nicht zuletzt auch in der Musikstadt Freiburg. Mit diesem Herbst beginnt die letzte Saison des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg. Außerdem fand das angedachte und vielfach vorgestellte und besprochene Konzept für ein Freiburger Musikzentrum in der Stadthalle städtischerseits leider kein solches Interesse, dass es mit Hoffnung hätte unterstützt und weiter verfolgt werden können. Umso mehr begrüßen wir das Kooperationsinteresse der Universität. In einer Stadt mit - bislang - hohem Musikniveau sind das zwei Zeichen dafür, dass nicht nur andernorts, sondern auch hier die fundamentale Bedeutung von Musik für unser menschliches Sein nicht mehr als selbstverständlich erkannt wird.   Der musische Mensch. Ausdruck unserer heutigen Situation ist nicht nur, dass dieser Typus des musischen Menschen rar und unbedeutend geworden zu sein scheint, sondern auch, dass dieses Wort selbst - musisch - eher problematisch konnotiert ist – und wir deshalb keine rechte Bezeichnung mehr für das haben, was wir meinen und brauchen. Damit sind wir nicht weit entfernt vom Kern unseres gesellschaftlichen Problems mit Musik und Musizieren. Und wir alle hier an der Musikhochschule können uns glücklich schätzen, dass wir mit Andreas Doerne einen konsequent agierenden Fachmann im Hause haben. Hochschulleitung erfordert Kompromissbereitschaft. Dass Du, lieber Andreas, Dich bereit erklärt hast, als dritter Prorektor in der Hochschulleitung mitzuarbeiten, das zeigt, wie sehr Du bereit bist, Deine bisherige Reformarbeit institutionell zu reflektieren. Aber es geht eben um die praktische Umsetzung, soll es doch um Veränderungen gehen. Für die Hochschule bist Du als Prorektor für die Entwicklung von Reformvorhaben aber auch für Neue Medien verantwortlich. Ich freue mich auf deine Impulse und danke Dir für Deine Bereitschaft zur Mitarbeit, von der wir uns eine neue und eigene Qualität für die Hochschulleitung versprechen. Fehlt noch einer in der Mannschaft. Und das sind Sie, lieber Herr Probst. Schnell, sehr schnell haben Sie sich in die Belange der Verwaltungsleitung sowie der Finanz- und Personalverantwortung eingearbeitet und bieten eine kollegial freundliche Teamarbeit an, die eine für uns ganz neue Erfahrung darstellt.   Das Rektorat würde aber hilflos in der Luft hängen, wäre es nicht unterstützt von Kolleginnen und Kollegen. Ich darf, was die Erarbeitung der Landeszentren-Anträge betrifft, über die genannten Rektoratsmitglieder hinaus sehr herzlich für ihre kompetente und aktive Hilfe danken: Hans Aerts, Stefan Göritz, Janina Klassen, Helmut Lörscher, Camille Savage-Kroll, Ralf Schmid, Claudia Spahn, Michael Stecher. Und ganz besonders möchte ich Nathalie Meidhof danken, die mit kluger Koordinationskompetenz das fristgerechte Zustandekommen unserer Anträge maßgeblich ermöglichte. Und Ihnen, lieber Herr Volz, danke ich für Ihr genaues, kritisches und immer fürsorgliches Gegenlesen.   Dieser Dank sei mir zum Schluss ein guter Anlass, um darüber hinaus allen in der akademischen Selbstverwaltung Aktiven endlich einmal zu danken: den Mitgliedern des Hochschulrats, den Senatorinnen und Senatoren, den Sprecherinnen und Sprechern der Fachgruppen, den Mitgliedern der Studienkommissionen, Leitern der Institute, den Verantwortlichen der Gleichstellung, den Mitgliedern von Berufungskommissionen, allen Beauftragten und Ombudspersonen. Sie alle leisten über Ihre eigentliche Lehrtätigkeit hinaus zusätzliche Arbeit. Haben Sie alle herzlichen Dank für Ihre Mitverantwortung. Und dass sich zu alledem in völliger Eigeninitiative ein gemeinnütziger, sehr kreativ arbeitender Studentischer Verein gegründet hat, nämlich "Zeug und Quer“, das ist für uns wie ein Glück. Ich bitte Sie alle, sich auf der website von „Zeug und Quer“ oder auch im neuen Jahrbuch über deren Arbeit zu erkundigen. Dort können Sie erfahren, wie sehr junge Menschen in Eigeninitiative die Unverzichtbarkeit von Musik leben und gesellschaftlich vermittelnd einbringen. Ganz nah sind sie damit bei einer Überzeugung über die Unverzichtbarkeit von Musik, die vor bald 70 Jahren hier in Freiburg dazu geführt hatte, inmitten einer vom Krieg zerstörten Stadt eine Musikhochschule zu gründen. Was für eine Prioritätensetzung war damals - auch politisch - möglich. Am 9.Mai 2016 werden wir das 70jährige Jubiläum der Freiburger Musikhochschule feiern und uns an diesen Geist erinnern. Dazu lade ich Sie alle schon jetzt sehr herzlich ein. Vielen Dank fürs Zuhören

