Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik
Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik: Von links: Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Prof. Dr. Joachim Grage (Universität), Dekan Prof. Dr. Lutz Hein (Universität), Prorektor Prof. Dr. Michael Schwarze (Universität), Prof. Dr. Dr. Claudia Spahn (Hochschule für Musik Freiburg), Rektor Prof. Dr. Ludwig Holtmeier (Hochschule), Prorektor Prof. Dr. Hans Aerts (Hochschule), Prof. Dr. Anna Schreurs-Morét (Universität), Prof. Dr. Wolfgang Lessing (Hochschule), Prof. Dr. Clemens Wöllner (Hochschule) beim FZM Klausurtag am 23. Mai 2025

Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik: Jahresbericht 2024/2025

Das Freiburger Forschungs- und Lehrzentrum Musik (FZM), die gemeinsame, hochschulübergreifende Einrichtung für musikbezogene Forschung und Lehre der Hochschule für Musik Freiburg und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, hat im Akademischen Jahr 2024/2025 wichtige Wegmarken erreicht und startet nun in eine neue Phase der vertieften Zusammenarbeit zwischen den Partnerhochschulen und ihren Akteurinnen und Akteuren. 

Das FZM als Leuchtturmprojekt

Die Evaluation des FZM, die im Akademischen Jahr 2023/2024 in die Wege geleitet und hauptsächlich im Sommersemester 2024 durchgeführt wurde, konnte im Dezember 2024 mit den letzten, in der FZM-Satzung vorgegebenen Gremienläufen erfolgreich abgeschlossen werden. Die Gutachtenden (Prof. Dr. Ariane Jeßulat, Berlin, Prof. Dr. Katelijne Schiltz, Regensburg, Prof. Dr. Monika Schmitz-Emans, Bochum, Prof. Dr. Mathieu Schneider, Straßburg) kommen in ihrem Bericht zu einer für die Partnerhochschulen hocherfreulichen Beurteilung: »Als ein Verbund verschiedener Institutionen, von dem aus der Bereich zwischen wissenschaftlicher, künstlerischer und didaktischer Forschung und Lehre bespielt wird, kann die Arbeit des FZM mit vollem Recht als Leuchtturmprojekt mit internationaler Strahlkraft bezeichnet werden.« Als einziges der fünf baden-württembergischen Landeszentren an Musikhochschulen ist das FZM damit nach den im akademischen Betrieb üblichen, strengen Kriterien evaluiert worden und wird auch weiterhin daran arbeiten, höchste Maßstäbe zu erfüllen und treibende Kraft in der musikbezogenen Forschung und Lehre in Freiburg, der Region und darüber hinaus zu sein.

Verabschiedung der Direktoriumsmitglieder Konstantin Voigt und Claudia Spahn

Im vergangenen akademischen Jahr ist es zu einer personellen Neuaufstellung im Direktorium des FZM gekommen. Die Position des stellvertretenden Direktors konnte, nach dem Wechsel von Prof. Dr. Konstantin Voigt an die Universität Würzburg, mit dem Direktoriumsmitglied Prof. Dr. Joachim Grage (Skandinavistik) nachbesetzt werden. Für die vakante Stelle eines universitären Direktoriumsmitglieds konnte Prof. Dr. Anna Schreurs-Morét (Kunstgeschichte) gewonnen werden. Es spricht für die gute Governance des FZM, dass diese Umstellung zügig erfolgte und dass das Direktorium im Wintersemester 2024/2025 nahtlos weiterarbeitete, gerade zu einer Zeit, als die Gremienläufe der Evaluation des FZM noch offen waren. Konstantin Voigt ist anschließend im Februar 2025 zusammen mit Prof. Dr. Konrad Küster, der bis dato Mitglied im Gemeinsamen Studienausschuss des FZM war, am Musikwissenschaftlichen Seminar der Universität im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung verabschiedet worden, bei der Rektor Prof. Dr. Ludwig Holtmeier (Hochschule für Musik Freiburg), Prorektor Prof. Dr. Michael Schwarze (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Dekan Prof. Dr. Daniel Leese (Philosophische Fakultät), die damals designierte, heute aktive Geschäftsführerin des Musikwissenschaftlichen Seminars Prof. Dr. Stefanie Steiner-Grage und FZM-Direktorin Prof. Dr. Dr. Claudia Spahn (Hochschule für Musik Freiburg) nicht nur die fachlichen und menschlichen Qualitäten beider Musikwissenschaftler hervorhoben, sondern gerade auch ihre herausragende Rolle im Aufbau und in der Etablierung des FZM.

