Mehrstimmig promovieren
Drei binationale Graduiertenschulen prägen das Promotionsangebot der Hochschule für Musik Freiburg: das Collège Glarean mit Straßburg, gefördert von der Deutsch-Französischen Hochschule, die Graduiertenschule Freiburg–Bern und die Graduiertenschule Freiburg–Luzern. Alle Promovierenden sind von Haus aus Musikerinnen und Musiker und betreiben musikbezogene, wissenschaftlich-künstlerische Forschung. Im vergangenen akademischen Jahr 2025-2026 ist es gelungen, den Austausch zwischen den verschiedenen Partnerhochschulen so weit zu intensivieren, dass wir an der Hochschule für Musik Freiburg nun vom »Glareanus Network« sprechen.
In diesem Netzwerk, das sich über ein weit gefasstes Gebiet des Dreiländerecks erstreckt, kooperiert die Hochschule für Musik Freiburg mit den Hochschulen in Frankreich und der Schweiz in vielen verschiedenen Projekten in Forschung, Lehre und Kunst. Die Graduiertenschulen sind dabei zwar nur eine, dafür eine besonders wichtige und weit gediehene Kooperationsform. Seit den Anfängen im Jahr 2020 und den ersten sechs Promovierenden im akademischen Jahr 2020-2021 sind es zum Start in das akademische Jahr 2026-2027 schon 52 Promovierende (32 mit Straßburg, 12 mit Bern, 8 mit Luzern). Darüber hinaus sind insgesamt sieben Promotionsverfahren abgeschlossen. Drei davon wurden im letzten Jahresbericht vorgestellt. Wir freuen uns über die folgenden, weiteren PhD-Abschlüsse:
Im November 2025 konnte der chilenische Komponist Matías Fernández Rosales an der Université de Strasbourg erfolgreich seine Dissertation »Transfert des modèles formels pour la composition musicale instrumentale, électronique et mécanique: canons rythmiques mosaïques, rythmicon et mouvement brownien« verteidigen. Das Abschlusskonzert wurde bereits im Juni 2023 vom Ensemble HANATSUmiroir in Straßburg aufgeführt. Wissenschaftliche Ko-Betreuer waren Prof. Dr. Xavier Hascher (Musikwissenschaft, Unistra) und Dr. Moreno Andreatta (Computer-gestützte Musikwissenschaft, CNRS und Unistra). Künstlerischer Betreuer war der Komponist Daniel D’Adamo (HEAR Strasbourg). Aus Freiburg war Vasiliki Kourti-Papamoustou (Institut für Neue Musik) in der künstlerischen Promotionskommission vertreten.
Im Juni 2026 fand im Rahmen des Festivals JUNE des Instituts für Neue Musik das PhD-Abschlusskonzert »S_4_S (Song for Silence)« von Lorenz Rommelspacher statt, das das Publikum im Foyer vor dem Kammermusiksaal erleben konnte. Die künstlerisch-wissenschaftliche Dissertation und Disputation »Performing Space – Shaping Experience: Multimediale Strategien, Publikumserfahrungen und neue Zugänge in der experimentellen elektronischen Musik« wurde wissenschaftlich von Prof. Dr. Dr. Michael Fischer (Musikwissenschaft, ZPKM) betreut, der künstlerische Teil von Prof. Johannes Schöllhorn (Institut für Neue Musik). Aus Frankreich war der Komponist Tom Mays (HEAR Strasbourg) in der künstlerischen Promotionskommission vertreten.
Ebenfalls im Juni 2026 gab der Klarinettist Yannick Trares sein Abschlusskonzert und verteidigte direkt im Anschluss seine Dissertation zum Thema »Physiologische Untersuchungen zu Atemstrategien beim Klarinettenspiel«. Wissenschaftliche Betreuerin war Prof. Dr. Dr. Claudia Spahn (Freiburger Institut für Musikermedizin), künstlerischer Betreuer der Klarinettist Prof. Kilian Herold der Hochschule für Musik Freiburg. Aus Frankreich war der Saxophonist Philippe Geiss (HEAR Strasbourg) in der künstlerischen Promotionskommission vertreten.
