Großprojekt des Hochschulchors 2024: Brittens »War Requiem«

Aus dem Projekt »War Requiem«
Der Chor der Hochschule für Musik Freiburg, brachte Brittens »War Requiem« mit dem Freiburger Bachchor, dem Freiburger Bachorchester, den Freiburger Domsingknaben sowie dem Orchester der Hochschule auf die Bühne

Die Aufführung des »War Requiem« von Benjamin Britten war für den Hochschulchor eine ganz besondere künstlerische und persönliche Erfahrung. Denn im Mittelpunkt stand bei diesem Projekt nicht nur die Erarbeitung eines anspruchsvollen musikalischen Werkes, sondern vor allem die Auseinandersetzung mit einer gesellschaftlich hochrelevanten Botschaft: der Erinnerung an Krieg, Zerstörung und die Verantwortung, Frieden zu bewahren. 

Das Projekt in Kooperation mit dem Freiburger Bachchor, dem Freiburger Bachorchester, den Freiburger Domsingknaben sowie dem Orchester der Hochschule für Musik Freiburg, fand im Rahmen eines Gedenkkonzerts zum 80. Jahrestag der Bombardierung Freiburgs statt und war Teil einer Veranstaltungsreihe rund um die Eröffnung des NS-Dokumentationszentrums Freiburg. Flankiert wurde das Projekt durch einen Vortrag des renommierten Historikers Prof. Dr. Ulrich Herbert im vollbesetzten Konzertsaal der Musikhochschule, sowie einem musikwissenschaftlichen und einem Musikvermittlung-Seminar unter der Leitung von Joss Reinicke. 

Diskurs über die Aufgabe von Kunst in der Gesellschaft

Für uns Mitwirkende bedeutete dies, sich eben nicht nur mit den musikalischen Herausforderungen, die dieses Werk reichlich bietet, auseinanderzusetzen, sondern auch mit den historischen Hintergründen und der Frage, welche Rolle Kunst in der heutigen Gesellschaft spielen kann – eine sehr relevante Frage für uns überwiegend Lehramt studierenden Sängerinnen und Sänger des Hochschulchores, die es sich zur Aufgabe machen junge Menschen an Musik, Kunst und Kultur als wertvolle und bedeutende Komponenten einer Gesellschaft heranzuführen. Das Projekt vermittelte die klare Botschaft, dass Krieg nicht nur eine historische Tatsache ist, sondern bis heute Auswirkungen auf Menschen und Gesellschaften hat. Brittens „War Requiem“ verbindet auf eindrucksvolle Weise die lateinische Liturgie der Totenmesse mit englischen Kriegsgedichten des Dichters Wilfred Owen, der die Grausamkeit des Ersten Weltkriegs äußerst anschaulich aus eigener Erfahrung schilderte.

Die Auseinandersetzung mit diesen Texten und der Geschichte hinter dem Werk, von der die Probenarbeit unter Frank Markowitsch eindrücklich untermauert war, berührte sehr und verlieh der Musik für jeden einzelnen nicht nur eine persönlich emphatische Dimension, sondern führte auch dazu, die eigene Rolle als Musikerinnen und Musiker neu zu betrachten: Musik kann nicht nur künstlerischen Ausdruck schaffen, sondern auch eine Stimme für Erinnerung, Menschlichkeit und Frieden sein und das hat etwa mit mir ganz persönlich zu tun. Ein großes Projekt mit großer Tragweite, denn gerade diese Verbindung aus künstlerischer Qualität, historischem Hintergrund und gesellschaftlicher Aussage machte es zu einer Erfahrung, die über den Konzertabend hinauswirkt - für das Publikum wie auch für die Mitwirkenden.

Caroline von Campenhausen