Eine weitere Zäsur war die Verabschiedung von Claudia Spahn aus dem Direktorium des FZM im Sommersemester 2025. Claudia Spahn war schon Jahre vor der offiziellen Gründung des FZM 2019 eine der Mitinitiatorinnen der Idee einer gemeinsamen Einrichtung zwischen Hochschule für Musik Freiburg und Albert-Ludwigs-Universität Freiburg und maßgeblich an der Umsetzung dieser Idee beteiligt, die viel Überzeugungsarbeit, »geduldiges Papier«, strategische Planung und kreative Lösungen benötigte, bevor 2022 das erste Direktorium des FZM mit ihr als geschäftsführender Direktorin eingesetzt werden konnte. Claudia Spahn agierte als Brückenbauerin zwischen den Hochschulen, erwirkte den Einsatz einer FZM-Geschäftsstelle, führte das FZM zur erfolgreichen Evaluation und hat mit der Lancierung der Veranstaltungsreihe »musik + wissen« den Anspruch des FZM, Wissenstransfer zwischen den Disziplinen und in die Stadtbevölkerung hinein zu fördern, fest etabliert. Claudia Spahn ist im Mai 2025 bei einem Festakt im Haus zur lieben Hand verabschiedet worden, bei dem Ludwig Holtmeier und Michael Schwarze sowie Dekan Prof. Dr. Lutz Hein (Medizinische Fakultät) ihren unermüdlichen Einsatz für das FZM wertschätzten und bei dem Dr. Salah Eddin Maraqa (Musikwissenschaftliches Seminar) für die Festgemeinschaft auf der Qānūn spielte, einer orientalischen Kastenzither. 

Neuer geschäftsführender Direktor Prof. Dr. Clemens Wöllner

Das FZM-Direktorium startete zum 1. April 2025 in neuer Zusammensetzung in eine zweite, dreijährige Amtszeit. Neuer geschäftsführender Direktor ist Prof. Dr. Clemens Wöllner, Systematischer Musikwissenschaftler der Hochschule für Musik Freiburg. Er sieht das FZM als »einen großartigen Verbund an der Hochschule und an der Uni für Forschende und Studierende, die sich für Musik begeistern, mit vielen Möglichkeiten der Vernetzung«. Im Direktorium arbeitet er zusammen mit den oben erwähnten universitären Direktoriumsmitgliedern Joachim Grage (als Stellvertretender Direktor) und Anna Schreurs-Morét sowie den wiederbestellten Mitgliedern Prof. Dr. Ursula Nothelle-Wildfeuer (Albert-Ludwigs-Universität Freiburg), Prof. Dr. Hans Aerts (Hochschule für Musik Freiburg) und Prof. Dr. Wolfgang Lessing (Hochschule für Musik Freiburg).