(1)   Am 14.10.2015 kam die Nachricht, dass jeder der fünf Baden-Württembergischen Musikhochschulen nur ein Landeszentrum zugesprochen bekommt – für Freiburg das „Freiburger Lehr- und Forschungsinstitut Musik“.

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Hochschule für Musik und Universität betreiben gemeinsam das „Freiburger Lehr- und Forschungszentrum Musik“.

Die Hochschule für Musik (HfM) Freiburg erhält eines von fünf Landeszentren, mit denen das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg (MWK) die Profile der Musikhochschulen des Landes schärfen will. Die Besonderheit des „Freiburger Lehr- und Forschungszentrums Musik“ ist die enge Verbindung von musikalischer Praxis und Forschung. Die HfM wird die Einrichtung gemeinsam mit der Albert-Ludwigs-Universität betreiben. Die Pädagogische Hochschule Freiburg ist zudem in der Elementaren Musikpädagogik beteiligt. Das MWK bewilligt der HfM für das Zentrum aus einem neu geschaffenen Stellenpool zwei unbefristete und zwei auf fünf Jahre befristete Professuren. „Für uns ist dieses Zentrum eine Bestätigung unserer Reformarbeit, in dem Sinne, dass künstlerische Exzellenz und künstlerische Forschung einen Zusammenhang bilden, der die gesellschaftliche Bedeutung von Musik neu reflektiert“, sagt Dr. Rüdiger Nolte, Rektor der HfM.

„Das Freiburger Lehr- und Forschungszentrum Musik ist eine hervorragende Nachricht für die beiden Hochschulen, aber auch für ganz Freiburg", sagt Universitätsrektor Prof. Dr. Hans-Jochen Schiewer. „Ich freue mich, dass wir unsere gute Zusammenarbeit mit der Hochschule für Musik weiter ausbauen.“ Das neue Zentrum soll sich zu einem der zentralen musikwissenschaftlichen Institute in Europa entwickeln. Es wird die Teildisziplinen Musiktheorie, Musikwissenschaft, Musikpädagogik und Musikermedizin zusammenbringen und mit der praktischen musikalischen Ausbildung verknüpfen. Außerdem sind viele Kooperationen vorgesehen: mit Disziplinen wie Ethnologie, Geschichte, Kultursoziologie, Psychologie, Philosophie, Theologie oder Literaturwissenschaft sowie mit universitären Institutionen wie dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik, dem Mittelalter- oder dem Frankreichzentrum und Institutionen der HfM wie dem elektronischen Studio oder dem Studio für Filmmusik. Auf dieser Grundlage soll sich die musikwissenschaftliche Forschung in ihrer ganzen Breite entfalten und ihre Erkenntnisse direkt in die Lehre und Musikpraxis umsetzen.

Darüber hinaus soll das Zentrum künftig den dreijährigen Bachelor of Arts „Musikwissenschaft“ der Universität mit wissenschaftlichem Schwerpunkt und den vierjährigen, wissenschaftlich-praktisch ausgerichteten Bachelor of Music „Musik“ der HfM anbieten. Masterstudiengänge sowohl mit wissenschaftlichem als auch mit wissenschaftlich-praktischem Schwerpunkt sind ebenfalls vorgesehen. Alle, die im Hauptfach am Zentrum studieren, werden an der Universität und an der HfM immatrikuliert sein. Die Studiengänge am „Freiburger Lehr- und Forschungszentrum Musik“ sollen baldmöglichst an den Start gehen.

