Joscha Kremsler im Interview

Erstmal: Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Deutschen Musikwettbewerbs 2026! Ich nehme an, Sie sind nun darin geübt, Interviews zu geben.

(Lacht) Es gab tatsächlich einige Medienanfragen. Einige Interviews habe ich schon direkt vor Ort in Bonn gegeben aber auch in der Zeit nach dem Wettbewerb gab es mehrere Interviews. Das war schon aufregend. Ich habe mich aber tatsächlich mittlerweile ein bisschen daran gewöhnt.

War es für Sie eine neue Erfahrung, so viel Aufmerksamkeit zu bekommen?

Ja schon. Ich habe schon früh bei »Jugend musiziert« mitgemacht, was ja auch ein nationaler Contest ist. Vor zwei Jahren war ich dann in Innsbruck bei einem internationalen Wettbewerb erfolgreich. Aber medial gesehen war das nun schon das größte Ereignis für mich.

Ist es eine besondere Herausforderung, sich auf den Wettbewerb zu konzentrieren, wenn der Fokus der Öffentlichkeit in verstärktem Maß auf einem liegt?

Ich konnte mich gut auf das Wesentliche konzentrieren, obwohl es auch schon vor dem Finale Interviews gab. Aber es war natürlich schon auch eine Herausforderung gedanklich beim Wettbewerb zu bleiben.

Was würden Sie aus dieser Erfahrung heraus anderen Studierenden raten, was hat ihnen selbst geholfen - und wo hätten sie sich selbst vielleicht mehr Vorwissen oder Begleitung gewünscht?

Also ich glaube eigentlich, dass man das alles gut lernt im Verlauf so eines Wettbewerbs. Für mich war es viel Learning by Doing, ich hätte rückblickend glaube ich kein spezielles Vorwissen gebraucht. Natürlich ist es ein bisschen holprig, wenn man zum ersten Mal in ein Mikrofon sprechen muss. Aber mir war die ganze Zeit über bewusst, dass mein Fokus auf der Musik und der musikalischen Vorbereitung liegt. Und da hatte ich die besten Ansprechpartner.

Und trotzdem wird gerade bei so einem großen Wettbewerb deutlich, dass es zwei Ebenen gibt, das Musikalische und das Interesse für den Musiker als Persönlichkeit, oder wie nehmen sie das wahr?

Ja, das stimmt schon. Andererseits gehört es bei einem Wettbewerb ebenso wie bei jedem Konzert dazu, dass man sich sowohl musikalisch vorbereitet als auch mit der Frage beschäftigt, wie man sich präsentieren möchte, welche Persönlichkeit man auf der Bühne zeigen möchte. Von daher fällt es dann auch nicht so schwer, sich auch abseits der Bühne zu zeigen. Das zumindest ist meine Erfahrung.

Lassen Sie uns noch ein bisschen über den eigentlichen Wettbewerb sprechen - wie lange haben sie sich darauf vorbereitet?

Also die Anmeldung war schon im Spätsommer des letzten Jahres. Ich plane eigentlich immer ein halbes bis ein Jahr im Voraus. Gerade für Klarinette gibt es nicht so viele Wettbewerbe, da weiß man schon relativ gut, welche Wettbewerbe auf einen zukommen. Natürlich bin ich auch immer im Austausch mit meinem Professor Kilian Herold. Er war auch derjenige, der mir empfohlen hatte, mich beim Deutschen Musikwettbewerb zu bewerben.

Sind Wettbewerbe für Sie etwas, das sie gerne machen oder doch eher Stress?

Ich nehme tatsächlich gerne an Wettbewerben teil. Schon allein, weil man dafür immer viel neues Repertoire lernt und ein großes Ziel hat. Das spornt mich an.

Würden Sie sich selbst als kompetitiv bezeichnen?

Also eigentlich würde ich sagen, nein. Was ich an Wettbewerben spannend finde, ist vor allem, dass man dabei immer einen großen Schritt macht in der eigenen Entwicklung. Außerdem habe ich in der Vorbereitung für Wettbewerbe das Gefühl, besonders genau zu sein mit mir selbst. Die persönliche Höchstleistung ist für mich die treibende Kraft. Wahrscheinlich hat das dann schon auch was mit Kompetitivität zu tun.

Was war ihr erster Wettbewerb?