FZM Klausurtag

Das neue Team im Direktorium lud zum Start der zweiten Phase des FZM zu einem FZM-Klausurtag ein. Am 23. Mai 2025, an dem auch die Verabschiedung von Claudia Spahn stattfand, kamen über 40 Mitglieder des FZM im Haus zur lieben Hand der Universität Freiburg zusammen, um einen Tag lang in Austausch zu treten, sich (noch) besser kennenzulernen und gemeinsam zu reflektieren, was das FZM ausmacht, welche Chancen es bietet und welche Herausforderungen anzugehen sind. In neun Kurzvorträgen boten 14 Forschende und Lehrende der Hochschule für Musik Freiburg und Albert-Ludwigs-Universität Freiburg aus Musikwissenschaft, Musikpädagogik, Musikphysiologie und Musikermedizin, Musiktheorie, Skandinavistik und Linguistik Einblick in ihre Arbeit und ihre Interessen. Das Format der Kurzvorträge erlaubte es, die große und inspirierende Bandbreite der musikbezogenen Projekte zu erleben und Anknüpfungspunkte für die eigene Arbeit zu finden. Als weiteres Format wurden drei parallele Gesprächszirkel zur freien Auswahl und den folgenden Themen veranstaltet: »Musik zur Sprache bringen« (moderiert von Joachim Grage), »Wege zwischen den Künsten beschreiten« (moderiert von Anna Schreurs-Morét) und »Methodologische Grenzen überwinden« (moderiert von Clemens Wöllner). Das Feedback zu den Gesprächszirkeln war überaus positiv: In kleinerer Runde konnte jeweils ein themenbezogener, interdisziplinärer Austausch stattfinden, der über laufende oder geplante Forschungsprojekte hinausging. Als drittes Format gab es zum Abschluss eine Plenumsdiskussion, in der die Erfahrungen mit dem Klausurtag selbst zusammengetragen, Ideenvorschläge für eine zukünftige FZM-Ringvorlesung gesammelt und Metaphern diskutiert wurden, mit denen sich das FZM bildlich und vor allem verständlich und passend beschreiben ließe. Insgesamt ist beim FZM Klausurtag deutlich geworden, dass diese und weitere Formate und Veranstaltungen, bei denen Mitglieder des FZM hochschulübergreifend und interdisziplinär zusammenkommen können, entscheidend für den weiteren Erfolg des Zentrums sind, da das FZM keine abstrakte und künstliche Struktur ist und sein soll, sondern durch seine Mitglieder selbst zum Leben erweckt wird. 

»musik + wissen« – Die Veranstaltungsreihe des FZM

Im Akademischen Jahr 2024/2025 ist die Veranstaltungsreihe des FZM mit drei weiteren Abenden endgültig fester Bestandteil des FZM-»Portfolios« geworden.

Am 20. November 2024 war Prof. Dr. Katelijne Schiltz, Professorin für Musikwissenschaft an der Universität Regensburg, mit ihrem Vortrag »›Ut cancer‹: Über Krebskanons, Palindrome und andere Rückwärtsbewegungen« zu Gast im Humboldtsaal Freiburg. Darin stellte sie erste Ergebnisse ihres aktuellen Buchprojekts zu Rückwärtstechniken in der Musik vom Mittelalter bis heute vor. Einerseits stellte sie die interdisziplinären Perspektiven, anhand derer man das »Rückwärtsphänomen« in der Musik untersuchen kann, vor. Andererseits lag ein besonderer Fokus auf Fragen der Komposition, Notation, Aufführung, Rezeption und Semantik von Rückwärtstechniken, die sie anhand von repräsentativen Beispielen untersuchte. Im musikalischen Beitrag von Robert Christoph Bauer, Professor für Musiktheorie/Künstlerische Forschung, und Antoine Billet, Cellist und Instrumentalpädagoge, beide von der Hochschule für Musik Freiburg, lief die Musik ebenfalls rückwärts!

Am 6. Februar 2025 fand »musik + wissen« erstmals und thematisch passend in der Archäologischen Sammlung der Universität Freiburg statt. Prof. Dr. Karl-Heinz Leven vom Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Universität Erlangen-Nürnberg, sprach zum Thema »›Mit Melodien und Musik die Kraft der Krankheit brechen …?‹ Musik und Medizin in der Antike«. Es ging um die »Musenkunst« der Antike, die Instrumentalmusik, Gesang, Tanz und Poesie umfasste. In der Erziehung kam ihr, in Analogie zur Körperertüchtigung durch die Gymnastik, eine besondere Bedeutung für die Entwicklung der Seele zu, ausgeführt in den Staatstheorien Platons und Aristoteles’. In der naturkundlichen hippokratisch-galenischen Medizin war die Musik als Therapeutikum, um über die Seele auf den Körper einzuwirken, umstritten und blieb insgesamt randständig. Umringt von antiken Originalen und Abgüssen griechischer und römischer Skulpturen wurde die Rückbesinnung auf die Antike auch durch die Musik belebt, die die Blockflötistin Alessandra Riudalbas und der Schlagzeuger David Auli Morales (beide von der Hochschule für Musik Freiburg) zum Klingen brachten. Auf Flöten, dem Aulos, Rahmentrommeln und weiteren Schlaginstrumenten wurden Stücke aus der Antike mit zeitgenössischen Arrangements verwoben.