 

Pressemitteilung als PDF

Pressemitteilung Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst

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Alle Professorinnen und Professoren für Violine unterrichten gemeinsam mit neuem Unterrichtskonzept.

Dass sich der Freiburger Reformprozess nicht auf die pädagogischen Ausbildungen beschränkt, zeigt eine Eigeninitiative im Hauptfach-Studium Violine. Die Professorinnen Julia Schröder und Simone Zgraggen vereinbarten mit ihrem neuen Kollegen Sebastian Hamann Co-Teaching im Master-Studiengang. Mittlerweile sind mit Muriel Cantoreggi und Gottfried von der Goltz alle Professorinnen und Professoren im Hauptfach Violine beteiligt.

Prof. Hamann hat das Konzept des Co-Teaching bereits an seiner vorherigen Hochschule in Luzern erprobt. Letztlich gehe es darum, nicht blind den Anweisungen einer Lehrerin oder eines Lehrers zu folgen, sondern aus den verschiedenen Ideen eigene künstlerische Überzeugungen möglichst flexibel zu entwickeln.

Die Auswahl der Studierenden ist dabei eine pädagogische Entscheidung der Professorinnen und Professoren und wird individuell im kollegialen Gespräch getroffen. Es gebe nämlich Studierende, für die dieses Modell nicht als sinnvoll erachtet werde, fasst Prof. Sebastian Hamann zusammen, der als Nachfolger von Prof. Rainer Kussmaul seit vergangenem Oktober an der Freiburger Musikhochschule unterrichtet. Diese Studierenden werden auch weiterhin von nur einem Lehrenden betreut.

Sebastian Hamann: „Die Studierenden können im Co-Teaching von den unterschiedlichen künstlerischen und pädagogischen Ausrichtungen mehrerer Professorinnen und Professoren profitieren. Nicht zuletzt ist das eine gute Vorbereitung auf die Zeit nach dem Studium.“ Co-Teaching biete zudem den Vorteil, an mehreren Vortragsabenden und Vorspielen teilnehmen zu können. Die Studierenden haben dabei sehr viel mehr Möglichkeiten, ihre Stücke zu präsentieren und Vorspielsituationen zu trainieren. Sie können auch von den unterschiedlichen Netzwerken der Professorinnen und Professoren profitieren.
Schließlich ist diese Art des Unterrichts für alle Beteiligten ein Gewinn, so das Resümee der drei Lehrenden, denn vom Co-Teaching profitieren nicht nur die Studierenden, sondern mit dem Angebot erweiterter künstlerischer und pädagogischer Erfahrungen genauso auch die Lehrenden.

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Hochschule für Musik Freiburg richtet ihre künstlerische Hauptfachausbildung Gitarre neu aus.

Die Hochschule für Musik in Freiburg hat ihre künstlerische Hauptfachausbildung Gitarre grundlegend reformiert. Neben der künstlerischen Exzellenz steht künftig auch die ausgeprägte musikpädagogische Qualifizierung im Zentrum der Ausbildung. Das mögliche Tätigkeitsspektrum angehender Berufsgitarristen wird hierdurch deutlich breiter. 

"Die Gitarre ist eine der beliebtesten Lerninstrumente und der Bedarf an qualifizierten Lehrkräften entsprechend groß", beschreibt Stefan Goeritz (Foto), Leiter der städtischen Musikschule Waldkirch, die derzeitige Situation. "Für Gitarristen, die ihr Instrument exzellent beherrschen und gleichzeitig über musikpädagogische Kompetenzen verfügen, steigen die Berufschancen deutlich."
Stefan Goeritz ist Gitarrist und koordiniert federführend die inhaltliche Umsetzung des neuen Modells an der Hochschule für Musik Freiburg. Die künstlerische Lehre im Hauptfach Gitarre liegt in den Händen von Beata Bedkowska-Huang und Mathias Kläger.

