Collège Glarean: Akademisches Jahr 2024/2025
Ziel erreicht: Erste PhDs im Collège Glarean
Im Dezember 2024 gab Hongye Liu (Straßburg) ihre künstlerische Abschlussdarbietung mit Stücken von Franz Liszt und Ludwig van Beethoven und verteidigte tags darauf ihre Dissertation »Interpréter les symphonies de Beethoven dans les transcriptions de Franz Liszt«. Ihre künstlerische Betreuerin war Prof. Amy Lin (Klavier, HEAR), ihr wissenschaftlicher Betreuer Prof. Dr. Mathieu Schneider (Musikwissenschaft, Unistra). Aus Freiburg war Prof. Dr. Hans Aerts (Musiktheorie und Gehörbildung) in der Promotionskommission vertreten. Hongye Liu war damit die erste Absolventin des Collège Glarean überhaupt.
Im Mai 2025 folgte mit Laurens Patzlaff der erste Absolvent an der Hochschule für Musik Freiburg. Laurens Patzlaff hat sein künstlerisches Abschlusskonzert »Improvisierte Opernparaphrasen« schon im Februar 2024 gegeben, welches aufgezeichnet und nun direkt vor der Disputation vor der Promotionskommission abgespielt wurde. Er verteidigte seine Dissertation »Opernparaphrasen mit identischen Themen von Franz Liszt und Sigismund Thalberg und ihre Bedeutung für die Klavierimprovisation im 19. Jahrhundert« unter anderem vor seinem künstlerischen Betreuer Prof. Helmut Lörscher (Improvisation / Angewandtes Klavierspiel) und seinem wissenschaftlichen Betreuer Prof. Dr. Ludwig Holtmeier (Musiktheorie). Aus Straßburg war Prof. Dr. Mathieu Schneider (Musikwissenschaft) in der Promotionskommission vertreten.
Im Juni 2025 konnte schließlich Sérgio Rodrigo Ribeiro Lacerda (Straßburg) seinen Abschluss machen. Auch in seinem Fall hat das Abschlusskonzert »Mosaïque sonique: Trois voyages dans l’expérimentation musicale«, ein Gemeinschaftsprojekt mit zwei weiteren Glarean-Doktoranden aus Straßburg, bereits zuvor stattgefunden und wurde vor der Promotionskommission noch einmal abgespielt. Im Anschluss verteidigte Sérgio Rodrigo seine Dissertation »L’univers percussif afro-brésilien et la composition musicale: vers une approche théorique et pratique de la matière animée« unter anderem vor seinem künstlerischen Betreuer Prof. Daniel D’Adamo (Komposition, HEAR), seiner wissenschaftlichen Betreuerin Prof. Dr. Grazia Giacco (Musikwissenschaft, Unistra) und aus Freiburg Prof. Brice Pauset (Komposition).
Wir sind sehr froh und stolz, dass es im Akademischen Jahr 2024/2025 gelungen ist, Sinn und Zweck des Collège Glarean erstmalig zu erfüllen und sehen diese Glarean doctores mit einem lachenden und einem weinenden Auge das Collège verlassen, wobei mit ihnen sogleich das neue Alumni-Netzwerk eingerichtet und aufgebaut wird! Durch diese Abschlüsse war es im vergangenen akademischen Jahr überhaupt erst möglich, im Aufnahmeverfahren 2025 neue Bewerberinnen und Bewerber zu hören, denn mit 31 Doktorandinnen und Doktoranden war die Kapazitätsgrenze des Collège Glarean zunächst erreicht. Im Aufnahmeverfahren 2025 haben sich einmal mehr dutzende Interessierte an die Mitglieder der Direktion, die beiden Koordinatoren und einzelne Professorinnen und Professoren gewandt. Auf Grundlage von umfangreichen Dossiers und künstlerisch-wissenschaftlichen Aufnahmeprüfungen, die diesmal in Freiburg abgehalten wurden, wurden drei Bewerber und eine Bewerberin ausgewählt, die im akademischen Jahr 2025-2026 ihr Doktorat am Collège Glarean begonnen haben.
Doktorandenseminare
Wie jedes Jahr fanden am Collège Glarean wieder zwei Doktorandenseminare statt. Erweitert wurde das Angebot diesmal durch die sehr ähnlich strukturierten »Study Days Artistic Research«, die fortan jeden November an einer der Partnerhochschulen der Schweizer graduate schools stattfinden – im November 2024 an der »Hochschule Luzern – Musik«. Mit Vorträgen von Carlos Cordeiro, Hae-Lim Lee und Elisa Rumici war auch das Collège Glarean im Programm stark vertreten.