Sowohl Katelijne Schlitz als auch Karl-Heinz Leven sind Mitglieder im wissenschaftlich-künstlerischen Beirat des FZM. Mit ihren beiden »musik + wissen«-Veranstaltungen ist die erste Auflage der Reihe an ihr natürliches Ende gelangt, in der sich seit 2023 alle sechs Beiratsmitglieder nacheinander in Freiburg vorgestellt haben. Am 17. Juli 2025 wurde »musik + wissen« dann erstmals in Kooperation mit dem Studium Generale der Universität Freiburg ausgerichtet. Prof. Dr. Werner Frick, Leiter des Studium Generale, sprach in seinem Grußwort im Wolfgang-Hoffmann-Saal der Hochschule für Musik Freiburg vor etwa 400 Zuhörenden vom Beginn einer wunderbaren Freundschaft zwischen FZM und Studium Generale. Das darauffolgende Gesprächskonzert »Thomas Mann und Beethoven. Eine Spurensuche im Doktor Faustus« fand im Rahmen der Ringvorlesung »Thomas Mann. Stationen seines Werkes« statt. Prof. Dr. Dr. h.c. Dieter Borchmeyer, Professor emeritus an der Universität Heidelberg und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, und der Pianist Amadeus Wiesensee, Absolvent der Hochschule für Musik und Theater München und der Hochschule für Philosophie München, wechselten sich ab, um über Thomas Manns umstrittensten und wohl meistinterpretierten Roman, »Doktor Faustus«, zu sprechen, der als der Musikroman schlechthin gilt. Eine seiner musikalischen Leitfiguren ist Beethoven. Im Gesprächskonzert wurde besonders die Klaviersonate op. 111 hervorgehoben, die – sekundiert von Auszügen und Erläuterungen aus und zum »Doktor Faustus« – während des Veranstaltungsabends auch zu hören war. Der Dialog zwischen live dargebotener Musik und einem musikbezogenen Vortrag beziehungsweise Gespräch hat sich einmal mehr als ergiebig und anregend erwiesen und so sieht das FZM mit großer Vorfreude weiteren Kooperationen mit dem Studium Generale entgegen.

Ausblick

»Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Freiburg und der Hochschule für Musik Freiburg ermöglicht eine in ihrer Vielfalt beeindruckende (wenn nicht sogar einzigartige) und facettenreiche Beschäftigung mit Musik aus wissenschaftlicher und praktischer Perspektive.« (Auszug aus dem Evaluationsbericht) Diese facettenreiche Beschäftigung mit Musik am FZM wird im Akademischen Jahr 2025/2026 weiter vertieft: Nicht nur wird die Veranstaltungsreihe »musik + wissen« fortgesetzt, sondern auch eine eigene FZM-Ringvorlesung für das Sommersemester 2026 geplant, die Vertreterinnen und Vertreter der verschiedensten Fächer zusammenbringen möchte, um ein bestimmtes Thema aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Wir freuen uns außerdem auf den Start der zweiten Amtszeit des Gemeinsamen Studienausschusses, der zum Oktober 2025 teilweise neu besetzt werden muss und von dem weitere Neuerungen in Studium und Lehre zu erwarten sein werden. So kündigt sich das kommende Jahr für das FZM äußerst vielversprechend an – gestärkt durch das positive Evaluationsergebnis und mit dem »frischen Wind« eines neuen Direktoriums im Rücken sehen wir den neuen Entwicklungen mit Spannung entgegen!

Dr. Dagmar Danko, Leiterin der Geschäftsstelle des FZM
Prof. Dr. Clemens Wöllner, Geschäftsführender Direktor des FZM