Prof. Dr. Andreas Doerne, ebenfalls Gitarrist sowie Studiengangsleiter Instrumental- und Vokalpädagogik hat die Reform der Hauptfachausbildung Gitarre an der Hochschule für Musik Freiburg initiiert und das Modell gemeinsam mit Stefan Goeritz entwickelt. Er stellt klar: "Trotz des stärkeren pädagogischen Fokus wird es keine Abstriche an die künsterlische Exzellenz unseres Studiengangs geben". Das Gegenteil sei der Fall: Die stilistische Vielfalt im Lehrangebot ist nun deutlich größer als bisher. So können Gitarren-Studierende künftig auch hochschulexterne Lehrkräfte besuchen, die Experten sind für einen bestimmten gitarristischen Stil oder für unterschiedliche Genres wie Flamenco, Jazz, Pop oder Alte Musik.
Unterschiedliche Lehrpersönlichkeiten heißt gleichzeitig: vielfältigere künstlerische Anregungen. „Das künstlerische Ausbildungsangebot verbessert sich sowohl qualitativ als auch quantitativ“, so Prof. Dr. Andreas Doerne, der den neuen Studiengang deshalb auch „Gitarre-Plus“ nennt.

Jetzt für Sommersemester 2015 anmelden

Der reformierte Studiengang ist mit diesem Wintersemester erstmals an den Start gegangen. Den Gitarre-Studierenden steht nun noch mehr Unterrichtszeit zur Verfügung als bisher, und dies bei gleichem Deputatsumfang. Möglich wird dies durch neue Unterrichtsformen wie Gruppenunterricht oder gegenseitiges Unterrichten, bei dem die Studierenden unterschiedliche musikpädagogische Herangehensweisen kennen lernen und erproben können.

Anmeldungen für das Sommersemester 2015 sind noch möglich. Anmeldeschluss ist der 1. Dezember 2014.

Weitere Informationen
»Gitarre – die Reform der künstlerischen Hauptfachausbildung« von Prof. Dr. Andreas Doerne

Kontakt

Stefan Goeritz
E-Mail
Tel.: 07681-4934736

Prof. Dr. Andreas Doerne
Tel.: 0761-31915-38
E-Mail

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Rede von Rektor Dr. Rüdiger Nolte anlässlich der Akademischen Feier zur Wintersemestereröffnung 2014/15

In seiner Rede anlässlich der Akademischen Feier zur Wintersemestereröffnung 2014/15 sprach Rektor Dr. Rüdiger Nolte am 13. Oktober im Konzertsaal der Freiburger Musikhochschule über die künftigen Herausforderungen in der musikalischen Welt - und mit welchen Konzepten die Freiburger Musikhochschule diesen begegnet:

Meine Damen und Herren,

hinlänglich bekannt wird sein, dass der Landesrechnungshof empfohlen hatte, die Haushalte der fünf baden-württembergischen Musikhochschulen um 4 bis 5 Millionen Euro zu kürzen.
Weniger bekannt mag sein, dass mit dieser Empfehlung die Freiburger Musikhochschule wegen angeblich unverhältnismäßig guter Ausstattung im besonderen Kürzungsfokus stand und wir einen oft mühsamen Argumentationsfeldzug dagegen zu führen hatten.
Und viel zu unbekannt ist, dass wir diese schließlich anerkannte Klarstellung den unnachgiebigen Überprüfungen von Ludwig Holtmeier zu verdanken haben - was dank ihm schließlich in Baden-Württemberg zur akzeptierten Einsicht führte, dass gewisse Aspekte für die weitere Debatte um die Hochschulen bindend wurden, wie etwa die Beachtung vereinbarter Richtzahlen oder die der Ausfinanziertheit oder die differenzierte Beachtung offen darzulegender Stellensituation.

Diese Klarstellungen in Kombination mit der Tatsache – und hier danke ich Prof. Andreas Doerne -, dass wir gleichzeitig mit Reform-Konzepten aufwarten können, hatte im vergangenen Jahr zur Folge, dass die Freiburger Hochschule nun wieder den Ruf als solider Standort genießt und dass wir wieder nach vorne blicken können.

Und das ist auch nötig.

Denn wichtiger als diese tagespolitische Debatte ist es, die musikalische Ausbildung im Zusammenhang gesellschaftlicher Veränderungen neu zu überdenken.
Und darüber möchte ich heute sprechen, auch, um Ihnen den gedanklichen Zusammenhang für einige Reform-Vorhaben zu skizzieren.

