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MOkuB-Tagung "Land - Musik - Verein" (11.-13.11.2022)

Hybridveranstaltung vom 11.-13.11.2022

Vom 11.-13. November 2022 findet an der Freiburger Musikhochschule der Kongress “Land – Musik – Verein. Musikvereine in Praxis und Wissenschaft” statt. Die Teilnahme ist kostenlos - Anmeldung bitte via Conftool. In Vorträgen, Workshops und Diskussionsforen wird bei dieser als Hybridveranstaltung geplanten Tagung die Frage im Raum stehen, was Musikvereine tun müssen, um ihre zentrale Rolle als Orte kultureller Bildung in ländlichen Räumen weiterhin ausüben bzw. auch ausbauen können.

Dabei sollen folgende thematischen Schwerpunkte im Zentrum stehen:

  • Aus- und Weiterbildung: Welche Strukturen und Inhalte müssen gestärkt bzw. verändert werden?
  • Professionalisierung: In Bezug auf welche Aspekte können/müssen sich Musikvereine professionalisieren? In welchen Bereichen kann eine verstärkte Professionalisierung vielleicht auch zu Problemen führen?
  • Kooperationen: Inwieweit können Kooperationen mit anderen Akteur:innen (z.B. allgemeinbildende Schulen, Musikschulen und Musikhochschulen) die Arbeit der Musikvereine befruchten? Welche Hürden müssten dabei möglicherweise überwunden werden?
  • Teilhabe: Wie können Musikvereine zukünftig musikalische Bildung für alle ermöglichen?
  • Digitaler Wandel: Inwieweit hat die Digitalisierung zu Veränderungen in der Arbeit der Musikvereinen geführt? Welche Chancen, aber auch Probleme sind zu erkennen?

Diese – und möglicherweise auch noch weitere – Aspekte sollen sowohl unter den Musikvereins-Akteur:innen als auch im Austausch mit Forscher:innen diskutiert und vertieft werden. Thematisch knüpft die Tagung an den Kongress “Gemeinsam neu starten”  des Forschungsprojektes “Musikvereine als Orte kultureller Bildung” (MOkuB) an, auf dem die vielfältigen Herausforderungen, die die Corona-Pandemie an die Musikvereine stellte, thematisiert wurden. Auch in diesem Jahr laden wir Interessent:innen aus Praxis und Wissenschaft ein, sich an der Gestaltung des Programms zu beteiligen. Um eine möglichst große Vielfalt von Perspektiven und Impulsen abbilden zu können, sind unterschiedliche Formate geplant:

  • Wissenschaftliche Vorträge (15 Minuten + 15 Minuten Diskussion)
  • Berichte aus der Praxis (15 Minuten + 15 Minuten Diskussion)
  • Workshops (60/90 Minuten)
  • Kurzbeiträge (5-10 Minuten), z.B. zu Best-Practice-Beispielen

Hierzu bitten wir um die Einsendung einer kurzen Beschreibung (Abstract), aus der die Zielsetzung des geplanten Beitrags hervorgeht. Diese Kurzbeschreibungen sollten sich an folgenden Richtlinien orientieren:

  • Wissenschaftliche Vorträge und Praxisberichte: ca. 1500-2500 Zeichen
  • Workshops: ca. 1500-2500 Zeichen sowie Angaben zu den benötigten Räumlichkeiten
  • Kurzbeiträge: ca. 500 Zeichen

Allen Einreichungen sollte eine Kurzvita der Referent:innen hinzugefügt werden. Wir bitten um die Einreichung bis zum 31.8.2022 über Conftool: https://www.conftool.net/mokub2022. Bei Fragen und Anmerkungen wenden Sie sich bitte unter der Mailadresse mokub(at)mh-freiburg.de an uns.

Das Planungsteam

Verena Bons, Johanna Borchert, Prof. Dr. Thade Buchborn, Prof. Dr. Wolfgang Lessing & Eva-Maria Tralle

 

 

 

 

MOKuB - Musikvereine als Orte Kultureller Bildung

Informationen zum Forschungsprojekt

Das an der Hochschule für Musik Freiburg angesiedelte Projekt »MokuB – Musikvereine als Orte Kultureller Bildung« wird im Rahmen des Förderprogramms »Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen« vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 442.000 € für drei Jahre gefördert.

