Bericht Hochschulchor

Walpurgisnacht
Der Chor un das Orchester der Hochschule für Musik Freiburg brachten gemeinsam mit dem Chor der Hochschule für Musik Basel (FHNW) Goethe-Vertonungen der Romantik auf die große Bühne.

Es läuft die letzte Probe – wenige Stunden vor Konzertbeginn. Das Licht flackerte kurz und dann war es dunkel. Stromausfall. Dunkel - abgesehen von einer Notbeleuchtung im Saal, die dem Orchester und dem Chor auf der Bühne allerdings wenig half, ihre Noten zu lesen.Zunächst war alles, wie immer. Immer probt der Chor mittwochs, immer zwei Stunden lang, immer gibt es eine Pause. Der Gummibärchendienst in meinem Freundeskreis versagt wie immer mehr, als dass er Süßes für die Pause mitbringt, und wie immer proben Männer- und Frauenstimmen viel getrennt, um sich mit den Werken vertraut zu machen. Texte, die von Goethe geschrieben und von Mendelssohn, Brahms und Schumann vertont wurden, wurden einstudiert. Als Teil der Chores ahnt man da noch nicht, welche Wucht diese Musik zusammen mit dem Orchester später einmal auf der Bühne entfacht, welche Emotionen, Trauer, Gewalt, wie sehr sie einen ergreifen wird. Man kann aber schon eine Anspielung auf die Mondscheinsonate hören, wenn Pauline den Klavierauszug für die Alt-Rhapsodie von Brahms anspielt. So beschränkte es sich zunächst auf das Lernen von Texten und Tönen – wie immer eben. Vorher einsingen.

Dann auf zum Probenwochenende in Überlingen. Kurz vor der Ankunft spricht Chorleiter Prof. Frank Markowitsch durch das Bus-Mikrophon: »Hier gibt es übrigens auch so einen kleinen See in der Nähe – in der Mittagspause, kann man sich also schön abkühlen« – dieser »kleine See« war der Bodensee und damit der größte See in Deutschland. Am gleichen Abend fingen die Proben an. In einer Gymnastikhalle. Akustisch eher ungeeignet. So zogen wir ab dem nächsten Mittag in eine Schule um, zu der man entweder zehn Minuten Bus fahren oder 25 Minuten laufen konnte. Das warme Wetter macht alles erträglich, zumal auch ein Eis und für manche kostenloser Kuchen der Klasse 6c, die in der Stadt für ihre Klassenfahrt Kuchen verkaufte, drin war. Zurück in der Jugendherberge. Das Essen war vorzüglich, der Speisesaal mit Blick zum See und großen Fenstern. Kurz vor der Abfahrt nach Freiburg singt ein großer Teil des Chores ein mehrstimmiges Muttertagslied. Entsprechende Mütter werden sich über das Video gefreut haben. Der Stau auf der Rückfahrt ist keine Erzählung wert.

Beeindruckende Klänge, wahnsinnige Wucht

Der letzten routinemäßigen Mittwochsprobe waren die Studierenden zahlreich ferngeblieben, sodass Prof. Markowitsch sie kurzerhand ausfallen lies und empfahl, Kräfte für die nächste Woche zu sammeln, in der die Haupt- und Generalprobe und beide Konzerte stattfanden. Am Dienstag sangen dann also erstmals der Chor aus Basel, der die Stücke unter Leitung von Martin Wettges geübt hatte, und der Hochschulchor zusammen in der geplanten Chorkooperation. Auch das Orchester hatte  unter Markowitschs Leitung die Stücke gelernt. Beeindruckende Klänge. Wahnsinnige Wucht im Fortissimo und weiche Wärme im Piano. Die Bandbreite der Werke ist groß. Auch die Solisten hörten die Chorsänger und Chorsängerinnen zum ersten Mal. In der Generalprobe am nächsten Tag sah der Dirigent dann an einigen Hälsen im Chor SC-Freiburg-Schals , weil der Anpfiff zum größten Spiel des Vereins zeitlich exakt auf das Ende der Probe fiel. Zum Glück der Fans im Chor und dem Orchester waren wir eine halbe Stunde früher fertig, so dass jeder sehen konnte, wie chancenlos der SC letztlich war.

Zwischendurch wurden noch letzte Dinge geklärt: Die Kleiderordnung ist schwarz-schwarz, eine schwarze Chormappe soll jeder haben und der Chor läuft zu einem anderen Zeitpunkt, als ursprünglich geplant, von der Stufen herunter neben das Orchester. Bei der Probe am vorigen Tag sei es sonst zu laut und störend an der anderen Stelle gewesen. Warum der Chor überhaupt umher lief? Der Dirigent sagte - zutreffenderweise - man müsse die Walpurgisnacht »eigentlich inszenieren«. Das taten wir damit im Rahmen der Möglichkeiten. 

Von einer Zuhörerin wurde mir zugetragen, dass man während des Konzerts kaum gesehen hat, dass der Bass an zwei Stellen den Kopf schüttelte, um den Triller besser singen und die Inszenierung zu unterstützen. Vielleicht lag das aber auch daran, dass sie in der vorletzten Reihe des Wolfgang-Hoffmann-Saals in der Musikhochschule Freiburg saß. In der Probe führte das Schütteln zu großem Amüsement. Das Konzert war sehr gelungen – so die Rezension aus dem Publikum!

Nächste Schlacht im nächsten Semeter

Nach Basel ging es dann tags darauf. Die zwei Stunden, in denen die Busse im Stau standen, machten die Zeit vor dem Konzert nicht weniger stressig, aber es ging pünktlich los, so dass alle noch in der Nacht auf Samstag wieder in Freiburg waren.Ein Herzlicher Dank gilt Prof. Frank Markowitsch für die Einstudierung des Freiburger Hochschulchors und des Orchesters, sowie für die Konzeption und die musikalische Leitung.  Außerdem sei Martin Wettges herzlich gedankt für das Einstudieren der Werke mit dem Basler Hochschulchor. So ziehen wir »mit Zacken und mit Gabeln« (Walpurgisnacht) in die nächste Schlacht um richtige Töne, einheitliche »o« und »ah«-Klänge und passende Artikulation – nächstes Semester.

Bleibt noch eine Frage ungeklärt: Wie ging man mit dem Stromausfall um? Langsam machte es die Runde, dass nicht nur die Musikhochschule, sondern auch umliegende Straßen ohne Licht waren. Frank Markowitsch sagte: »Sonst machen wir das Konzert Open Air!«, wobei bis heute ungeklärt ist, wie ernst er das meinte. Jedenfalls halfen zunächst die Handytaschenlampen. Bis zum Konzert waren der Strom und das Licht wieder da, sodass Goethes Zeile »Dein Licht, wer kann es rauben?« (Walpurgisnacht) glücklicherweise keine selbsterfüllende Prophezeiung war.

Raphael Laufkötter ( Mitglied des Hochschulchors, 2. Semester Schulmusik)

Weitere Informationen zum Konzert gibt es in unserer Pressemitteilung 

Eine schöne Rezension des Konzerts von Alexander Dick ist in der Badischen Zeitung erschienen.