Die Tatsache der SWR-Orchester-Fusion ist wohl nicht allein Ausdruck einer intendantischen Ignoranz, sondern vielmehr Ausdruck eines geringer gewordenen Interesses an der Tradition klassischer Musik.

Und damit bin ich beim 1. Thema meiner Rede:
Wir haben ein gehöriges Problem mit unserer musikalischen Gegenwart.
Merkwürdig: unbestritten ist die Tatsache, dass sich um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert mit dem Übergang einer aristokratischen in eine bürgerliche Gesellschaft eine vollkommen neue Kultur gebildet hat.
Aber kaum wahrgenommen wird, dass sich unsere gegenwärtige Kultur um die Wende vom 20. zum 21. Jahrhundert, also in den letzten 25 Jahren, im Zuge einer digitalen Revolution ebenfalls entscheidend verändert hat – und zwar so sehr, dass man wohl nicht mehr von bürgerlicher Kultur sprechen kann, dass zumindest so etwas wie großflächige Kulturschichtungen oder –überlappungen festzustellen sind.

Die gestrige Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels an den Informatiker Jaron Lanier mag wie die Bestätigung eines dringend notwendigen neuen gesellschaftlichen Diskurses gewirkt haben.
Der nicht zuletzt unsere Gegenwartswahrnehmung meint.
Denn es ist doch auffällig, dass trotz aller radikalen Veränderungen weiterhin häufig an bürgerlichen Werten und Traditionen festgehalten wird, so, als hätten die noch immer ihre prägende Relevanz.
Um über Musik zu sprechen: Betrachtet man die vorherrschend aus Werken vergangener Epochen bestehenden Konzertprogramme, dann ist festzustellen, dass Viele das ganz selbstverständlich finden und diese historische Musik erleben, als sei sie uns nah.
Wenn wir aber unsere historische Distanz zu diesen Werken außer Acht lassen, übersehen wir deren stilistische und klangliche Besonderheiten.
Oder um einem Gedanken des Philosophen Walter Benjamin zu folgen: wir sollten uns auf die Werke zubewegen und nicht diese zu uns heranholen.
Ein Gegenargument wäre sicherlich: große Kunst hat doch nichts zu tun mit gesellschaftlichen Veränderungen.

Das mag sogar sein.
Meist aber wird die behauptete Gültigkeit der Kunst nicht aus dem Werk selbst heraus erklärt – womit man sich nämlich bereits auf dessen historische Besonderheit einlassen würde -, sondern mit einer im Verhältnis zum Werk äußerlichen Überzeugung.

Ganz abgesehen davon, dass wir mit solch distanzloser, die Musik als überhistorisch setzender Wahrnehmung unseren eigenen Bezug zu unserer eigenen musikalischen Gegenwart ignorieren – anders als das übrigens in der Bildenden Kunst oder in der Literatur der Fall ist.
Aus der Perspektive einer noch heute überwiegenden Haltung des Konzertpublikums, aber auch bei Musikern, lässt sich also beobachten, dass man unsere musikalische Gegenwart am liebsten sich selber überlässt.
Als ließe man sie – ausgegrenzt – links liegen.
Warum? Weil sie uns nicht gefällt?

Aber wenn wir die Musik unserer Gegenwart nicht als Ausdruck unseres ästhetischen Empfindens akzeptieren können - Neue Musik, auch Jazz, Rock, Pop - warum ändern wir sie dann nicht?
Eine solche regulierende Auseinandersetzung von Musik und Gesellschaft, von Gewohnheit und Experiment, von Unterhaltung und Innovation, von Geselligkeit und Kontemplation hat über mehrere Jahrhunderte durchaus funktioniert – nicht zuletzt deshalb, weil diese regulierende Auseinandersetzung aus einem eigenen Gegenwarts-Verständnis heraus geschah.
Ich spreche damit nicht gegen die Pflege unserer musikalischen Tradition. Ganz im Gegenteil.
Worum es mir geht: unser Umgang mit Werken aus früheren Zeiten, unser Spielen und unser Hören sollte aus unserem eigenen Gegenwartsverständnis heraus geschehen – und nicht, als wären die Werke unsere Gegenwart.