In (sehr) peripheren ländlichen Räumen sind Musikvereine zentrale Orte kultureller Bildung. Sie fördern die produktive Auseinandersetzung mit Musik, initiieren emotionale, gestalterische und soziale Bildungsprozesse und eröffnen allen Einwohnern der Region Möglichkeiten der Rezeption von Musik. Sie prägen auf diese Weise die kulturelle Identität von Gemeinden und fungieren als wichtige Träger kultureller Bildung. Die Studie fragt daher nach den handlungsleitenden Orientierungen der Akteurinnen und Akteure in Musikvereinen, sowie nach den Konsequenzen, die sich für das kulturelle Selbstverständnis der Vereine aufgrund der aktuellen Wandlungsprozesse im (sehr) peripheren ländlichen Raum ergeben und untersucht insbesondere die Rolle von Schnittstellen zu anderen Bildungseinrichtungen. Zum einen soll der Einfluss von Kooperationen mit allgemeinbildenden Schulen und zum anderen das Passungsverhältnis von Musikverein und Hochschulstudium näher untersucht werden. Akteurinnen und Akteure aus dem Feld werden im Sinne einer community of research aktiv in den Forschungsprozess eingebunden. An der Schnittstelle zwischen Schul- und Instrumentalpädagogik positioniert beantwortet das Vorhaben die Frage, welche Rolle Musikvereine als zentrale Träger kultureller Bildung in ländlichen Räumen spielen (können).

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

Prof. Dr. Thade Buchborn
t.buchborn(at)mh-freiburg.de
Leitung des Projekts

Prof. Dr. Wolfgang Lessing
lessing(at)mh-freiburg.de
Leitung des Projekts

Verena Bons
v.bons(at)mh-freiburg.de
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Johanna Borchert
j.borchert(at)mh-freiburg.de
Wissenschaftliche Mitarbeiterin

Zum Förderprogramm

Während Kulturelle Bildung in den letzten Jahren in strukturstarken Regionen und Städten einen qualitativen und quantitativen Aufschwung erfuhr, wird das Thema in vielen ländlichen und peripheren Räumen oft vernachlässigt. Diese Vernachlässigung zeigt sich ebenfalls in wissenschaftlichen Studien. So wurden beispielsweise Angebote Kultureller Bildung in ländlichen Räumen bislang selten empirisch untersucht. Als Reaktion auf dieses Forschungsdesiderat fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung im Kontext des Rahmenprogramms empirische Bildungsforschung seit Dezember 2019 insgesamt 21 Forschungsprojekte mit 12,1 Millionen Euro.

[Quelle: Nina Kolleck , Martin Büdel (2020): Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen: Vorstellung der Forschungsvorhaben der BMBF-Förderrichtlinie. In: KULTURELLE BILDUNG ONLINE: www.kubi-online.de/artikel/kulturelle-bildung-laendlichen-raeumen-vorstellung-forschungsvorhaben-bmbf (letzter Zugriff am 05.07.2021).]

Weiterführende Links

Informationen zum Projekt auf der Seite des BMBF (https://www.empirische-bildungsforschung-bmbf.de/de/3129.php)

Förderprogramm Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen (https://www.empirische-bildungsforschung-bmbf.de/de/2976.php)

Informationen zum Metavorhaben:

https://www.uni-leipzig.de/startseite-metaklub/

 

 

„Gemeinsam neu starten – Perspektiven für Musikvereine nach der Pandemie!?“ Eine Tagung des Forschungsprojekts MOkuB entwickelt Impulse für die Amateurmusik

Erstens kam es anders und zweitens als man dachte…

Als Thade Buchborn und Wolfgang Lessing Ende 2019 den Projektantrag „Musikvereine als Orte kultureller Bildung“ (MOkuB) für die Förderlinie des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) „Kulturelle Bildung in ländlichen Räumen“ konzipierten, planten sie für 2021 eine mehrtägige Präsenzveranstaltung, bei der zahlreiche  AkteurInnen der regionalen und überregionalen Musikvereinsszene in den Räumen der Freiburger Musikhochschule zusammenkommen sollten, um sich, begleitet von viel Musik und unter dem aufmerksamen Blick der einschlägigen Verbände, über gemeinsame Ziele und Probleme auszutauschen. Ein besonderer Fokus sollte auf der Frage liegen, welche Rolle den Musikhochschulen bei der Weiterentwicklung der Musikvereinsszene zukommen könnte; war es doch (und ist es noch immer) auffallend, dass die deutschen Musikhochschulen zwar einerseits regelmäßig von fähigen NachwuchsbläserInnen profitieren, die ihre entscheidende musikalische Sozialisation im Musikverein erhalten haben, andererseits aber bislang – im Unterschied etwa zur Situation in Ländern wie Österreich, den Niederlanden oder Spanien – wenig Initiative zeigen, aktiv jene besonderen Kompetenzen in ihren Curricula zu fördern, derer die Leitung von Musikvereinen zweifelsohne bedarf.

