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»Über die Schulter geschaut«

Das Mentorinnenprogramm des Gleichstellungsbüros der Hochschule für Musik Freiburg im Studienjahr 2022/2023
Links Rahel Kramer neben Sarah Maria Sun, rechts Lena Geiger neben Camilla Nylund

Als Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule für Musik Freiburg habe ich seit einigen Jahren die Möglichkeit, in der Frauenförderung zu arbeiten und gleichstellungsrelevante Themen in den Hochschulalltag hineingeben zu dürfen. Ein Schwerpunkt dabei ist, den weiblichen Nachwuchs zu unterstützen und zu motivieren. Ziel ist es, eines Tages die Lücken zu schließen, die derzeit in Hinblick auf die landesweite Teilhabe von Frauen in Professuren und allgemein auf Leitungsebenen bestehen. Voraussetzung dafür ist im Bereich Musik auch, eine gute eigene Karriere zu leben. Um dafür gestärkt aus der Hochschule ins Berufsleben zu starten, soll das Mentorinnen Programm »Über die Schulter geschaut« ein positiver Beitrag sein. Das Programm des Gleichstellungsbüros der Hochschule für Musik Freiburg für Studentinnen der Hochschule startete zum Wintersemester 2021/2022. Hierfür können sich Studentinnen einmal im Jahr bewerben, um eine Mentorin ihrer Wahl kennenzulernen, von ihr beraten zu werden und vom Einzelcoaching durch Kirsten Peters zu profitieren. Im Studienjahr 2022/2023 hatten wir das große Glück, die Sängerin Sarah Maria Sun und die Kammersängerin Camilla Nylund als Mentorinnen zu gewinnen. Dafür bin ich persönlich überaus dankbar, denn beide haben sich viel Zeit genommen, um sich mit den Studentinnen Rahel Kramer (Sarah Maria Sun) und Lena Geiger (Camilla Nylund) sowohl online als auch live zu treffen und sogar mit ihnen zu arbeiten. Die Berichte der beiden Studentinnen, denen das gesamte Gleichstellungsbüro weiterhin viel Erfolg auf ihren Wegen wünscht, sprechen für sich. Mein Dank gilt auch Solveig Roscher (Projektmanagement), Jacqueline Pfann, den beiden Professorinnen Dr. Nathalie Meidhof und Mareike Morr, mit denen ich im Gleichstellungsbüro zusammenarbeite, sowie dem Rektorat und dem Kanzler für die Unterstützung unserer Projekte.

Prof. Regina Kabis-Elsner, Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule für Musik Freiburg

Bericht von Rahel Kramer: In Dresden bei Sarah Maria Sun

Meiner Erfahrung nach können durch den Austausch mit anderen Musikerinnen und Musikern sowie Künstlerinnen und Künstlern viele kreative Energien freigesetzt werden. Man findet Inspiration, Motivation und vielleicht schon Kontakte für ein künftiges Projekt. Daher halte ich das Mentorinnenprogramm der Hochschule für Musik Freiburg für eine großartige Möglichkeit und bin sehr froh, in dieses Programm aufgenommen worden zu sein. Lange überlegen, wen ich mir als Mentorin wünsche, musste ich nicht: Meine Wahl fiel auf Sarah Maria Sun. Die Sopranistin ist eine der führenden Interpretinnen für Zeitgenössische Musik und da auch ich einen meiner Schwerpunkte in der Neuen Musik sehe, war sie einfach die perfekte Wahl. Dementsprechend glücklich war ich, als sie die Anfrage annahm, und ich sie im Februar 2023 in Dresden kennenlernen konnte. Dort befand sie sich in den Endproben für das Stück »Psychose 4.48« des britischen Komponisten Philip Venables. Als ich am ersten Abend in die Spiel stätte der Semperoper Dresden »Semper Zwei« kam, empfing mich Sarah Maria Sun mit offenen Armen. Ich durfte bei einer Endprobe dabei sein, konnte den Produktionsleiter und das Regie Team kennenlernen und in der Kantine mit Sarah Maria Sun und den anderen fünf Sängerinnen quatschen. Am nächsten Tag lud mich Sarah Maria Sun zu sich nach Hause zu Kaffee und veganem Käsekuchen ein, wo wir uns besser kennenlernen konnten. Ich konnte ihr Fragen zu ihrem Werdegang, ihrer Karriere und ihrer Herangehensweise an zeitgenössische Musik stellen und erhielt spannende Antworten und einen Einblick in ihre tiefgründige Künstlerinnenpersönlichkeit. Besonders eindrucksvoll fand ich, mit welchem Anspruch der Wahrhaftigkeit sie an jedes Werk heran tritt, wie ernst sie auch ihren Auftrag als Sängerin nimmt und welches Erleben sie dem Publikum ermöglichen möchte. Doch nicht nur für ein inspirierendes Gespräch, auch für die musikalische Arbeit mit mir nahm sie sich Zeit. Wir arbeiteten an einem Stück (»fruit songs« der britischen Komponistin Kerry Andrew) und suchten nach Farbpotenzial in der Stimme, ehrlichen Emotionsäußerungen und kreativen, wahrhaftigen Interpretationsansätzen. Der Nachmittag ging schnell vorbei, dann musste sie los in die Maske, am Abend sahen wir uns bei der Generalprobe. Abgesehen von dem musikalischen Input war ich auch ganz begeistert von Dresden und genoss die Alt und Neustadt, besichtigte die Frauenkirche und besuchte so viele Museen und Kunstaustellungen, wie ich konnte. Am letzten Abend war die grandiose Aufführung, danach konnte ich im Restaurant nochmals mit den Musikerinnen und Musikern quatschen und mich von Sarah Maria Sun verabschieden. Der Austausch mit ihr, das musikalische Erlebnis in der Semper Zwei sowie Dresdens Schätze der Architektur und Bildenden Kunst machten diesen zu einem eindrücklichen Aufenthalt. Danke an das Mentorinnenprogramm der Hochschule für Musik Freiburg für das Ermöglichen dieser unvergesslichen Tage!