Und hiermit bin ich beim 2. Thema meiner Rede: die Frage nach der gegenwärtigen Bedeutung von Musik.
Das Geschäft mit der Klassik scheint - noch - zu funktionieren, besonders im Festivalbereich.
Festivals jedoch sind Events und bieten über die Musik hinaus zusätzliche Attraktionen gehobener Geselligkeit.
Doch wenn die Geselligkeit überhandnimmt, kann das passieren, was jemand mal als die Infantilisierung der Kultur bezeichnet hat, die Verselbständigung zur Spaßkultur.
Was nun den Bezug zur Musik selbst betrifft, so ist momentan ein rapider Interessensschwund an unserer klassischen Musiktradition zu beobachten.
Diese Krise ist jedoch nur ein Teil eines weiter reichenden Problems unseres Umgangs mit der gesellschaftlichen Bedeutung von Musik.
Denn der grundsätzliche Bedeutungswert von Musik kommt uns zunehmend abhanden.
Und dieses Problem mag mit dem Überwiegen von Spaßkultur sehr wohl zusammen hängen.
Hier nun setzt die immer wichtiger werdende Aufgabe für unsere Musikhochschulen an. Denn wir müssen mehr als bislang begreifen, dass
1. die gesellschaftliche und menschliche Bedeutung von Musik weit über das Klassische Repertoire hinaus geht, und
2. begreifen, dass wir an den Musikhochschulen uns für diese umfassende Musikbedeutung verantwortlich zu fühlen haben.

Selbstverständlich muss es an unseren Hochschulen weiterhin um künstlerische Exzellenz gehen. Und in jedem Fall ist gegen leichtfertig dagegen formulierte Meinungen mit allem Nachdruck anzugehen.
Denn der Schutz unserer großen musikalischen Kunsttradition muss eine unserer zentralen Verantwortungen bleiben.
Der formulierte Vorwurf aber, wir würden hier in Freiburg zulassen, dass aus unserer Kunsthochschule eine Pädagogische Hochschule wird, stimmt aus mehreren Gründen nicht.
- Erstens geht es niemals um ein entweder oder zwischen künstlerisch und  pädagogisch, sondern um beides,
- Zweitens haben wir in jüngster Vergangenheit im künstlerischen Bereich sehr wohl exzellent berufen können, teilweise sogar steigernd, und
- Drittens stimmt der Vorwurf nicht, weil er die gesellschaftlich dringende Notwendigkeit reformierter Pädagogik ignoriert - und zwar fatal ignoriert.

Dazu muss ich bitte noch einmal ausholen:
Die gesellschaftliche Bedeutung von Musik ergab sich in früheren Jahrhunderten aus Repräsentationsbedürfnissen, etwa denen der Fürsten oder denen eines selbstbewusst gewordenen Bürgertums.
Heutzutage aber ist die wirtschaftlich und politisch einflussreiche Elite nur noch in Ausnahmefällen bereit, klassische Musik zu fördern.
Und wenn unsere musikalische Hochkultur nur noch rudimentär von Repräsentationsbedürfnissen getragen wird, dann muss sich die Pflege und Förderung unserer Musikkultur anders motivieren.
Wenn die Pflege der Musikkultur nicht mehr von oben kommt, dann muss sie aus der Breite kommen.
Und hierfür brauchen wir Menschen, die ich als künstlerisch motivierte Menschen bezeichnen möchte.
Diese künstlerisch motivierten Menschen wären nach dem Verfall der Repräsentationskultur die gültige Referenz für eine lebendige Musikkultur. Nicht zuletzt im Verweis auf Ideale, wie sie schon bei Friedrich Schiller oder Wilhelm v. Humboldt zu finden sind.
Vorhin sprach ich davon, dass die Fusion der SWR-Orchester ein Ausdruck eines veränderten gesellschaftlichen Interesses ist. Jetzt kann ich ergänzen, dass der Widerstand gegen die Fusion zwar von einem enorm engagierten Freundeskreis betrieben wird, unterstützt von vielen Bürgern, dass sich letztlich aber das Engagement aus Wirtschaft und Politik in Grenzen hält.
Wie anders war es dagegen in Freiburg im Jahre 1887, als es die politische und wirtschaftliche Elite dieser Stadt als Ausdruck ihrer Repräsentationsbedürfnisse geradezu für unverzichtbar hielt, ein Philharmonisches Orchester zu gründen.
Wenn heute also aus den Führungsetagen kaum mehr Schutz und Förderung für Musikkultur zu erwarten ist, dann müssen wir uns umso mehr für das Ideal des künstlerisch motivierten Menschen engagieren.
Letzte Woche erst hörte ich von einem Fachmann der Branche, in 20 Jahren, wenn eine Folgegeneration die großen Vermögen erben wird, ist Schluss mit der Förderung klassischer Musik.