 

So war es geplant. Doch dann kam, wie überall, Corona.

 

Schnell zeigte sich, dass die Pandemie nicht nur die unmittelbare Forschungspraxis von MOkuB beeinflusste (Gruppendiskussionen mit AkteurInnen mussten abgesagt werden, ein Live-Kontakt mit der Alltagspraxis der Musikvereine erwies sich als schwierig bis unmöglich), sondern auch neue Forschungsfragen aufwarf. War es im Forschungsantrag noch allgemein um die Frage gegangen, wie ländliche Musikvereine mit geänderten demografischen Rahmenbedingungen, zunehmender Digitalisierung und der Forderung nach Teilhabegerechtigkeit umgehen, so zeigte sich nun, dass die Frage, ob sich die AkteurInnen angesichts der Pandemie als handlungsfähig und zukunftsorientiert oder hingegen als hilfos und rückwärtsgewandt erleben, eine Mächtigkeit gewann, die es notwendig machte, den Umgang der Musikvereine mit Covid 19 zu einer eigenständigen Forschungsfrage zu erheben. So kam es, dass sich vor die ursprüngliche Absicht, mit der geplanten Tagung zur Vernetzung der AkteurInnen und Institutionen beizutragen, die Frage schob, ob und wie den Musikvereinen ein Neustart nach der Pandemie gelingen kann. Unter dem Titel „Gemeinsam neu starten – Perspektiven für Musikvereine nach der Pandemie!?“ konzipierten die beiden Projektleiter und vor allem die beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Verena Bons und Johanna Borchert eine Online-Tagung, bei der sich über 70 angemeldete TeilnehmerInnen vom 11.-14.11.2021 drei Tage lang intensiv über ihre gegenwärtigen Erfahrungen austauschen konnten. Dieser Austausch wurde zum einen durch MitarbeiterInnen des Kompetenznetzwerks „Neustart Amateurmusik“ des Bundesmusikverbands Chor & Orchester (BMCO) begleitet, die in mehreren Workshops Impulse für neue Konzertformate, digitales Proben und innovative Strategien zur Mitgliedergewinnung setzten.

 

Diese konkreten und alltagsnahen Fragestellungen wurden begleitet von wissenschaftlichen Inputs, die sich z.B. mit Motivationsstrukturen in Musikvereinen oder mit der Frage nach den impliziten handlungsleitenden Wissensbeständen der AkteurInnen beschäftigten und unabhängig voneinander die Tatsache beleuchteten, dass die Aspekte der Gemeinschaft und der Geselligkeit in den Musikvereinen als ernst zu nehmenden Faktoren neben die „eigentliche“ musikalische Arbeit treten. Dass gerade diese Aspekte durch die Pandemie zurückgedrängt werden, stellt, darüber waren sich alle TeilnehmerInnen einig, den Neustart der Musikvereine vor besondere Probleme, wenngleich es eine Reihe ermutigender Praxisbeispiele gab, die zeigten, dass ein aktiver und kreativer Umgang mit den Herausforderungen während der Pandemie bei einigen Musikvereinen zu Lösungen und Innovationen geführt hat, die vielleicht auch ohne die Pandemie irgendwann einmal fällig geworden wären. Hier erscheint Corona vor allem beschleunigend gewirkt zu haben. Die Frage, von welchen handlungsleitenden Faktoren dieser Mut zur Innovation abhängig ist bzw. welche Faktoren ihn behindern, ist – so viel ließ sich im Anschluss resümieren – bislang noch offen. Ihre Beantwortung dürfte ohne eine noch tiefere Innensicht in die Handlungspraxis der AkteurInnen kaum zu bewerkstelligen sein.

 

Auch die musikalische Umrahmung der Tagung war auf innovative Ideen angewiesen: Mit einem „Wohnzimmerkonzert“ des Duos „Tantenorhorn“ und einem Online-Konzert, das die „Stadtkapelle Lahr“ zusammen mit dem Freiburger „Ensemble Aventure“ unter der Leitung von Nicholas Reed im Wolfgang-Hoffmann-Saal präsentierte, waren zwei Konzertformate zu erleben, die es ohne Corona wohl nicht gegeben hätte und die – wer weiß? – die Pandemie vielleicht überdauern werden.

 

Wolfgang Lessing

 

 

 

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