„Double Mixte“: Zwei einaktige Opéras Bouffes
16. Dezember 2025
Im Januar 2026 führen Studierende der Hochschule für Musik Freiburg an vier Abenden zwei Opéras Bouffes auf: In Albert Roussels „Le Testament de la Tante Caroline“ („Das Testament von Tante Caroline“) geht es um gierige Spießbürger, die nach dem Tod ans Geld ihrer ungeliebten Tante wollen. Die hat das Erbe aber an unmögliche Bedingungen geknüpft und es tauchen Verwandte auf, die niemand auf dem Schirm hatte. Das zweite Stück „Alexandre Bis“ („Zweimal Alexander“) handelt von Treue und Untreue eines Ehepaars – und von einem singenden Porträt, das sich in alles einmischt.
Paris um 1900: Eine Gruppe von Erben träumt in einer Wohnung bereits vor der Verlesung des Testaments davon, wie sie das riesige Vermögen ihrer Tante Caroline ausgeben wollen. Dass diese das Geld als Edel-Prostituierte verdient hat, war vor ihrem Tod ein Problem – jetzt nicht mehr. Doch die Verstorbene macht allen einen Strich durch die Rechnung: Das Erbe geht plötzlich an Verwandte, die niemand auf dem Schirm hatte, es ist an unmögliche Bedingungen geknüpft („nur falls ihr innerhalb eines Jahres einen Sohn zeugt“) und uneheliche Kinder, die niemand kennt, treten auf den Plan. Warum das 1936 uraufgeführte Stück auch heute noch funktioniert, erklärt Prof. Alexander Schulin, Leiter des „Instituts für Musiktheater“ der Hochschule für Musik Freiburg: „Es ist eine Boulevard-Komödie im besten Sinne, mit witzigen Dialogen und einer spannenden Dramaturgie, die mit sehr schöner Leichtigkeit erzählt wird. Das Stück macht sich lustig über Kleinbürger, die ihre Tante ein Leben lang geschnitten haben, aber sofort auf der Matte stehen, wenn es ein Erbe zu verteilen gibt. Und über genau diese gierigen und kleinlichen Charakterzüge wird das Publikum sich – damals wie heute – amüsieren können und feststellen, dass man vor allem über sich selbst lacht, wenn man über andere lacht.“
„Alexandre Bis“: Das Porträt singt, spricht und mischt sich dauernd ein
Im zweiten Stück „Alexandre Bis“ geht es um ein Ehepaar, das schon lange zusammen ist und sich miteinander langweilt. Auf der Suche nach Veränderung beschließt der Ehemann Alexandre, seinen Bart abzurasieren und sich neu einzukleiden – um damit 20 Jahre jünger auszusehen. Er gibt sich als Cousin seiner selbst aus und es gelingt ihm, seine Frau zu verführen. In mehreren Traumsequenzen des Stücks wird diese anschließend von Gewissensbissen gequält, bärtige Dämonen erscheinen, es kommt zu wilden Tänzen, Gewalt und slapstickartigen Situationen. Wirklich surrealistisch wird es aber durch ein singendes und sprechendes Porträt von Alexander, das an einer Wand hängt und sich ständig in die Handlung einmischt.
Musik: Viel Rhythmus, schnelle Noten und Klarheit
Bohuslav Martinů, der ein Schüler von Albert Roussel war, schrieb „Alexandre Bis“ im Jahr 1937, also fast gleichzeitig mit „Le Testament de la Tante Caroline“. Davon abgesehen gebe es musikalisch wenig Parallelen zwischen den beiden Opéras Bouffes, erklärt Prof. Marius Stieghorst, Musikalischer Leiter des „Instituts für Musiktheater“: „Das ‚Testament de la Tante Caroline‘ ist im Gegensatz zum neoklassizistischen ‚Alexandre Bis‘ in einem duftenden Salon-Stil gehalten, gemischt mit Elementen der 1920er-Jahre. Aber beide Stücke leben durch viel Rhythmus, schnelle Noten und Klarheit. Gespielt werden sie von einem kammermusikalisch besetzten Orchester.“
Beide Opéras Bouffes stammen aus der gleichen Zeit, zeigen aber ganz unterschiedliche Seiten der 1920er- und 1930er-Jahre in Paris. Und beide werden eher selten aufgeführt, sagt Alexander Schulin: „Freuen Sie sich auf unsere enthusiastischen Studierenden, die jung und hungrig sind und mit den Hufen scharren, um diese ganz unterschiedlichen Charaktere darstellen und verkörpern zu dürfen.“
Die Aufführungen
Freitag, 16. Januar 2026, 19 Uhr
Samstag, 17. Januar 2026, 19 Uhr
Montag, 19. Januar 2026, 19 Uhr
Mittwoch, 21. Januar 2026, 19 Uhr
Hochschule für Musik Freiburg, Wolfgang-Hoffmann-Saal
Double Mixte. Zwei einaktige Opéras Bouffes
Mitwirkende
Anna Heinecke, Bernadette Heinrich, Elza Loginova, Jingjing Ma, Lea Krüger, Leonor de Pereira Pinto, Miriam Stelzer, Patrizia Pfauth, Sophie Hunold, Theresa Bertrand, Andy Haberer, David Rother, Jens Martens, Johannes Arzt, Johannes Blank, Jonathan Schlittenhard, Luis Denzel, Peter Kist, Sören Thiemann, Wei Chieh Tai und viele weitere Studierende aller Gesangsklassen
Orchester der Hochschule für Musik Freiburg
Marius Stieghorst → Musikalische Leitung
Godeleine Catalan, Jiantao Yu → Musikalische Assistenz
Dariia Holiatina, Pauline Moulin-Klimoff → Choreinstudierung
Kyeongseo Lee, Fridolin Bosse → Korrepetition
Eva Kirchner → Produktionsleitung
Alexander Schulin, Fabian Lüdicke, Juliane Hollerbach, Emma-Louise Jordan → Szenische Leitung
Programm
Albert Roussel → „Le Testament de la Tante Caroline“ (Libretto von Nino)
Bohuslav Martinů → „Alexandre Bis“ (Libretto von André Wurmser)
Eintritt
Platzgruppe 1/2: 16/12 Euro, 10/8 Euro ermäßigt, 12/10 Euro für Mitglieder der Fördergesellschaft
Tickets an der Abendkasse oder online unter: https://www.mh-freiburg.de/tickets
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Kontakt
Ben Klaußner
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0761 31915-53
E-Mail: b.klaussnermh-freiburg.de



