Die Utopie des genialen Augenblicks: Literarisches Improvisieren in Hans Christian Andersens Roman Der Improvisator (1835)

Porträtfoto von Joachim Grage

Improvisiert wird nicht nur in der Musik. Hans Christian Andersen, heute weltweit berühmt für seine Kunstmärchen, schrieb 1835 seinen ersten Roman über einen römischen Jungen, der zu einem Meister der literarischen Improvisation heranwächst. Das Publikum feiert ihn für seine spontane, stimmungsvolle, auf den Augenblick bezogene Versdichtung. Der Vortrag geht der Kunst des dichterischen Improvisierens nach, wie sie Andersen seinerzeit selbst in Italien kennengelernt hat. Was ist die besondere performative Dimension der literarischen Improvisation im Vergleich zur musikalischen? Wie steht die eher populäre Kunst der Improvisation zur bürgerlichen Literatur ihrer Zeit? Und welche utopische Poetologie entwirft Andersen anhand der Improvisationskunst?

Prof. Dr. Joachim Grage ist Professor für Skandinavistik (Neuere Literatur- und Kulturwissenschaft) an der Universität Freiburg und stellvertretender Direktor des FZM. Er forscht zu den skandinavischen Literaturen vom 17. Jahrhundert bis heute, unter anderem mit einem Schwerpunkt auf Beziehungen zwischen Literatur und Musik.

Der Vortrag ist Teil der FZM-Ringvorlesung »Improvisieren: Spontane Kreativität in Kunst und Alltag«.

Im Sommersemester 2026 veranstaltet das Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Freiburg (FZM) eine Ringvorlesung zum Thema Improvisieren aus verschiedenen fachlichen Perspektiven und Facetten. Neben zehn Vorträgen von Mitgliedern des FZM und Gästen, die mittwochs im Hörsaal des Musikwissenschaftlichen Seminars der Universität stattfinden, sind an fünf Montagabenden in der Hochschule für Musik Veranstaltungen mit improvisatorisch-musikalischen Darbietungen oder genreübergreifenden Performances geplant, davon zwei in der FZM-Veranstaltungsreihe »musik + wissen«.

Hier finden Sie das Kurzprogramm (pdf) (this file is not barrier-free) mit allen Einzelterminen der öffentlichen Ringvorlesung. 

Das Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Freiburg (FZM) ist eine gemeinsame Einrichtung der Hochschule für Musik und der Universität Freiburg mit dem Ziel der gegenseitigen Vernetzung in der musikbezogenen Forschung und Lehre.