Mit zehn Jahren habe ich angefangen Klarinette zu spielen und mit 12 Jahren habe ich das erste Mal bei »Jugend musiziert« teilgenommen. Ich bin also schnell in Wettbewerbe eingestiegen. Der Impuls dazu kam aus mir selbst. Ich glaube, was mir bei Wettbewerben hilft, ist dass ich stets versuche den Wettbewerb als Konzert zu betrachten. Ich glaube für mich steht das Messen mit mir selbst im Vordergrund und weniger der Vergleich mit anderen - wobei das natürlich auch irgendwo mitspielt.

Was motiviert sie bei Wettbewerben sonst noch?

Ein großer Ansporn ist für mich auch immer die Anschlussförderung, die ein Gewinn bei einem Wettbewerb so mit sich bringt. Das ist natürlich das Sahnehäubchen.

Der »Deutsche Musikwettbewerb« ist in dieser Hinsicht ja gut bestückt. Unter anderem gehört eine CD-Aufnahme zum Preis dazu. Haben sie schon eine Idee, was sie einspielen wollen?

Es ist noch sehr vage. Ich habe mir schon ein paar Gedanken gemacht und mich darüber auch schon mit meinem Professor unterhalten, aber das ist noch nicht spruchreif. Ich hatte bislang auch noch nicht so viel Zeit mich damit auseinander zu setzen. Ich denke das wird dann in den Semesterferien weiter reifen.

Sind sie dann nicht schon wieder in der Vorbereitung für den nächsten Wettbewerb?

Ich habe im Anschluss an den »Deutschen Musikwettbewerb« nun auch das Probespiel für einen Zeitvertrag gewonnen. Deswegen geht es ab dem 1. September für mich nun erstmal für ein Jahr nach Saarbrücken, wo ich die Soloklarinette bei der »Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern« spiele.

Ein straffes Programm - viel Zeit für eine Pause bleibt da nicht. Wie bleiben sie in Balance?

Es ist gut und wichtig fokussiert zu arbeiten. Aber es ist für mich auch sehr wichtig andere Sachen zum Ausgleich zu machen. Ich finde, es ist wichtig für den Kopf, zu merken, dass ein Wettbewerb oder ein Probespiel nicht das Einzige und Wichtigste ist. Dieser Gedanke wäre eher hinderlich. Man muss schon schauen, dass man sich auch sozial mit Freunden trifft und Sport macht, so dass man sich auch gut fühlt. Es ist ein Prozess. Man lernt immer besser mit sich selbst umzugehen.

Haben sie ein Ritual, einen Ablauf, der Ihnen hilf auch in stressigen Momenten in die Ruhe und in den Fokus zu kommen?

Tatsächlich fange ich bei großen Wettbewerben oder Probespielen ein paar Wochen vorher immer an relativ viel Sport zu machen, weil sich dann einfach weniger Stress ansammelt. Die Tage davor versuche ich auch ein bisschen zu meditieren. Das hilft mir in kurzer Zeit einen klaren Kopf zu bekommen. Am Tag des Wettbewerbs oder des Vorspiels, versuche ich entspannt zu bleiben und habe auch Musik, die ich dann höre oder Playlists mit Meditationen und Manifestationen. Das hilft sehr.

Haben Sie denn schon einen nächsten großen Wettbewerb im Auge, den sie angehen wollen?

Erstmal nichts Konkretes. Nach dem Jahr in Saarbrücken beginnt die Konzertförderung, die ja Teil der Anschlussförderung des »Deutschen Musikwettbewerbs«  für die Stipendiaten und Preisträger ist. Wir hatten jetzt die Möglichkeit uns in Ensembles zusammen zu finden. Und in der Saison 27/28 sind dann Konzerte und Konzerttourneen in ganz Deutschland für uns geplant, vor allem Kammermusik aber auch Rezitale mit Klavier. Ich denke, das wird zeitintensiv. Ich will mir das Jahr deshalb möglichst freihalten, um die Konzertförderung auch gut auskosten zu können.
 

Joscha Kremsler

Joscha Kremsler

Der Gewinner des »Deutschen Musikwettbewerbs 2026« ist Bachelorstudent an der Hochschule für Musik Freiburg im Fach Klarinette (Klasse Prof.Kilian Herold)