From Bach to the Beatles

Exploring compositional building blocks and musical style change with hermeneutic and computational methods

From Bach to the Beatles – Exploring compositional building blocks and musical style change with hermeneutic and computational methods ist ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt, das von der VolkswagenStiftung im Rahmen des „‚Mixed Methods' in den Geisteswissenschaften”-Programms gefördert wird (2018–2020). Durchgeführt wird es am Digital and Cognitive Musicology Lab der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL) in Kooperation mit der Hochschule für Musik Freiburg (Prof. Felix Diergarten). Die Projektleitung obliegt Prof. Martin Rohrmeier und Dr. Markus Neuwirth.

Eines der Kernanliegen musikwissenschaftlicher Forschung liegt seit jeher darin, ein besseres Verständnis derjenigen Prinzipien und Mechanismen zu erlangen, die der Strukturbildung in unterschiedlichen Musikstilen zu Grunde liegen. Spätestens in den letzten 10–15 Jahren sind sogenannte „Stimmführungsmodelle“ immer mehr in den Fokus der Forschung, zumal der historisch informierten Musiktheorie und -analyse, gerückt. Stimmführungsmodelle (bzw. Schemata) gelten als zentrale Bestandteile tonaler Musik des klassischen Stils und darüber hinaus. Einsichten in die Weisen des Modellgebrauchs ermöglichen Musikforschern die Charakterisierung musikalischer Stile sowie Antworten auf Fragen des Stilwandels.

Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Entwicklungen im Bereich der Musikforschung, insbesondere der zunehmenden Einbeziehung digitaler Datensätze und Methoden, verfolgt das Projekt im Kern drei Zielsetzungen. Zunächst wird (1) eine konzise theoretische Formalisierung von Stimmführungsschemata anvisiert. Weiterhin wird (2) die Implementierung eines effizienten Computermodells von Stimmführungsschemata angestrebt, das in der Lage ist, Schemata aus einem gegebenen Musikstück abzuleiten. Das Modell wird mit Hilfe eines annotierten Expertenkorpus („ground truth“) evaluiert, der seinerseits veröffentlich wird. Schließlich sollen (3) die komputational erzeugten Daten statistisch ausgewertet und für die vergleichende Exploration charakteristischer Muster des Schemagebrauchs in verschiedenen Kompositionen und Stilen genutzt werden. Dies erlaubt die Auseinandersetzung mit hermeneutischen Fragen der Stilbeschreibung (einschließlich Typikalität und Individualität) und des Langzeitstilwandels auf einer breiten, bislang unerreichten Repertoirebasis, die Musik von ca. 1700 bis 1970 berücksichtigt. Auf einer höheren Ebene strebt das Projekt die Konzeption eines übergreifenden methodologischen Rahmens an, der zwei Herangehensweisen, hermeneutisches „close reading“ und komputational gestütztes „distant reading“ (Moretti), die für gewöhnlich durch die Trennlinie zwischen qualitativer und quantitativer Forschung voneinander geschieden werden, in eine wechselseitig fruchtbare Interaktion treten lässt.

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Projektdaten

Laufzeit: 2018–2020

Forschungspartner: École polytechnique fédérale de Lausanne, Digital and Cognitive Musicology Lab (Projektleitung)

Finanzierung: VolkswagenStiftung