Neue Musik kennt keine (Landes-)grenzen

side-by-side
Im Format »side-by-side« spielen Studierende Seite an Seite mit Profimusikern.

Mit dem Interreg-Projekt »Die drei Ecken« bündeln Institutionen aus Deutschland, Frankreich und der Schweiz ihre Kräfte, um den Oberrhein als gemeinsamen Kulturraum für zeitgenössisches Musikschaffen zu stärken. An der Hochschule für Musik Freiburg steht dabei die Förderung des künstlerischen Nachwuchses und der Übergang vom Studium in die Berufspraxis im Mittelpunkt.

Für Studierende der Hochschule für Musik Freiburg eröffnet sich damit die Möglichkeit, bereits während des Studiums internationale Netzwerke aufzubauen und Einblicke in die professionelle Musikszene zu gewinnen. Getragen wird das Projekt von Partnerinstitutionen in Straßburg, Freiburg, Basel, Mulhouse, Karlsruhe und Donaueschingen. Unter der Leitung der Haute école des arts du Rhin (HEAR) arbeiten Hochschulen, Festivals und Kulturinstitutionen gemeinsam daran, nachhaltige Strukturen für künstlerische Entwicklung, Produktion und Vernetzung zu schaffen. Gefördert wird »Die drei Ecken« im Rahmen des Programms »Interreg Oberrhein« durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) sowie in der Schweiz auf kantonaler Ebene.

Das Projekt baut auf einem Netzwerk auf, das über viele Jahre hinweg gewachsen ist. Zahlreiche der beteiligten Einrichtungen pflegen bereits enge Kooperationen über Ländergrenzen hinweg. »Die drei Ecken« knüpft an diese Beziehungen an und entwickelt sie weiter. Ziel ist es, den trinationalen Kulturraum dauerhaft zu stärken und seine Sichtbarkeit als Standort für zeitgenössische Musik zu erhöhen. Im Mittelpunkt stehen dabei künstlerische Residenzen, in denen neue Werke entwickelt und produziert werden. Gemeinsame Formate der beteiligten Festivals und Veranstaltungsorte schaffen darüber hinaus öffentliche Räume für Begegnung und Austausch. So wird der Oberrhein als lebendiger Ort zeitgenössischen Musikschaffens sichtbar und erlebbar.

Für die Hochschule für Musik Freiburg steht insbesondere die Professionalisierung junger Komponistinnen und Komponisten sowie Interpretinnen und Interpreten im Fokus. Studierende und Promovierende sollen frühzeitig mit den Bedingungen der künstlerischen Praxis vertraut werden. Ein zentrales Format sind sogenannte Side-by-Side-Projekte, bei denen sie gemeinsam mit erfahrenen Musikerinnen und Musikern des international renommierten Ensemble Recherche arbeiten. Darüber hinaus erhalten sie Einblicke in die Arbeit des »SWR Experimentalstudios« und lernen zentrale Akteurinnen und Akteure der zeitgenössischen Musikszene kennen.

Attraktive berufliche Perspektiven in der Region schaffen

»Professionalisierung innerhalb dieses Projekts bedeutet für uns mehr als professionelle Ausbildung«, betont Rektor Ludwig Holtmeier. Entscheidend sei, dass junge Künstlerinnen und Künstler frühzeitig Netzwerke aufbauen und internationale Arbeitszusammenhänge kennenlernen. »Gerade im Grenzraum Oberrhein kann so eine nachhaltige grenzüberschreitende Kulturlandschaft entstehen.« Langfristig soll das Projekt dazu beitragen, junge Musikerinnen und Musiker in der Region zu halten und attraktive berufliche Perspektiven zu schaffen. Die enge Zusammenarbeit von Hochschulen, Festivals, Ensembles und Kulturinstitutionen stärkt den Oberrhein als Standort für zeitgenössische Musik und eröffnet jungen Kunstschaffenden neue Wege in den Beruf.

Begleitet wird die praktische Arbeit am Standort Freiburg durch das von der Deutsch-Französischen Hochschule geförderte Doktorandenkolleg »Collège Glarean«. Es bietet einen wissenschaftlichen Resonanzraum für Fragen des zeitgenössischen Musikschaffens. Promovierende diskutieren dort aktuelle Entwicklungen aus Forschung und Praxis und begegnen internationalen Expertinnen und Experten in Vorträgen und Workshops.

Die Laufzeit des Projekts erstreckt sich von 2025 bis 2028. Beteiligt sind die Haute école des arts du Rhin (HEAR) in Straßburg und Mulhouse, die Hochschule für Musik Freiburg sowie der sonic space der Hochschule für Musik Basel FHNW. Zu den Partnern zählen außerdem der Gare du Nord Basel, das Festival Météo in Mulhouse, das »ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe«, das Festival Musica in Straßburg sowie die Donaueschinger Musiktage.

Julia Jacob