Es sei denn, wir unternehmen etwas.

Und hier setzen Aufgabe und Wichtigkeit reformorientierter Musikpädagogik an.
Doch nicht mehr allein zur Pflege musikalischer Hochkultur, wie sie für ein bürgerliches Repräsentationsbedürfnis sozusagen exklusiv passend war, sondern im Sinne eines umfassender reflektierten Musikverständnisses, das offen ist gegenüber allen Musikströmungen, d.h. frei ist von falschen Ausgrenzungen.

In diesem Zusammenhang nenne ich drei Freiburger Reform-Vorhaben:
1.  Das bereits andernorts beschriebene Projekt einer Labormusikschule als experimentellem Forschungsprojekt, an dem neue Lehrkonzepte entwickelt, erprobt und praktiziert werden sollen. Hier ist das Ideal des künstlerisch motivierten Menschen der unmittelbare pädagogische Anlass sowie der gesellschaftliche Auftrag.
2. Ein Institut in Kooperation mit der Freiburger Universität, mit dem ein tradierter Wissenschaftsbegriff hinterfragt werden soll, indem die bedeutenden Aspekte von Kunst und Pädagogik, auch unter soziologischer Perspektive, in die Musikwissenschaft mit einbezogen werden sollen – zugunsten eines neu und erweitert und offen reflektierten Verständnisses musikalischer Praxis.
3. Ein neu zu konzipierender Studiengang, der unter Verzicht auf einen falschen Perfektionsbegriff den Typus des musikalisch gebildeten Menschen zum Gegenstand hat, bei dem mit höchstmöglichem künstlerischen Anspruch ästhetische und technische Gegenwarts-Erscheinungen ebenso Bestandteil des Studiums sein sollen wie auch interdisziplinäre Studien, nicht nur mit anderen Künsten, auch mit Studien wie BWL, Soziologie oder Neurologie, ein Studiengang, der zudem Kompetenzen im Umgang mit neuesten Medienentwicklungen vermittelt.

Die hier beschriebenen Reform-Vorhaben enthalten einen noch detailliert auszuarbeitenden Anspruch auf die Gründung einer Reform-Musikhochschule.
Entsprechend soll der rein künstlerisch ausgerichtete Bereich zeitnah ebenfalls hinterfragt werden.
Umso mehr freue ich mich über erste Eigeninitiativen, wie z.B. die Vereinbarung der Professorinnen Julia Schröder und Simone Zgraggen mit unserem ganz neu berufenen Violin-Professor Sebastian Hamann, im Masterstudiengang Co-Teaching zu praktizieren. Dies wäre eine erste Initiative gegen das noch vorherrschende Meister-Schüler-Prinzip.
Und wenn wir jährlich Tage für das Thema Improvisation reservieren, dann sind damit gerade auch die künstlerisch ausgerichteten Klassen angesprochen.
Uns ist klar, dass das ein langwieriger Überzeugungsprozess ist.
Aber es kann auch nicht so schwierig sein zu erkennen, dass Improvisation als Teil künstlerischer Qualifikation im 19. Jahrhundert sehr wohl und erfolgreich zum Ausbildungskanon im musikalischen Hochleistungsbereich gehörte.
Mit der heute üblichen Reduktion auf das Einstudieren von Werken besteht die Gefahr, dass der Begriff des Künstlerischen nur vorausgesetzt wird oder sich auf individuell gebildete Empfindungen beschränkt oder auf private Inspirationen.
Oder sich reduziert auf den Anspruch auf Perfektion.

