Die Hochschule für Musik Freiburg trauert um Prof. Klemens Schnorr
* 22. Mai 1949
† 29. Juli 2026
Klemens Schnorr, der von 1991 bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2014 als Professor für Orgel an der Hochschule für Musik Freiburg lehrte, ist am 29. Juli 2026 nach langer Krankheit im Alter von 77 Jahren verstorben. Lange prägte er die kirchenmusikalische Ausbildung unserer Hochschule. Zahlreiche Organistinnen und Organisten sowie Kirchenmusikerinnen und Kirchenmusiker gingen aus seiner Klasse hervor und übernahmen später exponierte Positionen an Hochschulen, Kirchen und anderen musikalischen Institutionen.
Mit Klemens Schnorr verliert die Hochschule für Musik Freiburg einen bedeutenden Musiker, der ihre Entwicklung über mehr als zwei Jahrzehnte mitgestaltet hat. In seinem Wirken verbanden sich künstlerische Praxis, wissenschaftliches Interesse, umfassende Kenntnis der Orgel und ihrer Geschichte sowie ein ausgeprägtes Verantwortungsbewusstsein für die Ausbildung seiner Studierenden.
Klemens Schnorr wurde am 22. Mai 1949 in Amorbach im Odenwald geboren. Die ehemalige Abteikirche seiner Heimatstadt mit ihrer bedeutenden historischen Stumm-Orgel wurde früh zu einem wichtigen Bezugspunkt seines musikalischen Lebens. Amorbach und der dortigen Orgel blieb er zeitlebens eng verbunden; von 1990 bis 2017 betreute er als Konzertberater die Amorbacher Abteikonzerte.
Klemens Schnorr studierte an der Hochschule für Musik und Theater München Kirchenmusik und Orgel bei Franz Lehrndorfer, parallel dazu Musikwissenschaft, Latein und Italienisch an der Ludwig-Maximilians-Universität. Sein musikwissenschaftliches Studium schloss er bei Rudolf Bockholdt mit dem Magister Artium ab.
In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren wurde Klemens Schnorr bei bedeutenden internationalen Orgelwettbewerben ausgezeichnet. Unter anderem gewann er 1975 den ersten Preis beim Internationalen Orgelwettbewerb »Premio Giuseppe Capi« in Bologna sowie den zweiten Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München. 1986 wurde er mit dem Förderpreis des Freistaats Bayern ausgezeichnet; 2014 erhielt er den französischen Schallplattenpreis »Léon d’Or«.
Er entwickelte dann eine intensive Konzerttätigkeit, die ihn an bedeutende historische und moderne Orgeln in Europa und darüber hinaus führte. Sein besonderes Interesse galt historischen Instrumenten, ihrer Bauweise und ihren klanglichen Möglichkeiten. Für Klemens Schnorr waren die Entstehungszeit der Orgel, ihre Disposition und der Raum, in dem sie erklang, wesentliche Voraussetzungen einer Interpretation.
Vor seinem Ruf nach Freiburg war Klemens Schnorr als Kirchenmusiker an St. Karl Borromäus in München-Fürstenried, als Dozent am Hermann-Zilcher-Konservatorium in Würzburg und an der Hochschule für Musik München sowie als Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität tätig. Darüber hinaus arbeitete er als Orgelsachverständiger beim Kirchenmusikamt der Erzdiözese München und Freising.
An der Hochschule für Musik Freiburg war er ein engagierter Lehrer, aber auch lange Jahre Sprecher der Fachgruppe Kirchenmusik und Leiter der zuständigen Studienkommission. Neben seiner Tätigkeit in Freiburg war er von 2002 bis 2003 als Gründungsrektor der neu errichteten Hochschule für Katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik Regensburg tätig und begleitete deren Aufbau in der Gründungsphase.
Von 1998 bis 2012 bekleidete Klemens Schnorr das Amt des Domorganisten am Freiburger Münster. Dort setzte er sich mit großer Sachkenntnis für die Erhaltung und Weiterentwicklung der Orgellandschaft des Münsters ein. Auf seine Initiative ging insbesondere der Neubau der 2008 eingeweihten Michaelsorgel zurück.
Als Hochschullehrer legte Klemens Schnorr großen Wert auf die Verbindung von Interpretation, Quellenstudium und Instrumentenkunde. Seine Studierenden sollten lernen, Notentexte, Editionen und aufführungspraktische Gewohnheiten kritisch zu prüfen und ihre interpretatorischen Entscheidungen aus der Werkgeschichte, einer präzisen Stilkenntnis und einer profunden Vertrautheit mit den Möglichkeiten des Instruments herauszuentwickeln. Viele seiner Freiburger Studierenden haben später als Konzertorganisten, Kirchenmusiker und Hochschullehrer selbst prägend gewirkt.
Klemens Schnorr war zugleich ein produktiver Musikwissenschaftler, Autor und Herausgeber, der sich intensiv mit Fragen der Orgelinterpretation, der historischen Aufführungspraxis, des Orgelbaus und der musikalischen Überlieferung auseinandergesetzt hat. Anlässlich seines 70. Geburtstags erschien unter dem Titel »Kleine große Orgelwelt« eine von Silke Berdux herausgegebene Auswahl seiner wissenschaftlichen Texte.
Kennzeichnend für seine Arbeit war die Fähigkeit, vom kleinsten Detail zu grundsätzlichen Fragen vorzudringen. Seine wissenschaftlichen Interessen blieben dabei aber stets auf die musikalische Praxis bezogen. Klemens Schnorr verkörperte eine Form des Musikertums, in der künstlerische Praxis, musikwissenschaftliche Forschung, Instrumentenkunde, liturgischer Dienst und pädagogische Verantwortung eng miteinander verbunden waren. Er verfügte über ein außerordentlich breites Wissen, ein genaues Gedächtnis für Werke und Instrumente und einen wachen, kritischen Geist; an sich selbst wie an andere stellte er hohe Ansprüche.
Klemens Schnorr hat die Orgelausbildung und die Kirchenmusik an unserem Haus über viele Jahre entscheidend geprägt. Wir danken ihm für all das, was er für unsere Hochschule geleistet und bewirkt hat. Die Hochschule für Musik Freiburg wird Klemens Schnorr ein ehrendes Andenken bewahren.
Prof. Dr. Ludwig Holtmeier
Rektor der Hochschule für Musik Freiburg