Das reguläre Doktorandenseminar in Straßburg fand im Januar 2025 statt. Dort stellten gleich sechs Doktorandinnen und Doktoranden den Stand ihrer Promotionsprojekte vor (Carlos Cordeiro, Natalia Salinas, Aurore Grosclaude, Pierre Rouinvy, Seonhwa Lee, Matías Fernandez Rosales), während Prof. Dr. Mathieu Schneider, Musikwissenschaftler an der Unistra und Mitglied in der Direktion des Collège Glarean, den Gastvortrag »Deafness to Nature in Performances of 20th Century Musical Theatre. An Essay on Ecological Approaches in Music« hielt. Die in Straßburg angebotenen, parallelen Workshops waren dieselben wie beim vorherigen Seminar, um allen eine Teilnahme an beiden Workshops zu ermöglichen: Dorothea Gädeke, Schauspielerin, Regisseurin, Atem-, Sprech- und Stimmtherapeutin (Hochschule für Musik Freiburg, Freiburger Institut für Musikermedizin) bot wieder »Präsentation und Präsenz« an; Dr. Dagmar Danko, Kunst- und Kultursoziologin (Hochschule für Musik Freiburg, Koordinatorin des Collège Glarean) den Soziologie-Workshop »Thinking Music Sociologically«. Am Abendkonzert in der Cité de la Musique et de la Danse waren sieben Doktorandinnen und Doktoranden des Collège Glarean beteiligt, die unter anderem Kompositionen von zwei weiteren Doktorandinnen spielten, sodass auch diesmal wieder vielfältige Kooperationen zwischen den Musizierenden realisiert wurden.
Das wie immer im Juni stattfindende Seminar in Freiburg hatte diesmal die Besonderheit, nach anderthalb Tagen direkt in die anschließende Tagung »Artistic Research in Music« überzugehen, sodass die Doktorandinnen und Doktoranden des Collège Glarean hier an ganzen drei Tagen zusammenkamen. Im Laufe des Seminars stellten drei von ihnen Aspekte ihrer Promotionsprojekte vor (Olivier Duverger-Houpert, Ema Katrovas, Pierre Rouinvy). Zwei externe Gäste boten Einblick in unterschiedliche musikbezogene Forschung: Dr. Martin Kaltenecker, Historischer Musikwissenschaftler an der Université Paris Cité, trug über »L’Ecoute, pratiques, discours, époques« vor. Dr. Gina Emerson, Systematische Musikwissenschaftlerin an der Humboldt-Universität zu Berlin, referierte zum Thema »Understanding ›the audience‹: Points of exchange for audience experience research and artistic research«. Die zwei parallel angebotenen Workshops waren neu: Die Direktionsmitglieder Prof. Dr. Ludwig Holtmeier und Prof. Dr. Mathieu Schneider gaben kurz vor ihrem Abschluss stehenden Doktorandinnen und Doktoranden »Interview and Career Counseling«. Dr. Nathalie Hérold, Musikwissenschaftlerin und Musikerin an der Sorbonne Université, führte durch den Workshop »Music Analysis«. Diese Angebote sind von den Doktorandinnen und Doktoranden wieder sehr gut angenommen worden. Es gab sogar einen dritten Workshop, den der Doktorand Lorenz Rommelspacher eigenständig für seine Kommilitoninnen und Kommilitonen organisierte: Einen Peer-to-peer-Workshop zu Techniken des »Self-Recording« – eine proaktive Erweiterung des Seminarprogramms, die den großen Einsatz der Doktorandinnen und Doktoranden unter Beweis stellt. Das Abendkonzert fand dann schon integriert in die Tagung »Artistic Research in Music« statt, was den Teilnehmenden sowohl des Seminars als auch der Tagung ermöglichte, sechs Doktorandinnen und Doktoranden zum übergeordneten Thema »Music About Music« zu hören.
