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Konzert |

Hans Zender: Schuberts »Winterreise«

Eine komponierte Interpretation für Tenor und kleines Orchester
Winterlandschaft

Mitwirkende

Ensemble Recherche
Ensemble Particles – Ensemble für zeitgenössische Musik der Hochschule für Musik Freiburg
Hans Jörg Mammel → Tenor
Friederike Scheunchen → Leitung

Programm

Hans Zender → Schuberts »Winterreise«

Side-by-side-Ensemblekonzert des Instituts für Neue Musik mit dem Ensemble Recherche

Foto: Atle Mo auf Unsplash

Mit Windmaschinen, Sänger und »Ensemble Recherche«

Am 6. November 2023 spielen Studierende der Hochschule für Musik Freiburg gemeinsam mit dem Ensemble Recherche »Hans Zender: Schuberts ›Winterreise‹. Eine komponierte Interpretation für Tenor und kleines Orchester«. 25 Musikerinnen und Musiker sind nicht nur auf der Bühne, sondern wandern auch spielend im Konzertsaal umher. Zenders Stück bleibt eng am Original, löst sich aber auch entscheidend davon und wurde dadurch zu einem Welterfolg, der auch viele jüngere Menschen begeistert.

Der Liederzyklus »Winterreise«, den Franz Schubert 1827 für Singstimme und Klavier komponiert hat, ist weltweit eines der beliebtesten und am meisten gespielten klassischen Werke. Verlassen von seiner Geliebten irrt der Wanderer in 24 Liedern einsam, zwischen Verbitterung, schönen Erinnerungen, Verzweiflung und Todessehnsucht schwankend, durch die Winternacht. Die »komponierte Interpretation« des deutschen Komponisten und Dirigenten Hans Zender aus dem Jahr 1993 ist daran eng angelehnt – und unterscheidet sich doch deutlich vom Original, erklärt Friederike Scheunchen, Dirigentin des Ensembles für Neue Musik und Leiterin des Masterstudiengangs »Interpretation Neue Musik« an der Hochschule für Musik Freiburg. Allein schon durch das 25-köpfige Orchester: Bei dem Konzert kommen Streich-, Holz- und Blechblasinstrumente, viel Schlagwerk, Harfe und auch im klassischen Orchester seltenere Instrumente wie Gitarre, Akkordeon, Saxophon und Melodicas zum Einsatz. »Mit diesem großen Aufgebot an unterschiedlichen Klangfarben malt Hans Zender unglaublich eindrucksvoll die verschiedenen Gefühlschattierungen und Farben der Natur. Und nicht zu vergessen die drei Windmaschinen. Sie erzeugen die Geräusche von Sturm und Schnee, die dem Wanderer ins Gesicht peitschen, ihm ins Wort fahren und ihn unterbrechen.« Hans Zenders Werk ist ein Welterfolg: Schon nach der Uraufführung bekam der Komponist begeisterte Briefe von Schülerinnen und Schülern, die sich häufig zum ersten Mal für ein klassisches Stück interessierten.

Schmerzvolle Wanderung durch eine Winterlandschaft

Tenor Hans Jörg Mammel singt Franz Schuberts »Winterreise« seit Jahrzehnten, mit ganz unterschiedlichen Begleitinstrumenten. Der Fassung von Hans Zender stand er zunächst skeptisch gegenüber: »Ich dachte zuerst: ›Muss das sein, mit so vielen Instrumenten?‹ Doch inzwischen verstehe ich seine Idee, die ›Winterreise‹ zu öffnen und einem größeren Publikum zugänglich zu machen.« Das erreicht Hans Zender etwa dadurch, dass er die Musikerinnen und Musiker durch den Konzertsaal gehend spielen lässt, was auch Franz Schuberts Intention entspräche, meint Friederike Scheunchen: »Schubert hat das Werk zunächst seinen Freunden im kleinen Kreis im heimischen Wohnzimmer vorgeführt. Sie waren erschüttert von dieser wahnsinnig schmerzvollen Wanderung durch die Winterlandschaft. Heutige große Säle schaffen eine große Distanz. Das versucht Hans Zender umzuarbeiten, indem er das Publikum mitten hineinsetzt in die Musik. Es kann die Musikerinnen und Musiker dabei beobachten, wie sie in sich versunken gleichzeitig gehen und spielen.« Im Orchester spielen neben Studierenden auch sieben Mitglieder des »Ensemble Recherche«, einem der weltweit führenden Ensembles der zeitgenössischen Musik.

Hans Zender verschleppt und beschleunigt – eine Herausforderung für den Sänger

Hans Zender übernimmt in seiner Interpretation Struktur und Reihenfolge der 24 Lieder vom Original, aber er verfremdet und überarbeitet sie. Er ändert die Instrumentierung zwischen den Liedern, den Rhythmus, er verschleppt und beschleunigt das Tempo – eine Herausforderung für die Musikerinnen und Musiker und für Sänger Hans Jörg Mammel: »Das ist großartig gemacht, aber nicht ganz einfach. Es muss auf den Punkt gespielt und gesungen werden. Inzwischen bereitet mir diese Version aber mindestens genau so viel Freude, wie das Original. Allein schon der Einstieg mit einem Tomtom, das im Takt des Wanderers immer intensiver gespielt wird – als ob jemand durch einen Wald schlurft und langsam näherkommt. Das ist sehr spannend gemacht.«

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