Unterhaltung der Musen

Das Institut für Neue Musik bietet eine Vielzahl von Ereignissen und Aktivitäten, kleine und große, einmalige und regelmäßige – insgesamt eine veritable Unterhaltung der Musen. Alle Veranstaltungen sind für uns gleichermaßen wichtig und eine der schönsten Eigenschaften, die quasi den Subtext unserer Aktivitäten bildet, ist, dass alles in gemeinsamer Arbeit entsteht.

 

June - das kleine Festival des Insituts

»Warum gibt es neun Musen und nicht nur eine?«, fragte der französische Philosoph Jean Luc Nancy. Auf der Spur dieser schönen Frage bewegt sich JUNE, unser kleines Festival mit Klanginstallationen, Sound-Objects und Performances. Hier kommt es, wie Francois Couperin sagt, zu »Entretien des Muses«, einer Unterhaltung der Musen, bei der die verschiedenen Künste sich gegenseitig beleuchten und inspirieren. Entscheidende Fragen, die für alle Arten von Musik wichtig sind, stellen sich ganz direkt - was ist eine Aufführung, wie ist der Ort beschaffen, ist das ein Stück, wie fließt die Zeit, wie nehmen wir wahr? und vieles mehr. Dina Ahmadi Jooghi und Johanna Linde Neese haben für JUNE 2026 ganz in diesem Geist eine riesige Karte, die alle Aktivitäten von JUNE 2026 verzeichnet, genäht – auch das ist eine Begegnung der Musen und ein Kunstwerk für sich.

Ein Institut für Neue Musik muss sich naturgemäß auch immer wieder neu erfinden, zumindest Neues erproben, Dinge tun, die man noch nie oder zumindest so noch nie gemacht hat. Hier bewegen wir uns immer im Risiko des Unbekannten, das man genießen oder vor dem man sich fürchten kann. Wir genießen es. Es geht dabei nie um das absolut Neue - das wäre eine Chimäre -, sondern um Verwandlung, Neubetrachtung, ums Ausprobieren und Spielen.

Sound aus dem Weltall

Ein sehr besonderes Gespräch der Musen im Wintersemester 2025/26 war »Étoiles à Neutron« - ein multimediales, von unserer PhD-Studentin Elena Ralli exzellent entwickeltes und realisiertes Konzert rund um die Musik von Gérard Grisey, bei dem erstmals Griseys Musik zusammen mit einem Live-Pulsar, bereitgestellt durch ein holländisches Teleskop, aus dem Weltraum aufgeführt wurde - eine veritable Welturaufführung. Das Konzert fand international ein weites Echo, auch bis in die Nachrichten der ARD, und wir danken dem Ensemble Recherche und der Schlagzeugklasse von Håkon Stene für ihre wunderbare Mitwirkung.

Das Institut für Neue Musik realisierte im vergangenen Jahr über vierzig unterschiedliche Veranstaltungen, viele davon auf Initiative und in Selbstorganisation der Studierenden.

 

Partner im Netzwerk »Die Drei Ecken«

Seit diesem Jahr sind wir auch Partner im Dreiländer-Netzwerk „Die Drei Ecken“ in der Region Oberrhein, gefördert durch Interreg, einem Programm der Europäischen Union.

Das Programm ermöglichte uns Joey Tan, als neue Mitarbeiterin für die Organisation und Durchführung dieser Veranstaltungen zu engagieren. Ebenfalls werden wir durch Dagmar Danko in Zusammenarbeit mit dem Collège Glarean für das Projekt unterstützt. Im Rahmen von „Die Drei Ecken“ DDE realisieren wir vornehmlich „side by side“– Konzerte zusammen mit dem Ensemble Recherche, in denen neue Werke von Komponist:innen der drei Länder Deutschland-Frankreich-Schweiz und unter Mitwirkung unserer Master-Interpretation-Neue-Musik-Studierenden uraufgeführt werden können. Im Rahmen von DDE gibt es noch weitere Kooperationen, einwöchige „Stages“ für Studierende beim SWR Experimentalstudio sowie Kurse und Vorträge. Die vielfältigen Aktivtäten im Rahmen von DDE können hier entdeckt werden: 
https://www.interreg-oberrhein.eu/projet/die-3-ecken/
https://www.mh-freiburg.de/institut-fuer-neue-musik/veranstaltungen/interreg-dde
 

Konzerte, Exkursionen und Workshops

Das Institut für Neue Musik gestaltete im letzten Jahr ein vielfältiges Programm mit den »Particles« genannten Konzerten der Master-Interpretation-Neue-Musik- sowie der Kompositions-Studierenden. Es gab Gastseminare und Workshops mit Christina Anderson, Ingrid Schorscher und Rainer Nonnenmann, zwei Konzerte im Rahmen der Reihe art&schock zusammen mit dem Büro für Gleichstellung (ein Portrait der Komponistin Elena Rykova sowie »Chinese Kitchen«, konzipiert von Shiwei Liu und Xuan Yao), eine Exkursion an die Europäische Akademie Palazzo Ricci in Montepulciano und eine weitere Exkursion zum Festival next generation XI am ZKM in Karlsruhe. Wir erhielten durch das Erasmus-Programm einen Besuch unserer Freunde vom Conservatorio Benedetto Marcello in Venedig, die sowohl Gastseminare, als auch ein Konzert präsentierten, und wir konnten wieder ein zweitägiges Meeting mit der Kompositionsklasse der Hochschule für Musik Karlsruhe organisieren.
Es gab ein bezauberndes Gastkonzert des Kommas Ensemble aus Köln, bei dem ebenfalls neue Werke von Studierenden uraufgeführt wurden, und schließlich hat uns Leonie Reineke im Auftrag der ARD besucht und eine spannende Sendung über das Institut für Neue Musik erstellt. Hinzu kommen selbstverständlich regelmäßige Prüfungskonzerte mit zahlreichen Mitwirkenden.
Ein besonders vielfarbiges und obendrein rein studentisches Projekt war »six vox box«, bei dem – was ziemlich einmalig sein dürfte - sechs Komponist:innen als Sänger:innen auftraten und für ihren eigenen Auftritt Stücke für Vokalensemble komponierten. Dieses Konzert wurde durch das Kulturamt der Stadt Freiburg freundlich unterstützt.

Wir sind glücklich ein solch vielfältiges Programm auf die Beine stellen zu können und freuen uns, wenn sich unser Publikum zusammen mit uns überraschen lässt!
Und wir sind froh, wenn sich die Musen unterhalten (und gerne auch streiten) - wir brennen für das Unbekannte!

Johannes Schöllhorn