Bericht von Lena Geiger: Arbeiten mit Camilla Nylund und Kirsten Peters

Das Mentorinnenprogramm »Über die Schulter geschaut« gab mir im Sommersemester 2023 durch Coachings mit Kirsten Peters und der Kammersängerin Camilla Nylund die Möglichkeit, weiter an meinem Berufsweg als Opernsängerin zu arbeiten. Es zieht mich auf die Bühne und ich möchte meine Freude am Operngesang in meinem zukünftigen Beruf verwirklichen. Dieser Weg bringt viele neue Aufgaben mit sich. Die Karriereberaterin Kirsten Peters ist für mich eine großartige Ansprechpartnerin für diese Themen. Sie hat viel Erfahrung speziell mit Musikerinnen und Musikern und bietet ein breites Repertoire an Tools an. Mit ihr konnte ich intensiv an meinem Mindset als Sängerin arbeiten und mich mit der Frage beschäftigen: »Was möchte ich als Sängerin verkörpern, und was muss ich dafür noch tun?« Außerdem konnte sie mir praktische Programme empfehlen, um meine tägliche Organisation zu erleichtern. Sie bestärkte, unterstütze und motivierte mich, zeigte mir aber auch klare Grenzen auf, die ich als junge Künstlerin nicht überschreiten sollte. Die Möglichkeit, die Opernsängerin Camilla Nylund kennenzulernen, war für mich eine große Inspiration. Sie konnte in über 30 Jahren auf der Opernbühne viel Erfahrung an zahlreichen renommierten und internationalen Opernhäusern sammeln. Es war sehr spannend, sie als Künstlerin auf der Bühne in verschiedenen Rollen zu sehen. So konnte ich sie in Berlin als »Marschallin« in »Der Rosenkavalier« von Richard Strauss und später in München als »Salome« in Strauss’ gleichnamiger Oper erleben. Besonders spannend war es, sie persönlich auch hinter der Bühne kennenzulernen zu können. In Berlin konnte ich ihren ganzen Arbeitstag begleiten und mit ihr hinter die Bühne und in die Maske gehen. Nach der Aufführung sprachen wir beim gemeinsamen Abendessen über die Vorstellung. Ganz besonders prägend für mich war das an die Vorstellung in München anschließende Einzel Coaching mit ihr. Sie nahm sich viel Zeit, um mit mir zu arbeiten. Wir sind gemeinsam die Partie der »Agathe« aus Carl Maria von Webers »Der Freischütz« durchgegangen, die sie bereits mehrmals, unter anderem in Wien, gesungen hatte, und die ich momentan in meinem ersten Engagement bei den Schlossfestspielen Ettlingen singe. Aus ihrer Erfahrung konnte sie mir viele Tipps geben, sang verschiedene Phrasen vor und erklärte mir ihre technische Vorgehensweise. Es war spannend, sie nun so nahe zu hören und zu vergleichen, wie ihre Stimme auf der Bühne klingt. Es war eine Arbeit auf Augenhöhe und ich schätze ihre Bodenständigkeit sehr. Sie ist sehr freundlich, aber bestimmt, und hat eine klare Vorstellung, was man für den Beruf als Sängerin braucht. Ich bin sehr dankbar, Teil des Mentorinnenprogramms gewesen zu sein und mich nun voller neuer Inspiration und Motivation weiterzuentwickeln und meinen Weg als Sängerin zu gehen. Sowohl mit Kirsten Peters als auch mit Camilla Nylund werde ich weiter in Kontakt bleiben und freue mich auf den weiteren Austausch.

Weitere Informationen zum Mentorinnenprogramm »Über die Schulter geschaut« stehen auf unserer Website.

Im Bild: Rahel Kramer mit ihrer Mentorin Sarah Maria Sun, Lena Geiger mit ihrer Mentorin Camilla Nylund (von links nach rechts). Fotos: Rahel Kramer (links), Lena Geiger (rechts).

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