Noch einmal zurück zur Politik.
Der Bericht des Landesrechnungshofs und die darauf folgende Debatte haben eins gezeigt, und das ist für uns alle neu und sehr ernst zu nehmen: die Daseinsberechtigung unserer Musikhochschulen ist nicht mehr selbstverständlich.
Und auch wenn vieles in dieser Debatte von Unkorrektheit geprägt war, bestand doch die Chance, dass wir Musikhochschulen sozusagen in uns gegangen sind.

Nicht zuletzt zeigt sich das im momentanen Bemühen, ein gemeinsames Konzept vorzulegen, das nicht mehr alle Hochschulen das gleiche anbieten lässt.
Dieses Konzept sieht vor, dass jede Hochschule ihr Angebot in drei Sparten auflistet.
a) Kernbereiche: die Kernbereiche enthalten das, was an jeder Hochschule unterrichtet werden muss: das sind Orchesterinstrumente, Gesang, Komposition, Klavier, Musiktheorie/Gehörbildung, Musikwissenschaft und Vorklassen-Ausbildung.
b) Profilbereiche: diese Profilbereiche beschreiben nahezu den Rest des Angebots, mit der Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen.
c) Qualifizierte Zentren. Hier handelt es sich um besondere Ausbildungsschwerpunkte mit besonders tief und intensiv angelegten Curricula.
Pro Hochschule sollten es nicht mehr als zwei oder drei Zentren sein.

Wir haben uns entschlossen, unter Berücksichtigung der besonderen Standortvorteile in Freiburg dem Senat und Hochschulrat folgende Zentren vorzuschlagen und diese in den entsprechenden Fachgruppen zu besprechen:
1. Forschung. Hier sei an das gemeinsame Institut von Hochschule und Universität erinnert, aber auch an unsere Kooperationen mit der Pädagogischen Hochschule
2. Kirchenmusik als Baden-württembergisches Zentrum neben Stuttgart
3. Ein Zentrum für künstlerische und angewandte Klavierpraxis.
Diese drei Qualifizierten Zentren sind in Ergänzung zu den Kernbereichen zu verstehen und zu unseren übrigen Schwerpunkten wie etwa Schulmusik, Instrumental- und Vokalpädagogik, Orchesterinstrumente oder Komposition.

Die Tatsache, dass Freiburg vergleichsweise viele Klavierprofessuren hat, sollten wir argumentativ nach vorne gerichtet nutzen.
Freiburg soll ein Muster bildendes Zentrum für Klavierstudien werden.
Geplant ist, einige Klavier-Professuren zu profilieren, z.B. als Ausbildungen für qualifiziert ausgebildete Klavierpädagogen, denn es kann nicht sein, dass das Klavier an Musikschulen weiterhin sehr gefragt ist und wir dafür keine adäquaten Ausbildungen bieten, oder profiliert als Professuren für Improvisation oder für Korrepetition.
Und selbstverständlich sollen einige Professuren dem pianistischen Hochleistungsbereich vorbehalten bleiben.
Dieses Zentrum wäre deshalb ein qualifiziertes Zentrum, weil dort umfassend über die Bedeutung des Klavierspiels in allen seinen Facetten nachgedacht werden soll, d.h. ohne unnötige Ausgrenzungen. Und ohne „links-liegen-lassen“.

Zum Schluss: ich hatte vor Kurzem Gelegenheit, in Japan zu sein. Unter vielem anderen hat man dort Gelegenheit zu erkennen, dass unsere europäische Kultur nicht die einzige auf der Welt ist.
Die Bedeutung der Globalität ist ein weiterer Aspekt unserer Gegenwart.
Auch den sollten wir in unserer Musikhochschulausbildung nicht übersehen.
So wenig, wie wir übersehen sollten, dass wir dabei sind, unsere große Musiktradition durch musealisierende Traditionspflege zu gefährden – und damit in Gefahr sind, ein wahrliches Kulturgut aufs Spiel zu setzen, nämlich die Bedeutung von Musik für unsere menschliche Dignität.

Hier an unserer Hochschule gibt es zur Zeit viele gute Ansätze.
Und ich bitte Sie alle herzlich, dabei mit zumachen.

Wie hat gestern Jaron Lanier, der Musiker und Kenner unserer digitalen Gegenwart seine Rede beendet: „Lasst uns unsere Schöpfung lieben“.

Besten Dank.

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