Die Tagung wurde federführend von Robert Bauer, Professor für Musiktheorie/Écriture und Doktorand am Collège Glarean, organisiert. Robert Bauer hat seit dem Akademischen Jahr 2024/2025 eine DFH-Professur inne und lud in diesem Rahmen zahlreiche Gäste aus dem europäischen Ausland ein, um gemeinsam über die verschiedenen Formen und Aspekte von künstlerischer Forschung in Austausch zu treten. Die Tagung fand am ersten Tag an der Hochschule für Musik Freiburg und am zweiten Tag am Musikwissenschaftlichen Seminar der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg statt, sodass einmal mehr die hochschulübergreifende Kooperation mit der Uni, wie sie seit Längerem über das FZM gepflegt wird, zum Tragen kam. Vorträge hielten: Alessandro Arbo, Professor für Musikästhetik und -philosophie an der Unistra, Yves Balmer, Musikwissenschaftler und Komponist am Conservatoire de Paris, Mieko Kanno, Professorin für »Artistic Research in Music Performance« an der Sibelius Academy/Uniarts Helsinki, Deniz Peters, Professor für »Artistic Research in Music« an der Kunstuniversität Graz und von der Hochschule für Musik Freiburg die Hochschullehrenden Natasha Loges, Laurens Patzlaff und Clemens Wöllner. Diese hochkarätige, internationale Besetzung der Tagung unter gleichzeitiger Teilnahme zahlreicher Mitglieder des Collège Glarean sowie der Schweizer graduate schools aus Luzern und Bern ermöglichte vielfältige und intensive Gespräche über die Inhalte, Ausrichtung und strukturelle Organisation von Künstlerischer Forschung, die Ende Juni trotz sehr hoher Temperaturen in den Hörsälen, aber durchaus auch im Kastaniengarten angeregt geführt wurden.
Festival aux Chandelles
Das Collège Glarean initiiert Kooperationen mit Kulturpartnern, um den Doktorandinnen und Doktoranden Auftrittsmöglichkeiten im Oberrheingebiet zu ermöglichen und dadurch den künstlerischen Aspekt ihrer Promotionsvorhaben zu fördern. Im Akademischen Jahr 2024/2025 ist das Collège Glarean mit dem »Festival aux Chandelles« zusammengekommen, einem traditionsreichen Festival für klassische Musik, das 1962 in einem kleinen Ort im Elsass lanciert wurde und 2024 durch die künstlerische Direktorin Hélène Papadopoulos wiederbelebt werden konnte. Im Rahmen der Reihe »Illuminations« konnten unsere Doktorandinnen und Doktoranden Ende Mai 2025 Veranstaltungen präsentieren, die immer aus einem öffentlichen Gespräch mit passender Filmvorführung und tags darauf aus einem abendlichen Konzert bestanden, das als Gesprächs- oder Vortragskonzert mit Publikumsaustausch zu gestalten war. Unsere Pianistin Aurore Grosclaude (Unistra/HEAR) und unser Pianist Pierre Rouinvy (Unistra / Hochschule für Musik Freiburg) präsentierten »Introspection«, ein Schumann-Schönberg-Projekt und unser Komponist Lorenz Rommelspacher (Hochschule für Musik Freiburg) das immersive Konzert »Song for Silence«. Die Auftritte beim »Festival aux Chandelles« über jeweils zwei Tage, in ländlicher Gegend und vor fachfremdem, wenngleich musikinteressiertem Publikum, waren intensiv, ungewöhnlich und absolut positiv. Wir freuen uns sehr, dass jetzt schon feststeht, dass diese Kulturpartnerschaft 2026 fortgesetzt wird und weitere Doktorandinnen und Doktoranden des Collège Glarean die Chance erhalten, ihre künstlerische Arbeit und Forschung in diesem Kontext zu präsentieren.
Ausblick
Mit den ersten Absolventinnen und Absolventen und vielen nunmehr gut erprobten Abläufen, sei es bei den Doktorandenseminaren oder dem Aufnahmeverfahren, sehen wir dem Akademischen Jahr 2025/2026 mit Freude entgegen. Es hat sich gezeigt, dass sowohl das Angebot des Collège Glarean als auch die Nachfrage nach einem solchen binationalen, strukturierten Promotionsstudiengang hervorragend zusammenpassen. Nachdem das Doktorandenkolleg zwischen den drei Partnerhochschulen also gut etabliert ist, wird es in der nächsten Zeit darauf ankommen, das Netzwerk für Künstlerische Forschung im Oberrheingebiet und darüber hinaus weiter auszubauen.
Dr. Dagmar Danko, Koordinatorin des Collège Glarean