Während diese drei Absolventen am Collège Glarean promoviert haben, absolvierte der argentinische Gitarrist Julio Azcano sein Doktorat an der Graduiertenschule Freiburg–Luzern und ist nun ihr erster Absolvent. Im Juli 2026 bestritt er nach seinem Abschlusskonzert »›Flores Negras‹ – Blühende Improvisationen auf der Konzertgitarre« sehr erfolgreich seine Disputation »Strings Attached – Die Vorbereitung improvisierter Soloperformances auf der Konzertgitarre«. Wissenschaftlicher Betreuer war Prof. Dr. Antonio Baldassarre (Musikwissenschaft, Hochschule Luzern – Musik), künstlerischer Betreuer der Gitarrist Prof. Michael Hampel von der Hochschule für Musik Freiburg.
Im Oktober-November 2026 machen fünf weitere Promovierende ihren PhD-Abschluss (vier vom Collège Glarean und einer von der Graduiertenschule Freiburg–Luzern), worüber wir dann wieder hier im Hochschulmagazin berichten werden. An dieser Stelle herzlichen Glückwunsch an alle Absolventinnen und Absolventen! Sie ermöglichen mit ihren Abschlüssen auch die Aufnahme neuer Kohorten und nach aufwändigen Auswahlverfahren im Frühling 2026 starten im akademischen Jahr 2026-2027 fünf neue Promovierende am Collège Glarean und zwei an der Graduiertenschule Freiburg–Bern.
Doktorandenseminare zu »Artistic Research in Music«
Um erfolgreich zum PhD-Titel zu gelangen, muss man natürlich zunächst Forschungsarbeit betreiben und das heißt in den Graduiertenschulen: Seminare und Workshops besuchen, immer wieder das Promotionsprojekt präsentieren und zur Diskussion stellen und mit Gleichgesinnten in Austausch treten. An der Hochschule für Musik Freiburg wird das durch die Doktorandenseminare ermöglicht, die inzwischen drei Mal pro Jahr stattfinden. Die Teilnahme steht allen Promovierenden mit Schwerpunkt auf Künstlerische Forschung offen. Jedes akademische Jahr startet im November mit den sogenannten Study Days in der Schweiz, geht im Januar beim Doktorandenseminar des Collège Glarean in Straßburg weiter und findet im bislang stets sommerlichen Juni in Freiburg beim zweiten Doktorandenseminar des Collège Glarean seinen Abschluss.
Die Study Days »Artistic Research in Music« fanden am 12. und 13. November 2025 erstmals an der Hochschule der Künste Bern statt. In den Panels zu Komposition, Improvisation, Interpretation und Musiktheorie waren viele Lehrende der Hochschule für Musik Freiburg vertreten und diskutierten mit den Schweizer Kolleginnen und Kollegen über die verschiedenen Aspekte von und Zugänge zu Künstlerischer Forschung. Am 14. und 15. Januar und am 18. und 19. Juni 2026 fanden die beiden Doktorandenseminare des Collège Glarean in Straßburg und in Freiburg statt. Insgesamt stellten sechs Promovierende den Stand ihrer Promotionsvorhaben vor (in der Reihenfolge ihrer Präsentationen: Mercedes Bravo, Vincent Haïssaguerre, Julio Azcano, Yixin Song, Daniel Galindo und Elisa Rumici). Die beiden Abendkonzerte wurden insgesamt von acht Promovierenden gestaltet. In Straßburg fand es erstmals im Musée d’art moderne et contemporain de Strasbourg statt, eine schöne neue Kulturpartnerschaft, die nach Möglichkeit fortgesetzt werden soll.
Bei jedem Doktorandenseminar werden den Promovierenden Gastvorträge und Workshops geboten. Gastreferentinnen und Gastreferenten in Straßburg waren Dr. Moreno Andreatta (CNRS und Unistra), der seine Projekte in Computer-gestützter Musikwissenschaft im Vortrag »The Role of Mathematical Formalization and Computer-aided Modelling in Computational Musicology« vorstellte. Dr. Mine Doğantan-Dack (University of Cambridge) setzte sich als Musikwissenschaftlerin und Pianistin mit dem Thema »Embodiment, Affect, Meaning: Knowing Music as a Performer« auseinander. In Freiburg war Dr. Jonathan Impett vom Orpheus Institute (Gent) zu Gast und sprach als Musikwissenschaftler, Trompeter und Komponist ebenfalls über die Praxis der künstlerischen Forschung im Vortrag »Generative Acts: The Researching Musician in the Spurious Present«.
