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Konzert |

Das Rohe und das Gekochte

Sappho und Klangrede – Sprache im Dialog mit Instrumenten
Sappho

Mitwirkende

Schlagzeugensemble der Hochschule für Musik Freiburg
Pape Dieye (Senegal) → Wolof-Sprache und Rhythmus-Modelle
Johanna Bohnstengel → Gesang
Camilla Pilla Arnese → Klavier
Johannes Rietmann → Sprecher (Altgriechisch)
Elisabeth Kiourti → Sprecherin (Neugriechisch)
Håkon Stene und Bernhard Wulff → Konzept und Leitung

Programm

Iannis Xenakis → Psappha
Johanna Toivanen → »Was quälst du mich Eros?«
Frederic Rzewski → »To the Earth«
Vinko Globokar → Toucher
Franz Schubert → Wandrers Nachtlied op. 96 Nr. 3
Rebecca Chazarenc → Zan Zendegi Azadi (UA)

Von zwei verrosteten Pauken zur Institution: 50 Jahre Schlagzeug-Ensemble der Hochschule für Musik

2023 feiert das Schlagzeug-Ensemble der Hochschule für Musik Freiburg sein 50-jähriges Jubiläum mit mehreren Konzerten. Den Auftakt macht am 25. Mai 2023 »Das Rohe und das Gekochte«, bei dem Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger mit Sprecherinnen und Sprechern interagieren und verschiedene Sprachen imitieren – unter anderem Griechisch, Farsi und Wolof. Im November 2023 folgen drei weitere Konzerte mit Live-Video und Musiktheater, einer Uraufführung und »Klassikern«, etwa von George Antheil.

1973 wurde das Schlagzeug-Ensemble an der Hochschule für Musik Freiburg gegründet – aufbaut wurde es vom jungen Schlagzeug-Professor Bernhard Wulff, der in den folgenden Jahrzehnten viele Studierende unterrichtete und auch heute noch regelmäßig Hochschul-Konzerte organisiert. Für das Auftaktkonzert des Jubiläumsjahrs am 25. Mai 2023 hat Bernhard Wulff gemeinsam mit seinem Nachfolger Prof. Håkon Stene unter dem Titel »Das Rohe und das Gekochte« ein Programm zusammengestellt, das mit dem Klang unterschiedlicher Schlaginstrumente und Sprachen spielt. Sprecherinnen und Sprecher sowie Schlagzeugerinnen und Schlagzeuger wechseln sich ab und interagieren miteinander, auf Alt- und Neugriechisch, dem chinesischen Sichuan, dem iranischen Farsi oder der in Westafrika gesprochenen Sprache Wolof. Im Laufe des Konzerts übernehmen die Schlaginstrumente die Sprachen und imitieren sie durch verschiedene Instrumente und Spieltechniken.

»Psappha« von Iannis Xenakis, Franz Schubert und eine Uraufführung

Das Konzert beginnt mit »Psappha«, einem Werk für Solo-Percussion des griechischen Komponisten Iannis Xenakis aus dem Jahr 1975. Ein sehr schönes Stück, das durch Sappho, eine Dichterin aus der griechischen Antike, inspiriert worden sei, erklärt Bernhard Wulff: »Sappho schrieb Liebeslyrik von betörender Schönheit, so weich wie der Frühlingswind in Freiburg. Demgegenüber beginnt das Stück sehr rumpelig, fast schon brutal. Warum? Weil Iannis Xenakis für seine Komposition das antike sapphische Versmaß verwendet und dadurch einen virtuellen Text in der Musik transportiert.« Damit das Publikum den Klang der Sprache selbst erfahren kann, werden alt- und neugriechische Gedichte von Sappho vorgelesen. Das Stück »Toucher« des slowenischen Komponisten Vinko Globokar, nach einem Text aus Berthold Brechts »Galileo Galilei«, haben Studierende für die Aufführung in den chinesischen Sichuan-Dialekt übersetzt. Zudem wird Franz Schuberts »Wandrers Nachtlied« mit Gesang und Klavier gespielt, eine Uraufführung nach einem Text auf Farsi und ein Werk, das durch die etwa im Senegal und in Gambia gesprochene Sprache Wolof und Rhythmus-Modelle aus dieser Region inspiriert wurde.

Drei weitere Konzerte zum 50-jährigen Jubiläum der Schlagzeug-Abteilung finden vom 22. bis 24. November 2023 statt: Geboten werden Aufführungen mit Live-Video, Elektronik und Musiktheater sowie »Klassiker« wie George Antheils »Ballet Mécanique« (1924), Steve Reichs »Drumming« (1971) oder Mike Oldfields »Tubular Bells«, arrangiert für Percussion-Ensemble. Zudem wird ein neues Stück von Bernhard Wulff uraufgeführt und es spielen Gäste aus Stockholm (Schweden) und Padua (Italien).

Das Schlagzeug-Ensemble der Hochschule

Bernhard Wulff kam 1972 als Schlagzeug-Professor an die Hochschule für Musik Freiburg. Er hatte Schlagzeug in Hamburg, Komposition in Basel und Dirigieren in Freiburg studiert und war Mitglied des »Basler Radio-Sinfonieorchesters« sowie Lehrbeauftragter für Schlagzeug an der »Musik-Akademie der Stadt Basel«. Da die Freiburger Hochschule noch keine Schlagzeug-Abteilung hatte, wurde er von Rektor Carl Seemann mit deren Aufbau betraut. »An der Hochschule gab es damals zwei verrostete Pauken und ein paar Triangeln, wir fingen bei null an. Ich habe mir dann sämtliche Instrumentenkataloge bestellt und abgeschrieben, was wir alles brauchen. Es wurde eine ziemlich lange Liste, aber Carl Seemann hat das sehr unterstützt«, erinnert er sich. Das Schlagzeug-Ensemble der Hochschule gründete sich im Jahr 1973 und kooperierte von Anfang an eng mit dem Institut für neue Musik, das es seit 1965 an der Hochschule gab. In der Folgezeit wurden an der Hochschule für Musik Freiburg viele gute Musikerinnen und Musiker ausgebildet: »Meines Wissens sind 17 Schlagzeug-Studierende aus Freiburg später Professorinnen oder Professoren an Musikhochschulen geworden und mehr als 30 unserer Absolventinnen und Absolventen haben Orchesterstellen bekommen«, sagt Bernhard Wulff. Das Schlagzeug-Ensemble erhielt zahlreiche Preise und Auszeichnungen und wurde zu Festivals und Tourneen eingeladen. Seine Mitglieder schrieben eigene Kompositionen, gründeten die neue Gattungsform des Schlagzeug-Quartetts und spielten auf zahlreichen Konzertreisen, unter anderem in den USA, in Brasilien, Russland, der Ukraine, Aserbaidschan, Kirgistan, der Mongolei, Japan, China, Indonesien, Süd- und sogar Nordkorea.

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