Bei den Workshops gibt es das Bestreben, diese immer zweimal durchführen zu lassen, damit die Promovierenden bei den Seminaren einerseits zwischen zwei Workshops wählen können, andererseits die Möglichkeit haben, in einem Jahr alle Angebote wahrzunehmen. 2026 war Prof. Dr. Ellen Fallowfield der Hochschule der Künste Bern zweimal Leiterin des Workshops »The Practice-Research-Practice Feedback Loop«. Dr. Nathalie Hérold von der Sorbonne Université führte zum zweiten Mal durch den Workshop »Music Analysis«, während Prof. Dr. Kilian Sprau der Universität der Künste Berlin zum ersten Mal den Workshop »›the music as you hear it‹ – Musical Performance as an Object of Analysis: Methodology – Examples – Practical Exercises« anbieten konnte. Die Bandbreite der Workshops erlaubt es somit allen Promovierenden, Anschluss an wissenschaftliche, künstlerische und musikpraktische Diskurse zu finden, die für die je eigene Arbeit von Interesse sind.
All diese Programmpunkte sind bei den Doktorandenseminaren von großer Bedeutung – nicht minder wichtig sind jedoch die Momente des lockeren Austauschs beim Kaffee oder bei den gemeinsamen Abendessen, in deren Verlauf sich nicht selten neue inhaltliche Anknüpfungspunkte oder Ideen für gemeinsame, künstlerische Projekte ergeben. Auch die gegenseitige Unterstützung beim Forschen und Schreiben erwächst aus diesen Treffen, die für alle Beteiligten einen Jahreshöhepunkt darstellen.
Konzerte in Frankreich
Während die Doktorandenseminare von Anfang an in die »DNA« der Graduiertenschulen eingeschrieben sind, sind die Kulturpartnerschaften, die es den Promovierenden ermöglichen, Konzertprojekte zu realisieren, nun auch schon im dritten Jahr in Folge optionaler Teil des Promotionsprogramms.
Dank der Förderung der Deutsch-Französischen Hochschule für die sogenannte DFH-Professur von Prof. Robert Bauer (Musiktheorie/Écriture), der am Collège Glarean promoviert, konnte am 30. November 2025 ein Konzert in der Maison Heinrich Heine in Paris organisiert werden. Die Maison Heinrich Heine ist das »deutsche« Haus auf dem Campus der Cité Internationale Universitaire de Paris, in der deutsche und internationale Studierende residieren und ein vielfältiges Kulturprogramm geboten wird. Sowohl Robert Bauer, als auch die Koordinatorin der Graduiertenschulen, Dr. Dagmar Danko, haben seinerzeit ein Jahr lang in der »Maison Heine« gewohnt und waren umso glücklicher, dort das Konzert »Hommage à Pierre Boulez« veranstalten zu können, an dem neun Promovierende des Collège Glarean und weitere Musiker mitwirkten. Unterstützt wurde das Konzertprojekt zum 100. Geburtstag von Pierre Boulez durch den Nachlass Pierre Boulez und die Paul Sacher Stiftung Basel. Besonderer Dank gilt der Direktorin der Maison Heine, Dr. Franziska Humphreys, und ihrer Kulturreferentin, Sara Claudel, die uns und die Promovierenden mit offenen Armen empfangen haben und sich – als echte Pariserinnen – auch nicht von ausfallenden Métros und buchstäblich in letzter Minute herbeirennenden Pianisten aus der Ruhe bringen ließen! Wir freuen uns sehr auf die zweite Auflage im November 2026.
Die Kulturpartnerschaft mit dem Festival aux Chandelles und seiner künstlerischen Direktorin Hélène Papadopoulos, von der wir schon im letzten Bericht schreiben konnten, konnte weitergeführt werden. An drei Abenden vom 7. bis zum 9. Mai 2026 fanden Konzerte von Promovierenden des Collège Glarean statt, die im Elsass erneut sehr gut vom dortigen Publikum angenommen wurden: Mercedes Bravo mit »Sacré«, Ema Katrovas und Amélie Lejosne mit »Lignes de faille« und Carlos Cordeiro mit »Sonic Identities«, einem Programm mit Kompositionen der Collège Glarean-Promovierenden Meike Senker und Nan Zhang. Es freut uns sehr, dass unsere Promovierenden den Neustart des bereits 1962 gegründeten Festivals im Jahr 2024 von Anfang an mitgestalten und durch ihre Auftritte mitprägen. Auch im nächsten Jahr werden diese Konzerte sicher wieder sehr besonders und in Sainte-Marie-aux-Mines in Erinnerung bleiben!
Koordination und Governance
Der laufende »Betrieb« der Graduiertenschulen mit ihrem hier beschriebenen, wissenschaftlichen und künstlerischen Programm, ist kein Selbstläufer. Jede Graduiertenschule wird von einer Direktion bzw. einem Leitungsgremium geleitet, das sich immer aus Vertreterinnen und Vertretern der Hochschulen beider Länder und unter Berücksichtigung der wissenschaftlichen und künstlerischen Fächer zusammensetzt. Diese Gremien kommen jeweils mindestens einmal im Jahr zusammen – zusätzlich zu den Treffen und Arbeitsgesprächen bei den derzeit drei Doktorandenseminaren pro Jahr. Die Graduiertenschulen werden darüber hinaus über zusätzliche Koordinationsstellen gesichert, die in ständigen, grenzüberschreitenden Abstimmungsprozessen dafür Sorge tragen, dass die hochschulübergreifende Zusammenarbeit funktioniert und den Promovierenden ein gut organisiertes, bereicherndes und gemeinschaftsstiftendes Doktorat ermöglicht wird.
An der Hochschule für Musik Freiburg waren hierfür seit 2022 zwei Personen verantwortlich: Dr. Dagmar Danko für das Collège Glarean und Dr. Lena Geimer-Breitenstein für die Schweizer Graduiertenschulen. Seit dem Sommersemester 2026 wird die Koordination aller binationalen Graduiertenschulen im Bereich der »Artistic Research in Music« bei Dagmar Danko gebündelt, die auch über die Graduiertenschulen hinaus trinationale Kooperationsprojekte im Dreiländereck mit verantwortet. Lena Geimer-Breitenstein gebührt großer Dank für die Einrichtung und »Erstbetreuung« der Graduiertenschulen mit Bern und Luzern. Ebensolcher Dank gilt Daniella Gerszt, der bisherigen Studienkoordinatorin Artistic Research an der Hochschule Luzern – Musik, die nun nach Zürich wechselt.
Eine wichtige Personalie gibt es auch für die Direktion des Collège Glarean zu vermelden. Prof. Dr. Mathieu Schneider von der Université de Strasbourg, der zusammen mit dem Rektor der Hochschule für Musik Freiburg, Prof. Dr. Ludwig Holtmeier, das Collège Glarean ins Leben gerufen hat, hat Straßburg zu Beginn des akademischen Jahres 2025-2026 verlassen. Er ist seitdem Direktor der Ecole Nationale Supérieure Louis-Lumière in Paris. Mathieu Schneider hat die Gründungsjahre mit viel Energie und Begeisterung mitgeprägt und mit den ersten Direktionsmitgliedern strategische Weichen gestellt, die heute den Erfolg des Collège Glarean begründen. Es spricht für die Stabilität der Struktur und Governance des Collège Glarean, dass an der Université de Strasbourg in kurzer Zeit eine würdige Nachfolge gefunden werden konnte. Seit dem akademischen Jahr 2025-2026 ist Prof. Dr. Alessandro Arbo Mitglied der Direktion. Er ist auf Musikästhetik spezialisiert und betreute schon zuvor Promovierende im Collège Glarean. Wir freuen uns, dass mit ihm eine ebenfalls sehr engagierte und interkulturell versierte Person im Leitungsgremium vertreten ist, dem neben Ludwig Holtmeier weiterhin Alexandre Jung angehört, der die künstlerische Partnerhochschule HEAR Strasbourg vertritt und dort als Direktor der Académie supérieure de Musique und des Conservatoire de Strasbourg agiert.
Ausblick
Im akademischen Jahr 2026-2027 erwarten uns, wie angedeutet, weitere PhD-Abschlüsse, die nächsten Seminare und tolle Konzerte. Darüber hinaus wird die Hochschule für Musik darauf hinwirken, das »Glareanus Network« weiter auszubauen. Der Forschungsschwerpunkt Artistic Research in Music mag an der Hochschule für Musik Freiburg groß und wichtig sein – erfolgreich und nachhaltig wird das Promotionsangebot für Musikerinnen und Musiker jedoch, wie immer, erst im Verbund mit interessanten, starken Partnern. Im Dreiländereck genießen wir den Vorteil der unmittelbaren Nachbarschaft zu Frankreich und zur Schweiz und können auf diesem Gebiet direkt international kooperieren und Maßstäbe setzen. Dieses grenzüberschreitende Netzwerk weiterzuknüpfen, vor allem in Zeiten, in denen internationale Kooperationen weniger selbstverständlich werden, bleibt eine zentrale Aufgabe, der wir uns gerne stellen.
Dr. Dagmar Danko, Koordinatorin der binationalen Graduiertenschulen für Künstlerische Forschung












